Hochschule Nordhausen will Gründungswelle anstoßen

Nordhausen.  Zwölf Start-ups im Jahr. Das ist das Ziel der Nordhäuser Hochschule, die dafür ein Projekt auf den Weg bringt.

Professor Lutz Göcke hat an der Nordhäuser Hochschule ein großes Startup-Projekt auf den Weg gebracht. Ab Sommer 2020 sollen jedes Semester sechs Start-ups gegründet werden.

Professor Lutz Göcke hat an der Nordhäuser Hochschule ein großes Startup-Projekt auf den Weg gebracht. Ab Sommer 2020 sollen jedes Semester sechs Start-ups gegründet werden.

Foto: Hans-Peter Blum

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Wie kann man in einer strukturschwachen Region wie Nordthüringen die Wirtschaft ankurbeln? Diese Frage haben sich schlaue Köpfe an der Nordhäuser Hochschule gestellt und sind auf die Idee gekommen, ein großes Projekt für Start-ups, also junge Unternehmen an den Start zu bringen.

„Die Gründung eines Unternehmens ist immer eine Wanderung“, sagt Lutz Göcke, seit Februar 2018 Professor für internationale Betriebswirtschaft an der Nordhäuser Hochschule. Am Anfang stehe die Idee, dann komme der Prozess der Planung, und am Ende stehe die Gründung. „Wir wollen die Hochschule nun auf die Wanderung zur Unternehmer-Hochschule schicken“, hat er sich zum Ziel gesetzt.

Förderbescheid wird im April erwartet

Als Instrument für diesen Weg dient das Projekt Hike. Die Abkürzung steht für Hochschul-InKubator für Entrepreneurship, quasi ein Brutkasten für Unternehmertum. Im Rennen um die Fördergelder des Berliner Bildungsministerium hat sich die Hochschule mit 15 weiteren Bewerbern unter 91 Antragstellern durchgesetzt. „Das Fördervolumen beträgt etwa 1,8 Millionen Euro für den Zeitraum von vier Jahren“, berichtet Göcke. Das Projekt soll am 1. Juni starten. Der Förderbescheid wird im April erwartet.

Der Wissenschaftler, der vor seinem Ruf an die Nordhäuser Hochschule im Digital-Lab von VW in Berlin gearbeitet hat, versteht sich nicht als Solist, sondern verweist auf die Professorenkollegen Elmar Hinz und Klaus-Peter Neitzke sowie Kareen Schlangen vom Gründerservice der Hochschule, die zusammen das Projekt leiten werden. „Ein solches Vorhaben ist nur durch ein hohes Maß an Kooperation möglich“, betont Göcke und schließt darin auch die Hochschulleitung und -verwaltung ein.

Wie soll Hike funktionieren? „Unser Projekt ruht auf vier Säulen: dem thematischen Fokus, dem klaren Prozess, dem physischen Lab und der Kooperation“, erläutert der Wissenschaftler. Der thematische Fokus orientiert sich an den Stärken der Hochschule. „Wir haben hier tolle Studiengänge, die für ökologische, ökonomische und soziale Nachhaltigkeit stehen. Dazu kommt die technologische Ausrichtung an das Internet der Dinge“, nennt Göcke Beispiele.

Ein Container zum Experimentieren

„Studenten und Mitarbeiter können Ideen entwickeln und bei uns einreichen. Dann werden die mit dem stärksten sozialen Input ausgewählt und von uns finanziell als auch beratend gefördert“, beschreibt Göcke den klaren Prozess, den die Ideen durchlaufen. Bis zu 7500 Euro würden für sechs Monate pro Team zur Verfügung stehen. Dabei sei auch Raum zum Experimentieren vorhanden.

Die dritte Säule stellt das physische Lab dar. „Das ist ein eingeschossiger Container mit einer Grundfläche von etwa 180 Quadratmetern, der auf dem Nordhäuser Campus aufgestellt wird“, verrät Göcke. „Dort können Ideen entwickelt und wieder verworfen werden, Experimente entwickelt sowie gegenseitiger Austausch stattfinden.“ In dem Prozess werden alle Ideen durch die Zusammenarbeit mit verschiedenen Partnern unterstützt. „Zum einen die inhaltlichen Partner, die ihr Know-how oder Technologien einbringen, dann die Prozesspartner wie Agenturen oder Beratungsfirmen sowie am Ende die Transferpartner wie etwa Business Angels oder Investoren“, erklärt Göcke.

Mehrere Kooperationspartner haben zugesagt

Eine Reihe von Kooperationspartner hätten ihre Mitarbeit schon zugesagt, zum Beispiel SAP oder Amazon Web-Services oder aus der Region der Nordthüringer Unternehmerverband, Jugendsozialwerk, Intrasol und IMG. Interessierte Unternehmen könnten sich gern beteiligen.

„Wir haben uns das ehrgeizige Ziel gesetzt, für die Dauer des Projektes zwölf Start-ups im Jahr auf den Weg zu bringen, das sind sechs pro Semester. Diese Anzahl erreichen wir, indem wir keine fertigen Start-ups, sondern Ideen mit Potenzial fördern“, erklärt er.

Er wisse, dass die Gründungskultur in Nordthüringen eher wenig ausgeprägt ist. „Ich setze aber voller Kraft und Vertrauen in die Kompetenz der Studenten und Mitarbeiter an unserem Projekt. Denn es bietet die tolle Möglichkeit, die wirtschaftliche Entwicklung mit großem Schwung anzuschieben“, so Göcke.

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