Immer wieder Notabrisse im Südharz nötig

Südharz  Regelmäßig müssen Südharzer Kommunen Notabrisse in die Wege leiten, weil Eigentümer sich nicht kümmern.

Abriss der ehemaligen Gaststätte in Werna.

Abriss der ehemaligen Gaststätte in Werna.

Foto: Hans Peter Blum

Ein Mann in Österreich dürfte in den kommenden Tagen recht unangenehme Post erhalten. Denn das Landratsamt arbeitet am Kostenbescheid für den Notabriss des Sanatoriums in der Sülzhayner Dr.-Kremser-Straße 45. Die nötigen 55.000 Euro hatte er nie beglichen, so dass der Landkreis nun selbst zur Tat schritt und finanziell in Vorleistung gehen musste.

Kein Einzelfall, hört man sich in den Gemeinden und Städten um: „Die Stadt Nordhausen hat voriges Jahr ein baufälliges Gebäude in Bielen (Zum Schmiedetor 5) durch eine Ersatzvornahme abreißen lassen“, weiß Rathaus-Sprecher Lutz Fischer. Das an zwei Grundstücke grenzende Gebäude drohte einzustürzen. Da das Haus zudem an einer Verkehrsfläche lag, sah die Stadt eine Gefahr für die Sicherheit. Eine Reaktion von Seiten des Eigentümers? Fehlanzeige. Eine Zustellung von auffordernden Schreiben? Nicht möglich. Also schickte auch das Rathaus Bagger vor und ließ sich dies 35.000 Euro kosten.

Neben Fällen wie diesen veranlasse das Rathaus jährlich rund zehn kleinere Ersatzvornahmen. Laut Fischer betreffe das vor allem die Sicherung von Gebäudezugängen und das Abnehmen von Ziegeln, die stürzen könnten. Im Landkreis zählt man jährlich zwischen 15 und 23 derartige Vorgänge. Pressesprecherin Jessica Piper weiß von 219 aufgeforderten Gebäude-Eigentümern seit 2005.

Gerade der Fall in Bielen dürfte auch Ellrichs Bürgermeister Henry Pasenow (CDU) bekannt vorkommen: An Wernas Gaststätte und in der Töpferstraße mussten in den letzten Jahren Abrissfirmen ans Werk. Bei der Frage nach genauen Zahlen verweist er allerdings an das Landratsamt. „Wenn man so möchte, ist die Stadt zuständig, wenn die Gefahr unmittelbar abzuwehren ist, der Landkreis hingegen, wenn sich ein Objekt zu einer Gefahrenstelle entwickelt“, erläutert er die Rechtslage.

Nach der wird der Fach­bereich Bau im Landratsamt allein dieses Jahr neben dem Sanatorium noch zwei weitere Privatgebäude abreißen, sagt Piper. „Es können aber noch weitere folgen, die bauordnungsrechtlichen Anhörungen laufen noch.“

„Die Grundstückseigentümer zeigen sich bei diesen Vorgängen selten einsichtig oder haben einfach keine Mittel“, gewährt sie Einblick in die Arbeit der Vollstreckungsbehörde in der Kreiskämmerei. Dieses Jahr muss die mindestens 70.200 Euro eintreiben. „Die Praxis zeigt aber, dass die Kosten oft nicht zurückgezahlt werden können“, ergänzt Fischer aus städtischer Sicht. Doch das ist nicht die einzige Hürde der Abrisse: Zwar seien die Eigentümer meist durch den Grundbucheintrag bekannt. Mitunter müsse aber auch die Erbfolge mühsam ermittelt werden, erklärt Piper. Ist der Hausherr nicht aufzutreiben, könne das Landratsamt den Umweg über eine öffentliche Bekanntmachung nehmen.

Vielerorts machen Gemeinden mittlerweile aus der Not immer mehr verwaister Häuser eine Tugend, wie sich bei Werthers Bürgermeister Hans-Jürgen Weidt erfahren lässt: Als Beispiel nennt er die alte Kaufhalle in Großwechsungen. Durch die Insolvenz des Eigentümers ging das Grundstück an das Land, wo sich die Gemeinde den Segen holte, das Grundstück zu entwickeln und es an zwei hiesige Investoren für einen symbolischen Euro zu verkaufen. Die beiden haben sich verpflichtet, die eingestürzten Gebäude abzureißen und zu entsorgen. Das ist geschehen. Hier soll ein kombiniertes Wohn- und Geschäftshaus entstehen.

Auch Bleicherode hat dem Leerstand in der Altstadt den Kampf angesagt. Zwar sind laut Stadtplaner Michael Krüger 2019 zwei Abrisse in der Haupt- und in der Oberstraße geplant. Doch für viele der etwa 60 leerstehenden Altstadtgebäude sei der Erhalt das oberste Ziel. Das Einwerben von Städtebaufördermitteln habe immerhin schon „prägnante Fachwerk­gebäude“ wie die Hauptstraße 27 gerettet und in eine Wiedernutzung gebracht, sagt Krüger.

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