Grüner Markt in Nordhausen startet in die neue Saison

Nordhausen.  Die Markthändler in Nordhausen wollen der Corona-Krise trotzen und hoffen dabei auch auf die Unterstützung ihrer Kunden.

Roswitha Einecke aus Thürungen gibt die Hoffnung nicht auf, dass auch diese Marktsaison in Nordhausen eine gute wird.

Roswitha Einecke aus Thürungen gibt die Hoffnung nicht auf, dass auch diese Marktsaison in Nordhausen eine gute wird.

Foto: Jens Feuerriegel

Es habe schon bessere Tage gegeben, sagt Mario Wolter und blickt in die Tiefe des Rathausplatzes. „Ich kann die Kunden an einer Hand abzählen“, ist der Händler betrübt nach der ersten Stunde. Er ahnt, woran es liegt: „Die Leute sind sehr verunsichert. Viele trauen sich nicht raus.“ Sonst ist hier immer mehr los, wenn der grüne Markt in Nordhausen am letzten Samstag im März seinen Saisonstart vollzieht. Anfang Oktober sind es schon 30 Jahre, dass Mario Wolter und seine Frau ihr Obst und Gemüse aus Thürungen heranschaffen, um es in der Rolandstadt feilbieten zu können. Nordhausen sei für die beiden ein gutes Pflaster. „Wir haben viel Stammkundschaft“, und deshalb hoffen Wolters auch dieses Jahr auf eine erfreuliche Saison. Trotz Corona.

Ebenso zuversichtlich will Roswitha Einecke bleiben. Die 59-Jährige stammt ebenfalls aus dem Dorf nahe Kelbra. An ihrem Stand hat sie neben Obst und Gemüse auch zahlreiche Jungpflanzen im Angebot. „Ich bin froh, dass wir noch Blumen verkaufen dürfen“, sagt die Gärtnerin. Es sei doch wichtig, in diesen Zeiten Freude zu bereiten. „Auch die Seele braucht Nahrung.“

Wie allen anderen Händlern ergeht es zurzeit auch Roswitha Einecke. Völlig ungewiss sei, was die Zukunft bringt. Planen könne man momentan nur von Tag zu Tag. Der Markt in Nordhausen sei ein Lichtblick. „Ich hoffe, dass er angenommen wird“, wünscht sich die Thürungerin. Am Freitag in Bad Lauterberg sei es ganz gut gelaufen.

Nordhäuser Kunden sind sehr diszipliniert

Die Lage sei schwierig, spürt auch Marktmeister Andreas Heise. Er blickt seiner letzten Saison entgegen. Am Jahresende ist Schluss. „Dann gibt es mich nur noch ehrenamtlich“, kündigt der 64-Jährige an. Zum Beispiel als Kreiswegewart. Auf zwei Jahrzehnte schaut der Ellricher zurück. Das Datum seines Marktmeister-Debüts ist der 1. Juni 1999 – zunächst in seiner Heimatstadt, vor dem Wechsel nach Nordhausen.

Nur einen Moment wirkt Heise bedrückt: „So ein unruhiges letztes Jahr hatte ich mir nicht gewünscht.“ Doch sein Elan kehrt schnell zurück. Mit aller Kraft will er den Markt durch die Krise führen. Die Nordhäuser sind seine Mutmacher: „Viele freuen sich, dass unsere Märkte noch stattfinden.“ Stabilisiert sich die Kundenresonanz auf einem guten Niveau, werde sich daran nichts ändern.

Aber die Unsicherheit ist auf beiden Seiten erkennbar. Lediglich fünf Händler stehen an diesem Samstag auf dem Platz. Der Vorteil: Abstand halten ist kein Problem.

Schaut Andreas Heise auf die Wochenmärkte der vergangenen Tage zurück, findet er nur lobende Worte. „Unsere Kunden sind sehr diszipliniert.“ Man verstehe die Auflagen. Auf den richtigen Abstand werde geachtet. Die gegenseitige Rücksichtnahme dominiert. Die meisten geben Obacht, dass so ein Markttreiben auch in Pandemie-Zeiten funktioniert.

Sachsen hat seine Wochenmärkte schließen lassen. Thüringen erlaubt diese weiterhin – als wichtigen Beitrag zur Nahversorgung. So lange es möglich ist, will auch Andreas Heise den Wochenmarkt in Nordhausen aufrechterhalten. Immer dienstags, donnerstags und freitags. Das Sahnehäubchen soll der grüne Markt bleiben – samstags von acht bis zwölf.