Flotter Ritt durch Südharzer Themenparcours

Nordhausen.  Umweltministerin lud zum Bürgerdialog und hörte von vielen Problemen. Antworten hatte sie nicht immer.

Etwa 50 Südharzer kamen ins Herder-Gymnasium, um mit Thüringens Umweltministerin Anja Siegesmund (Grüne)zu diskutieren.

Etwa 50 Südharzer kamen ins Herder-Gymnasium, um mit Thüringens Umweltministerin Anja Siegesmund (Grüne)zu diskutieren.

Foto: Kristin Müller

Oft genug ist er derjenige, der Fragen beantworten. Am Donnerstagabend sitzt Nordhausens Oberbürgermeister Kai Buchmann (pl) mitten im Volk auf der Suche nach Antworten auf seine Fragen. Zur Diskussion ins Herder-Gymnasium eingeladen hat Thüringens Umweltministerin Anja Siegesmund (Grüne) im Rahmen ihrer Thüringen-Tour „Miteinander reden“.

„Beim Gipsthema sind wir kein Meter vorwärts gekommen“, urteilt Buchmann. Allein ein Nein zu Neuverritzungen in der Nordhäuser Gemarkung genügt ihm nicht. Nötig sei ein „konstruktives Auseinandersetzen“ mit der Wirtschaft.

Das Waldsterben wiederum mache ihn „richtig kaputt“. Er nimmt es zum Anlass, nach zusätzlichen Fördermitteln zu fragen, mit denen Friedhofsgehölze aufgeforstet werden könnten. Eine Antwort auf letzte Frage gibt Siegesmund (Grüne) nicht. In Sachen Gips betont sie, dass das Miteinander-Reden wichtig sei, ebenso aber auch das Ziehen „roter Linien“. „Natürlich sind Natura-2000-Flächen und FFH-Gebietsflächen für den Abbau tabu.“

Marlen Eckert aus Stempeda erinnert an die Flächentausch-Pläne von Knauf, durch die der Steinbruch näher ans Dorf heranrücken würde. „Wann ist im Verfahren die Beteiligung der Öffentlichkeit vorgesehen?“. Der im Ministerium zuständige Referatsleiter Jörg Bodenstein kann noch kein Datum nennen: Noch werde geprüft, ob der Flächentausch gerechtfertigt ist. Rechtens sei der Antrag von Knauf: „Die Firma hat eine Bergbauberechtigung über die gesamte Fläche.“

In Rodishain will man sich nicht damit abfinden, dass der Gewässerunterhaltungsverband ein Rückhaltebecken zum Hochwasserschutz bauen will. Die Leute sähen statt großer Betonbauwerke lieber Wiesen und Auen mitgenutzt. Diese Variante sollte zumindest geprüft werden, fordert Ortschefin Susann Jäger (pl). Wohlwissend, dass nicht das Land entscheidet, sagt Siegesmund zumindest zu, im Konflikt zu vermitteln.

Unklar bleibt an dem Abend, welchen Einfluss Thüringen auf die Bestimmungen zur Nutzung vom Stausee Kelbra hat, der größtenteils in Sachsen-Anhalt liegt. Michael Henze ärgert sich, dass einmal jährlich das Wasser abgelassen wird: „Was bringt uns die Natur, wenn wir sie nicht nutzen können?“, fragt der passionierte Wassersportler.

Siegesmund verweist auf Hochwasser-, Natur- und Artenschutz. Diese Schutzfunktionen hätten grundsätzlich immer Vorrang vor der Nutzfunktion. Landrat Matthias Jendricke (SPD) schaltet sich ein: Der Stausee als größte Wasserfläche in der Region habe eine touristische Funktion. „Das Land Sachsen-Anhalt überzieht. Wenn Thüringen Einfluss hat, nutzen Sie bitte die Möglichkeit zu sagen: Lasst den See, wie er war.“ Manfred Wagner von den Nordhäuser Ornithologen gibt allerdings zu bedenken, dass nicht nur der Wassersport, sondern auch der Kranichzug Touristen von weit her an den Stausee kommen lässt.

Torsten Schwarz, Chef der Nordhäuser Verkehrsbetriebe, will schließlich wissen, ob das Projekt eines integrierten Taktverkehrs bis ins kleinste Dorf noch weiterverfolgt wird. „Wir als Verkehrsbetriebe wären zur Umsetzung bereit.“ Siegesmund begrüßt die Idee, richtet aber den Blick auf die Realitäten: Schon der Thüringen-Takt werde sich wohl wie auch der landesweite Verkehrsverbund bis zur nächsten Landtagswahl „nicht mehr anschieben lassen“.