Iba und EKM realisieren in Thüringen sieben Projekte aus 500 Ideen

Erfurt  Aufgabe, Abgabe, Wandel? So fragte die EKM. Das führte schließlich zum offenen Wettbewerb „500 Ideen für 500 Kirchen“. Sieben Kirchenprojekte kann die Iba bis 2023 neben allem anderen personell begleiten kann.

Elke Bergt leitet in Erfurt das Baureferat bei der Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland (EKM).

Elke Bergt leitet in Erfurt das Baureferat bei der Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland (EKM).

Foto: Peter Cott

Kurz vor Jesu Geburt fanden seine Eltern keinen Raum in der Herberge. Viel später setzte sich das Prinzip des Mann gewordenen Herrn durch: „Klopfet an, so wird euch aufgetan!“ Im Raum der Kirche konnte man Herberge finden. In der Michaeliskirche zu Neustadt am Rennsteig hat man das weiter-, um- und zusammengedacht. Sie bleibt Gotteshaus und wird jetzt zudem als „Her(r)bergskirche“ auf einem Übernachtungsportal vermarktet.

Andere ziehen nach. Fünf Interessenten nehmen sich das Iba-Projekt derzeit zum Vorbild, unterstützt von Freistaat und Aufbaubank. So löst sich eine Hoffnung ein, die Iba-Chefin Marta Doehler-Behzadi für alle Kirchenprojekte hegt: „dass wir Prototypen schaffen, die dazu führen, dass Gemeinden Nachahmerprojekte realisieren.“

2000 Kirchen Thüringens gehören zur Evangelischen Kirche Mitteldeutschland (EKM). Über 98 Prozent sind Denkmale. Aber ein Viertel davon steht komplett leer oder wird kaum genutzt.

Aufgabe, Abgabe, Wandel? So fragte die EKM, als sie 2014 dem Kandidatenaufruf der Iba folgte. Das führte schließlich zum offenen Wettbewerb „500 Ideen für 500 Kirchen“. Erstaunliche Erkenntnis auch für EKM-Baureferentin Elke Bergt: „Es gab fast keine Beispiele, wo Kirchennutzung außen vor war.“

Thüringen lässt die Kirche im Dorf. Denn auch Nichtchristen gelte sie als „der andere Raum“, jenseits des Alltags. „Das gibt man eben nicht so leicht auf.“

Dabei würde Bergt wohl nicht dem widersprechen, was Eva Schäfer im Buch „Umnutzung von Kirchen“ schrieb. Die „Umwidmung zu außerkirchlichen, weltlichen Zwecken und ihre Freigabe für profane Arten der Nutzung“, so Schäfer, „kann ein Mittel für ihre Erhaltung sein.“

In Mühlhäuser Kornmarktkirche gibt es schon seit 1802 keinen Gottesdienst mehr

Als Doktorarbeit an der Bauhaus-Universität Weimar verfasste sie eine kritische Geschichte, wie dergleichen seit 1960 in der DDR, aber auch in den Niederlanden, vor sich ging. Man nehme ja nur mal Mühlhausen, wo die Kornmarktkirche schon seit 1802 keine Gottesdienste erlebte und seit 1975 ein Museum für den Bauernkrieg beherbergt, die Jakobikirche 2001 zur Stadtbibliothek wurde oder die Kilianikirche zur Spielstätte des 3K-Theaters.

„Verkauf oder auch Abbruch kann natürlich vorkommen“, blickt Bergt in die Zukunft. Bei sieben Modellprojekten, die Iba und EKM auswählten, geht’s aber „immer darum, die Kirchen zu öffnen, ohne ihre Rolle als geweihte Orte infrage zu stellen“, so Doehler-Behzadi.

Dazu gehören noch ein Sozialkaufhaus und soziokulturelles Zentrum in der Martinskirche Apolda , die „Bienen-Garten-Kirche“ bei St. Peter und Paul in Roldisleben, die Kletterkirche in Donndorf, die Klangskulptur „Flammenorgel“ in der St. Annen-Kapelle Krobitz, die soziale und digitale Netzwerkkirche bei St. Johannis in Ellrich und die

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Damit holte die EKM letztlich den Evangelischen Kirchbautag nach Thüringen. Er tagt vom 19. bis 22. September in Erfurt zum Thema. „Aufgeschlossen - Kirche als öffentlicher Raum“.

Sieben Kirchenprojekte, das ist das, was die Iba bis 2023 neben allem anderen personell begleiten kann. Mit dem Freistaat Thüringen wurde vereinbart, dass sie bei den üblichen Förderprogrammen Vorrang haben. Über zusätzliche Mittel können Eigenanteile zudem von einem Drittel auf bis zu ein Zehntel reduziert werden.

„Natur, Kunst, Soziales“, so Bergt, „alles Themen, die immer mit Kirche zu tun hatten.“ Jetzt sorgen sie für ihre Auferstehung.

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