Freunde und Kollegen nahmen Abschied von Rainer Hellberg

Nordhausen. Familie, Freunde und vor allem viele geschichtsinteressierte Nordhäuser nahmen am Freitagnachmittag Abschied von einem, der sein Archiv nie für andere verschloss, sondern der die Historikergilde als eine ansah, in der man sich austauschen sollte. Rainer Hellberg.

Trauerfeier für Rainer Hellberg auf dem Hauptfriedhof in Nordhausen. Foto: Wolfgang Hasselbach

Trauerfeier für Rainer Hellberg auf dem Hauptfriedhof in Nordhausen. Foto: Wolfgang Hasselbach

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Unter den Trauergästen waren der Vorsitzende des Geschichtsvereins, Hans-Jürgen Grönke, Heimatforscher wie Paul Lauerwald und Jörg-Michael Junker und Weggefährten wie Klaus Verkouter vom Fußballverein Wacker, dessen Chronik zum 100-Jährigen Hellberg mitverfasst hatte.

Selbst schrieb der Verstorbene etliche Bücher, unter anderem über die Straßen Nordhausens und über den Volksaufstand von 1953. Überdies verfasste er unzählige Aufsätze. Seine persönliche Bibliothek soll er dem Humboldt-Gymnasium hinterlassen haben - wo sie jeder einsehen kann, der möchte.

Es war Hellbergs Frau Eveline, die ihm den Rücken für all sein Engagement frei hielt. Immer wieder musste der gebürtige Chemnitzer in den vergangenen Jahren in Krankenhäuser, immer wieder richtete ihn seine Frau auf. Er begann erneut zu arbeiten. Auch für unsere Zeitung, zuletzt mit der Serie über die Straßen von Nordhausen.

"Rainer Hellberg hinterlässt Spuren", hieß es am Freitag auf dem Hauptfriedhof. "Man kannte ihn als Mann mitten im Leben. Der Sohn eines Neulehrers und späteren Schuldirektors kam 1967 nach Nordhausen, weil er an die Ingenieurschule gehen wollte. Er heiratete 1971 und wohnte lange mit seiner Frau in Salza. Vor drei Jahren zog er in die Rautenstraße um.

Viele kennen ihn noch aus seiner Zeit beim Apparatebau und danach beim Fernmeldewerk. Doch erst nach der Wende fand er seine wahre Berufung: das Schreiben. Damit, so hinterließ er in einigen Zeilen, habe er sich einen Kindheitstraum erfüllt: ein Schreiber zu sein. Bücher und Artikel entstanden, für verschiedenste Publikationen.

Immer tiefer kniete sich Rainer Hellberg in die Erforschung der Stadtgeschichte und war schließlich auch stark beteiligt an der Dauerausstellung im neuen Nordhausen-Museum.

Seit 1998 gehörte der Verstorbene dem Geschichts- und Altertumsverein an, war jahrelang Pressewart. Und obwohl Krebsleiden und ab 2005 eine Lungenerkrankung ihm das Leben von Jahr zu Jahr erschwerten, legte er den Stift nicht zur Seite. Selbst an seinem letzten Tag konnte er noch einige Gedanken niederschreiben.

"Er hatte auch noch einige Zukunftspläne", berichtete die Rednerin in der Trauerhalle vor rund 70 Gästen. So habe er bis zum Schluss am dritten Band seines Straßenbuchs gearbeitet. Ob dieses posthum noch erscheinen wird, ist noch nicht klar, sagte sein Verleger Dirk Schröter unserer Zeitung.

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