Lärm und Abgase in der Nordhäuser Altstadt erzürnen

Nordhausen.  Das Ordnungsamt sieht nach Verkehrszählung keinen Handlungsbedarf. FDP-Fraktion will das nicht hinnehmen.

Eine Zählung hat in der Nordhäuser Altstadt, hier Am Alten Tor, im Vergleich zu 2018 ein höheres Verkehrsaufkommen ergeben, fast eine Verdoppelung.

Eine Zählung hat in der Nordhäuser Altstadt, hier Am Alten Tor, im Vergleich zu 2018 ein höheres Verkehrsaufkommen ergeben, fast eine Verdoppelung.

Foto: Marco Kneise

Derzeit ist das erhöhte Verkehrsaufkommen in der Nordhäuser Altstadt ein heiß diskutiertes Thema. Um den Empfindungen der Anwohner Rechnung zu tragen, hat das städtische Ordnungsamt kürzlich eine Verkehrserhebung vorgenommen.

„Die Zählung ergab einen durchschnittlichen Verkehr von 1900 Fahrzeugen pro Tag“, teilt Stadtsprecher Lutz Fischer mit. Im Vergleich zur Messung im Jahr 2018 mit 1050 Fahrzeugen pro Tag sei das eine Erhöhung um etwa 80 Prozent. Dies könne auf die derzeit laufenden Baumaßnahmen, vor allem die Sanierung der Grimmelallee, zurückgeführt werden, so Fischer.

„Selbst die derzeitigen Verkehrszahlen liegen im Rahmen normaler Werte für die Straße, so dass nicht von hohen Verkehrsmengen ausgegangen werden kann“, so Christian Kowal, Leiter des Ordnungsamts. Die Zählung betrachtete im Bereich der Barfüßerstraße auch die Einhaltung der erlaubten Geschwindigkeit von 20 km/h. „Die Untersuchung zeigt, dass Autofahrer in der Regel nicht schneller als 26 km/h fahren. Die Durchschnittsgeschwindigkeit liegt bei 21 km/h. Die Geschwindigkeit liegt also im verträglichen Rahmen“, schätzt Christian Kowal die Situation ein.

Der Ordnungsamtsleiter kommt zu dem Schluss, dass die Fahrzeuge keine zunehmende Gefahrenquelle darstellen. „Zum einen sind uns keine Gefährdungen bekannt, und zum anderen sind die Gehwege in der Regel 2,50 Meter breit, auf denen sich Fußgänger ausreichend bewegen können.“

Mehrere Tempomessungen in der Altstadt zeigten ein ähnliches Ergebnis. Die Verstoßquote lag bei etwa fünf Prozent, die Höchstgeschwindigkeiten bei unter 40 km/h, also nur im Verwarngeldbereich. „Es besteht aktuell kein Handlungsbedarf bezüglich weiterer Maßnahmen“, ist Kowal überzeugt. Er rechnet damit, dass sich das Verkehrsaufkommen in der Altstadt nach Abschluss der Baumaßnahmen im Umfeld deutlich reduzieren wird.

Gänzlich anders bewerten die Nordhäuser Liberalen das Ergebnis der Verkehrszählungen. „Bei einer Steigerung von 80 Prozent des Verkehrsaufkommens ist nicht nur die reine Fahrzeuganzahl das Problem, sondern die durch die Autos entstehende Lärm- und Abgasbelastung“, moniert FDP-Fraktionschef Manuel Thume.

Die Altstadt habe sich zu einem Wohnquartier vor allem für junge Familien entwickelt. Allein durch den Zuzug neuer Altstadtbewohner sei die Zahl der Fahrzeuge schon gestiegen. Erhöhter Durchgangs- und Abkürzungsverkehr würde nur hinzukommen.

Thume fordert vom Ordnungsamt eine Lärmmessung. „Im Sommer kann man in der Altstadt zu gewissen Tageszeiten nicht mal ein Fenster offen lassen, ohne dass man das Gefühl hat, an einer Autobahn zu wohnen.“

Die Reaktion des Ordnungsamtes sei für die Bürger „mehr als unbefriedigend“. Deshalb habe die FDP bereits mit zwei anderen Stadtratsfraktionen über das Thema gesprochen. Das Ziel: Alle Fraktionen sollen sich dem „Kampf um eine ruhige und lebenswerte Altstadt“ anschließen. Möglichkeiten, um dies zu erreichen, sieht Thume unter anderem im versetzten Parken, in der Ausweisung von Spielstraßen und der Entwicklung des alten Wasserverbandsgeländes. Dort könne eine Tiefgarage mit Zufahrt über die Wallrothstraße viel Verkehr aus dem Altendorf vermeiden, sagte er jüngst im Gespräch mit dieser Zeitung.