Immer mehr junge Menschen brauchen künstliche Gelenke: Orthopädietag in Nordhausen informiert

Nordhausen.  Erstes Veranstaltungsformat dieser Art der Bleicheröder Helios-Klinik lockt viele Interessierte zu Fachvorträgen in Stadtbibliothek.

Dr. med. Steffen Kohler, Ärztlicher Direktor und Chefarzt der Orthopädie in der Helios-Klinik Bleicherode, zeigt beim Orthopädietag in der Stadtbibliothek Nordhausen eine Spezial-(Tumor)-Endoprothese für das Knie. 

Dr. med. Steffen Kohler, Ärztlicher Direktor und Chefarzt der Orthopädie in der Helios-Klinik Bleicherode, zeigt beim Orthopädietag in der Stadtbibliothek Nordhausen eine Spezial-(Tumor)-Endoprothese für das Knie. 

Foto: Peter Cott

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Immer mehr junge Menschen sind auf den Einsatz künstlicher Gelenke angewiesen. Mit dieser Neuigkeit überraschte Dr. Steffen Kohler am Samstag die Zuhörer des Tages der Orthopädie in der Nordhäuser Stadtbibliothek. Zu der hatte der Ärztliche Direktor und Chefarzt für Orthopädie in der Bleicheröder Helios-Klinik erstmals außerhalb seines Hauses eingeladen. Und es soll nicht das letzte Mal sein.

Die Gründe für eine Zunahme solcher Eingriffe sieht Kohler in der Popularität von Risikosportarten. Auch solche sportlichen Betätigungen mit schnellen Bewegungswechseln und Stopps wie Tennis oder Fußball können Gelenken auf Dauer schaden. „Nicht zuletzt senken aber auch Fortschritte in der Endoprothetik die Schwelle, hier den Patient nicht leiden zu lassen, sondern mit akzeptablem Risiko durch Prothesen zu helfen“, erklärte der Orthopäde und Unfallchirurg.

Und wenn künstliche Gelenke immer früher eingesetzt werden, steigt auch das Risiko, dass sie irgendwann ersetzt werden müssen. In einem von drei Fachvorträgen informierte Kohler die gut 50 Gäste daher über Wechseloperationen von Hüft- und Kniegelenken. Die Gründe dieser Eingriffe sind vielfältig. Zwar liegen die Überlebensraten solcher Prothesen nach zehn Jahren noch immer zwischen 95 und 99 Prozent, weiß Kohler. „Doch kein Gelenk hält ewig“, sagt einer, der es wissen muss: Immerhin werden in Kohlers Klinik allein 400 bis 500 künstliche Hüftgelenke pro Jahr eingesetzt.

In einem Drittel der Fälle sorgt Abrieb an den Prothesen zu Wechseloperationen. Kohler empfahl deshalb mehrfach das regelmäßige Vorstellen beim Orthopäden, eine Art „Endoprothesen-TÜV“ also. Veränderungen von Röntgen-Bildern könne man schon ein bis zwei Jahre vor den ersten Schmerzen feststellen, appellierte er mit Verweis auf einen seiner Fälle: Hier hatte einer seiner Patienten so lange gewartet, dass der Abrieb des Prothesen-Materials sogar zur Schädigung des Knochens geführt hatte. In einer komplexen Operation musste das Bleicheröder Team Teile des Knochens abtragen und eine größere – eine sogenannte Spezial-(Tumor)-Endoprothese – einsetzen. „Größere Prothesen bedeuten aber immer auch größere Risiken“, warnte er.

„Krankenhauskeim“ oft selbst mitgebracht

Risiken wie die Entzündung des Gelenks, die zu einem weiteren Drittel der Gelenkwechseloperationen führt. Kohler räumte hierbei den Irrglauben aus, dass der „Krankenhauskeim“ tatsächlich immer aus Kliniken kommt. „In der Regel handelt es sich um endogene, um mitgebrachte Erreger der Patienten.“ Gelangen die in die Blutbahn, setzen sie sich häufig an Fremdkörper wie Schrittmacher, Katheter oder Prothesen fest. Besonders tückisch: Unter einer Schleimschicht seien sie dann besonders schwer für Antibiotika erreichbar. Geschieht so etwas früh (bis etwa einen Monat nach der OP), könne erkranktes Gewebe noch entfernt werden. Später sei oft der komplette Wechsel nötig, so Kohler.

Treten also neuartige Schmerzen auf und sind die Mediziner anhand der Vorgeschichte sowie nach Blutbildern, Röntgen- und CT-Untersuchungen sowie nach etwaigen Gewebeentnahmen vom Wechsel überzeugt, muss der Patient abermals unters Messer. „Und eine Wechsel-OP ist oft schwieriger als eine Erst-OP“, erläuterte Kohler den Sinn regelmäßiger Nachuntersuchungen und warum Patienten den Empfehlungen des Operateurs in Bezug auf die Belastbarkeit und die empfohlene Antibiotika-Dosis stets Folge leisten sollten.

TA-Gesundheitsform: Um die chronischen Schmerzen geht es beim TA-Forum Gesundheit am Dienstag, dem 3. Dezember, um 17 Uhr in der Helios-Klinik Bleicherode. Björn Lorenz, Schmerztherapeut und Facharzt für Anästhesie, stellt in seinem Vortrag die Multimodale Schmerztherapie vor, erklärt Voraussetzungen, Erwartungen und Therapiemöglichkeiten für betroffene Menschen.

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