Forschung in Nordhausen: Schwefelbakterien helfen der Landwirtschaft

Nordhausen.  Ein neues Biogas-Forschungsprojekt ist an der Nordhäuser Hochschule gestartet. Es wird mit 308.000 Euro gefördert.

Das Team Bioverfahrenstechnik an der Hochschule Nordhausen, links Professorin Uta Breuer.

Das Team Bioverfahrenstechnik an der Hochschule Nordhausen, links Professorin Uta Breuer.

Foto: Tina Bergknapp

Im Herbst vergangenen Jahres startete das zur Hochschule Nordhausen gehörige Thüringer Innovationszentrum für Wertstoffe im Themenfeld Ressourceneffizienz seine Innovationsforschung für die Thüringer Wirtschaft. „Wir wollen die lokalen und überregionalen Unternehmen als aktiver Forschungspartner unterstützen“, erklärt Ariane Ruff, die gemeinsam mit Volker Asemann das Innovationszentrum leitet.

Der Grundstein wurde mit den vom Freistaat Thüringen aus Mitteln des Europäischen Sozialfonds geförderten Projekten „InnoWert“ und „InnoRessourcen“ gelegt.

Jetzt bewilligte das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft Fördermittel mit 308.000 Euro für einen Zeitraum von zweieinhalb Jahren zur Effizienzsteigerung von Technologien zur Biogasentschwefelung, wie Hochschul-Sprecherin Tina Bergknapp unserer Zeitung mitteilt.

„Biogas enthält neben den Hauptbestandteilen Methan und Kohlenstoffdioxid in Spuren auch Schwefelwasserstoff. Letzteres muss vor der Verstromung des Biogases im Blockheizkraftwerk aus dem Gas entfernt werden, um die Langlebigkeit des Aggregats zu gewährleisten. Hierfür gibt es auf dem Markt verschiedene technologische Ansätze mit unterschiedlichen Wirkungsgraden“, berichtet die Anja Schreiber, wissenschaftliche Mitarbeiterin an dem Innovationszentrum.

Zusammenarbeit mit mehreren Thüringer Firmen

In Kooperation mit den Thüringer Unternehmen UGN-Umwelttechnik, BTN Biotechnologie Nordhausen sowie der R&G EMSR-Technik GmbH und unterstützt durch den Netzwerkpartner Biomethan GmbH der Energieversorgung Nordhausen entwickelt das Team Bioverfahrenstechnik um Uta Breuer und Anja Schreiber nun eine völlig neuartige Verfahrensweise.

„Bereits in einem Vorgängerprojekt konnten wir die hohe Reinigungsleistung der in aquatischen Systemen vorkommenden Schwefelbakterien ‘Beggiatoa alba’ und ‘Thiotrix nivea’ nachweisen. Die innovative Idee ist nun ein modulares Drei-Stufen-Entschweflungs-Verfahren, das die Vorteile der bisherigen am Markt verfügbaren Entschwefelungssysteme miteinander verknüpft“, erklärt Uta Breuer.

Während in der ersten Stufe die neuartigen Schwefelbakterien die Hauptleistung übernehmen sollen, werden diese im zweiten Schritt durch die natürlich in Gülle vorkommenden Schwefelbakterien unterstützt. „Der letzte Schritt ist unser sogenannter ‘Safety step’. Hier garantieren eisendotierte Cellulosepellets eine hundertprozentige Gasreinigung“, erklärt die Nordhäuser Professorin.

Optimierung der Anlage mit molekularbiologischen Methoden

Neu in der Mannschaft sind die beiden Wissenschaftlerinnen Lynn Vincent und Maren Podewski, die neben der Betreuung und Optimierung der Versuchsanlage mittels molekularbiologischer Methoden die Effizienz der eingesetzten Schwefelbakterien überprüfen sollen.

Nach erfolgreicher Umsetzung des 30-monatigen Projektes soll in einem fortführenden Forschungsvorhaben ein sogenanntes Up-Scaling der Laboranlage zur Pilotanlage erfolgen. Diese soll anschließend in den Gas-Strom einer landwirtschaftlichen Biogasanlage integriert und im Praxisbetrieb getestet werden.