Gegen den Trend: Schachtbau Nordhausen bleibt auf Wachstumskurs

Nordhausen  Die Auftragsbücher sind bis 2021 voll. Die Anlagentechnik-Sparte verzeichnet ein starkes Umsatzplus. Bergleute beschäftigt weiter Atomendlager.

Im Schacht Konrad wird ein Endlager für radioaktive Abfälle vorbereitet. Schachtbau ist mit bergmännischen Herrichtungsarbeiten betraut.

Im Schacht Konrad wird ein Endlager für radioaktive Abfälle vorbereitet. Schachtbau ist mit bergmännischen Herrichtungsarbeiten betraut.

Foto: Schachtbau Nordhausen

Rezession. Es ist das Angstwort der Ökonomen dieses Sommers seit dem Minus beim deutschen Bruttoinlandsprodukt im Frühjahr. Spricht man den Vorsitzenden der Schachtbau-Geschäftsführung darauf an, könnte er kaum ruhiger reagieren. „Von einer Rezession spüren wir nichts“, sagt Michael Seifert. Stattdessen erwartet er nach einem schon acht Jahre währenden, steten Umsatzplus auch für die nahe Zukunft des größten Südharzer Industrieunternehmens ein „Wachstum mit Augenmaß“. Dafür spreche die Auftragslage: In den Bereichen Bergbau, Anlagentechnik, Stahlbau und Bau seien die Bücher bis 2021 voll, teils ist Schachtbau gar für 2022 schon vertraglich gebunden.

Das Nordhäuser Unternehmen profitiert zum einen vom Bauboom infolge des großen Investitionsstaus im Land, ist beispielsweise am Autobahndreieck Salzgitter mit zwei großen Brückenbauaufträgen befasst. Zum anderen ist die Anlagentechnik von Schachtbau gefragter denn je: „Binnen drei Jahren gab es in diesem Bereich ein 82-prozentiges Umsatzplus“, zollt Seifert seinen Kollegen Respekt und nennt beispielhaft den Bau zweier Pumpwerke in Bottrop und Gelsenkirchen an der Emscher für Europas längsten Abwasserkanal.

Nun, da beide Teilprojekte abgeschlossen sind, ist seit August ein weiteres Pumpwerk in Oberhausen in Bau. Mehr noch: Schachtbau überzeugte mit seiner Leistung offenbar auch andernorts, konnte dieser Tage den etwa zwei Millionen Euro schweren Auftrag für den Pumpwerkbau an einem Emscher-Zulauf in Gelsenkirchen-Heßler in die Bücher nehmen. Die Wismut wiederum bescherte Schachtbau einen Fünf-Millionen-Euro-Auftrag: Es geht um den Ersatzneubau einer Wasserbehandlungsanlage in Helmsdorf bei Zwickau. „Das ist Neuland für unsere Anlagenbauer, aber eine tolle Herausforderung“, so Seifert.

Mit der Zeit gehen, zukunftsträchtige Geschäftsfelder auftun: Darauf versteht sich Schachtbau als Unternehmen im Bauer-Konzern. Der aktive Bergbau in Deutschland mag zurückgehen, gleichwohl ist die Sparte bei Schachtbau auch perspektivisch nicht wegzudenken. Neben Schacht- und Altbergbauverwahrungen in Thüringen, den Nachbarbundesländern wie auch in Rheinland-Pfalz sind die Schachtbauer sowohl im früheren Salzbergwerk Asse als auch im einstigen Eisenerzbergwerk Schacht Konrad zugange. In letzterem wird ein Atomendlager vorbereitet, in der Asse wurden bereits versuchsweise radioaktive Abfälle eingelagert: „Wir sind in Vorbereitung einer möglichen Rückholung mit bergmännischen Unterhaltungs- und Herrichtungsarbeiten betraut“, erklärt Michael Seifert.

Größte Baustelle für die Bergleute von Schachtbau bleibt vorerst ein Chromerzbergwerk in Kasachstan. Seit nunmehr sechs Jahren sind die Nordhäuser – auch mit einheimischem Personal – dort tätig, fast sechs Kilometer Streckenvortrieb unter schwierigen geologischen Bedingungen seien geschafft, sagt Michael Seifert mit Blick auf die so generierten rund 77 Millionen Euro Umsatz. Für weitere vier Kilometer hat Schachtbau den Auftrag bekommen, damit Planungssicherheit bis 2022. Weitere 40 Kilometer sollen aufgefahren werden. „Wir erwarten nunmehr den vierten Auftrag, sind in guten Gesprächen“, zeigt sich der Geschäftsführer optimistisch. Es geht um weitere 25 Millionen Euro Umsatz.

Der dritte Unternehmensbereich, der Maschinenbau, bekommt vor allem vom Bauer-Konzern selbst die Aufträge. Gefragt sind aus Nordhausen Stahlbaukomponenten für Spe-zialtiefbaumaschinen: Ober- und Unterwagen, Masten und Rammtechnik. Die höchsten Gebäude der Welt stehen alle auf Pfählen, die mit Bauer-Maschinen gebaut wurden, von denen Komponenten aus der Rolandstadt kommen. Die präzise Arbeit der hiesigen Schweißer wird im Konzern sehr geschätzt.

In den vergangenen drei Jahren stieg der Schachtbau-Umsatz von 136 auf 149 Millionen Euro. Die Beschäftigtenzahl bewegt sich um die 985. Etwa 40 Prozent des gewerblichen Personals arbeitet auf Montage. Die Zeitarbeit indes hat nur noch marginale Bedeutung angesichts von aktuell 15 bis 20 Leiharbeitern: „Vor fünf Jahren war das ein wirtschaftlicher Faktor, heute muss man sich diese Flexibilität teuer erkaufen“, sagt Seifert mit Blick auf die Personalkosten. Zurückhaltung übt Schachtbau in dieser Hinsicht aber auch mit Blick auf die Qualität seiner Produkte: „Wer mehrere Jahre im Unternehmen ist, arbeitet in der Regel routinierter und verlässlicher“, so André Ponndorf, seit Monatsbeginn ebenfalls in der Geschäftsführung von Schachtbau.

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