Impfstart im Südharz: Senioren bekommen Schutz gegen Coronavirus

Nordhausen  84 Bewohner und Mitarbeiter des Nordhäuser St.-Jakob-Hauses werden am Dienstag geimpft. Das Impfzentrum im Nordhaus nimmt seine Arbeit erst Anfang Februar auf.

Charlotte Mosebach wurde als Erste im Südharz gegen das Coronavirus geimpft.

Charlotte Mosebach wurde als Erste im Südharz gegen das Coronavirus geimpft.

Foto: Kevin Werner

Charlotte Mosebach (98) ist die Erste im Südharz, die gegen das Coronavirus geimpft wird. Dienstagfrüh rückte eines der Thüringer mobilen Impfteams erstmals im Südharz an, um ihr wie auch 59 weiteren Bewohnern und 24 Mitarbeitern des St.-Jakob-Hauses in Nordhausen den Impfstoff zu spritzen. Corona-Blog: Zwei Thüringer Kreise bundesweite Hotspots – 50 Verfahren nach Verstößen bei Demonstrationen

Für Heimleiterin Kerstin Triftshäuser ist der Tag damit ein besonders stressiger – und doch sieht sie den Tag vor allem in einem positiven Licht: „Dieser Schritt ist für uns von großer Bedeutung.“ Zwar habe es im Haus noch keinen Infektionsfall gegeben, doch hätten all die Schutzmaßnahmen und Einschränkungen dem Alltag die Leichtigkeit genommen. Mit den Impfungen verbinde sie die Hoffnung, dass schon bald wieder etwas mehr Normalität einkehrt. Die Senioren bräuchten schließlich nicht nur Schutz, sondern auch Begegnung und persönliche Zuwendung.

Fast alle der 69 Bewohner ließen sich impfen. Bei den Mitarbeitern liegt der Anteil bei 38 Prozent. „Das ist schon ein sehr guter Schnitt, zumal anfangs sehr viel Skepsis herrschte, viele sehr verunsichert waren“, meint Kerstin Triftshäuser. Michael Görk als Geschäftsführer der Südharzer Diakonie hätte freilich gern eine höhere Impfbereitschaft gesehen. „Die Situation wird sich aber wohl aber erst ändern, wenn Covid-19 als Berufskrankheit anerkannt wurde und für die Beschäftigten in der Pflege eine Impfpflicht besteht.“

Görk ist froh, dass jeder Willige im St.-Jakob-Haus nun gegen das Coronavirus geschützt ist – wann dies auch in den beiden anderen Seniorenheimen der Diakonie im Landkreis der Fall sein wird, vermag er nicht zu sagen. Auch die anderen Heimbetreiber müssen sich weiter in Geduld üben, auf einen baldigen Termin hoffen – und Bewohner und ihre Angehörigen um Verständnis bitten.

Wie nervenaufreibend das ist, lässt Babette Wolf, die zuständige Fachbereichsleiterin beim Jugendsozialwerk, erahnen: „Schon Ende vergangenen Jahres haben wir unseren konkreten Bedarf gemeldet. Bis heute haben wir aber keinerlei konkrete Information“, ärgert sie sich. Dabei seien die Seniorenheime vorbereitet. Sven Gerlach, der Leiter des St.-Josefshauses der Caritas in Nordhausen, schließt sich an: „Die bürokratischen Hürden sind immens, aber wir haben sie genommen: für jeden Bewohner eine Akte angelegt mit Anamnese- und Aufklärungsbogen, Impfbescheinigung und Laufzettel. Wir haben uns am 29. Dezember angemeldet, aber keine Rückmeldung bekommen. Auf Nachfrage vorige Woche gab es dann wenigstens eine Eingangsbestätigung.“

Die Impfbereitschaft sei hoch: Nur ein halbes Dutzend der 90 Bewohner wolle die Spritze nicht, unter den Mitarbeitern stehe der Impfung nur einer kritisch gegenüber.

Dass auch unter ihren Mitarbeitern und Heimbewohnern sich mehr als 80 Prozent impfen lassen wollen, nimmt Doreen Apel an, als DRK-Kreisvorstand zuständig für drei Südharzer Seniorenheime. Weil allerdings noch nicht alle Einverständniserklärungen eingetroffen seien, werde sie erst im Laufe dieser Woche die Heime für die Impfung anmelden können.

Weniger zufrieden klingt Babette Wolf vom Jugendsozialwerk, spricht man sie auf die Bereitschaft zum Impfen an: Bei den Senioren liege sie zwar bei über 90 Prozent, bei den Mitarbeitern aber nur zwischen 25 und 50 Prozent. Sicher spiele auch die Gruppendynamik eine Rolle, „ist mitentscheidend, was in der Pause untereinander gesprochen wird“. Erleichtert ist sie darüber, dass den jüngsten drei Corona-Fällen im Bleicheröder Heim keine weiteren positiven Tests folgten und deshalb wahrscheinlich noch Ende dieser Woche die Quarantäne aufgehoben werden kann.