Harzer Schmalspurbahnen brauchen Geld und Zukunftsplan

Nordhausen.  Nicht allen Gesellschaftern der Harzer Schmalspurbahnen passen die höheren Zuwendungen: Mancher knüpft sie an Bedingungen.

Zuletzt standen manchem Politiker die Dampfloks der Harzer Schmalspurbahnen zu oft in der Betriebswerkstatt.

Zuletzt standen manchem Politiker die Dampfloks der Harzer Schmalspurbahnen zu oft in der Betriebswerkstatt.

Foto: Silvana Tismer

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Die Harzer Schmalspurbahnen (HSB) brauchen mehr Geld. So sieht es die wirtschaftliche Analyse der HSB durch externe Gutachter aus Dessau, die den Zeitraum zwischen 2020 und 2034 in Augenschein genommen haben. Darin wird der Eisenbahngesellschaft ein jährlicher Finanzbedarf von rund 15,5 Millionen Euro durch Sachsen-Anhalt, Thüringen sowie die Gesellschafter prognostiziert. Zum Vergleich: Voriges Jahr lag dieser Posten bei circa 10,7 Millionen Euro.

Die Südharzer Gesellschafter haben sich bereits alle zu dieser Finanzierung bekannt: So verdoppelte die Stadt, die mit zehn Prozent beteiligt ist, ihre Zuwendungen per Stadtratsbeschluss von zuletzt knapp 77.000 Euro auf nunmehr 153.000 Euro. Auch den Kreistag passierte ein ähnlicher Antrag: Demnach wird der Landkreis (20 Prozent Beteiligung) der HSB künftig rund 306.000 Euro zur Verfügung stellen. Schon im Mai hatte der dritte Gesellschafter, die Gemeinde Harztor (0,6 Prozent), einen gleichlautenden Beschluss gefasst. Auch weil die Länder Sachsen-Anhalt und Thüringen signalisiert hätten, ihre Beiträge für die kommenden Jahre (Sachsen-Anhalt bis 2034, Thüringen bis 2030) deutlich zu erhöhen, so sich denn die Gesellschafter an der notwendigen Finanzspritze beteiligen, wie es aus Rathaus und Landratsamt heißt.

Visionen gefordert

Allein: Die Gesellschafter aus Harzgerode und Quedlinburg stellen sich quer: Wie die Mitteldeutsche Zeitung (MZ) berichtet, betonte Harzgerodes Bürgermeister Marcus Weise (CDU) jüngst seine Skepsis. „Wir werden keinen Blankoscheck unterschreiben“, sagte er. „Die Verwaltung brachte eine Beschlussvorlage ein, die zwar eine Zahlung vorsieht, im ersten Drittel aber einem Forderungskatalog gleichkommt“, schreibt die Zeitung.

Auch Quedlinburgs Verwaltung scheint, seinen Gesellschafterzuschuss an Bedingungen knüpfen zu wollen. So wird in einer Beschlussvorlage des Rathauses unter anderem die Belebung leer stehender HSB-Bahnhöfe sowie die „Vermarktung von Reiseanlässen mit Eventetablierung“ gefordert; erst vor wenigen Tagen war letztmals der Vorhang für die Rockoper „Faust“ gefallen. Auch sollen die Fahrpläne an die von Abellio angepasst werden, sollen auf der gesamten Strecke ganzjährig Dampfzüge eingesetzt werden. „Wenn ich mit Dampf werbe, muss ich mit Dampf fahren“, brachte Harzgerodes Bürgermeister gegenüber der MZ und passend zu dieser Forderung seinen Unmut über Dampfzug-Ausfälle zum Ausdruck. Schlussendlich fordert die Stadt Quedlinburg von der HSB bis Ende Juni ein Zukunftskonzept. Harzgerode und Quedlinburg sowie der Landkreis Harz entscheiden kommende Woche über die Finanzierung mitsamt der Forderungen.

Südharz ist essenziell

Aber ob in einem solchen Zukunftsplan auch der Südharz enthalten sein wird, wo er doch nicht die Stimme erhoben hat? Diese Sorge kann HSB-Sprecher Dirk Bahnsen auf TA-Anfrage entkräften: „Selbstverständlich wird Nordhausen als Ursprungsort der HSB in unseren Überlegungen eine Rolle spielen. Der Südharz ist für uns essenzieller Teil der Strecke.“ Viele der Forderungen, führt er weiter, aus, lassen sich auch heute schon umsetzen. Das Thema Zugausfälle durch Defekte etwa gestaltet sich Bahnsen zufolge mittlerweile nicht mehr so drastisch wie noch im Sommer: „Seit 30. November fahren wir mit unseren Dampfloks voll im Winterfahrplan.“ Auch das Personalproblem habe sich abgemildert. Gleichwohl ächze die Dienstleistungsbranche natürlich unter dem demografischen Wandel. Nicht allein deshalb brauche man eine höhere Zuwendung: Um Personal mit branchenüblichen Gehältern zu locken.

Beim Stichwort Events und Rockoper macht Bahnsen ebenfalls Mut: „Es ist nicht auszuschließen, dass es eine Fortsetzung des Faust-Themas geben wird.“ Das Gesamtpaket aus Rockoper und Themenfahrten dahin sei ein Erfolgsgarant gewesen, an den man mit neuen Ideen anknüpfen will. „Wir sind bei diesen Forderungen aktiv dran.“

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