Interaktives Buch über Unterwelten in Nordhausen

Nordhausen  Der Fotograf Michael Garke aus Nordhausen wird nach seinen erfolgreichen Vorträgen jetzt auch Buchautor. Eine unbekannte Luftschutzanlage ist in Nordhausen entdeckt worden.

Der Herr der Unterwelten: Fotograf Michael Garke mit seinem neuen Buch „Nordhäuser Unterwelten“ im Nordhäuser Zwinger.

Der Herr der Unterwelten: Fotograf Michael Garke mit seinem neuen Buch „Nordhäuser Unterwelten“ im Nordhäuser Zwinger.

Foto: Marco Kneise

„Am Anfang war die Dunkelheit“, sagt Michael Garke. So beschreibt der Nordhäuser Fotograf und baldige Buchautor seinen ersten Eindruck vom Bierkeller in Mecklenburgs Hof in der Altstadt. Im Herbst 2018 betrat er die etwa 13 mal 13 Meter große Kaverne und war schwer beeindruckt. „Das ließ in mir den Entschluss reifen, noch weitere Keller aufzusuchen, um dort meine 360-Grad-Fotorundgänge in die Tat umzusetzen“, erklärt Garke.

Denn darauf hat sich der Nordhäuser spezialisiert. Bislang waren Firmen, Hotels, Gaststätten, die Hochschule oder auch der Nationalpark Harz die Orte, die er aufsuchte und anschließend im 360-Grad-Foto abbildete. Nun nahm sich Garke die Nordhäuser Unterwelten vor.

„Mein zweites Objekt war der Luftschutzstand am Neuen Weg. Dort war es schwierig, den richtigen Ansprechpartner zu finden. Den habe ich dann mit der Sparkasse gefunden“, so der Nordhäuser. Er erhielt die Erlaubnis, den Stand zu öffnen, darin zu fotografieren und ihn wieder ordentlich zu verschließen. Noch war es nicht ganz so spannend. „Dort war kein Bernsteinzimmer vorhanden“, bringt es Garke auf den Punkt.

„Anfangs hatte ich nur die Bilder. Dann habe ich mir den Input besorgt“, sagt er. Das war mitunter nicht so einfach. Denn die Bauunterlagen schlummerten zum Beispiel im Staatsarchiv in Weimar. Aus den dort erhaltenen Informationen und seinen Bildern stellte Garke den ersten Vortrag zusammen. Neben dem Bierkeller und dem Luftschutzstand thematisierte er dort den Felsenkeller, den Luftschutzbunker im Gehege und das Gebäude des Walkenrieder Hofs.

„Mein erster Vortrag fand am 16. Januar 2019 in der Traditionsbrennerei statt. Er war innerhalb kürzester Zeit ausverkauft“, resümiert der Fotograf. Angesichts des unerwarteten Erfolges ließ er neun weitere Vorträge in der Traditionsbrennerei und im Tabakspeicher folgen, die allesamt gut besucht waren.

„Das hat also richtig eingeschlagen, womit ich nicht gerechnet habe“, betont Garke. Ein Besucher fragte ihn, wo er sich denn die Bilder in Ruhe ansehen könnte. „Das geht nicht, weil die Bilder digital sind“, antwortete er. Das brachte ihn auf die Idee, ein Buch zu schreiben mit eingebetteten QR-Codes, wo sich der Leser die entsprechenden Informationen abrufen kann. „Zum einen die 360-Grad-Bilder, dann die Originaldokumente zur Vorgeschichte inklusive Baudokumente bis hin zu Abrechnungen und drittens Luftaufnahmen, die die Engländer im Zweiten Weltkrieg gemacht haben in einer unglaublich hohen Auflösung“, erklärt der Nordhäuser Fotograf. Der gesamte historische Ablauf werde abgebildet, angefangen von den ersten Luftschutzgesetzen aus 1937 über die Verfüllung der Keller bis hin zum Tag des Offenen Denkmals im Jahr 2005. Doch das ist nicht alles. „Das Buch enthält zwei weitere Höhepunkte. Denn ich durfte in die Keller der Loge. Dort befand sich während des Zweiten Weltkrieges die Luftschutz-Warn- zen­trale des Flugwachkommandos für Mitteldeutschland“, verrät der Nordhäuser. Der zweite Fund war noch spektakulärer.

„Ein Besucher sprach mich an, gegenüber dem ‚Socken‘ in der Altstadt befände sich eine Tür in der Mauer. Erst wollte ich ihm nicht glauben, doch dann überzeugte ich mich selbst davon. Mit einer Spezialkamera machte ich durch ein kleines Loch Bilder und wollte meinen Augen nicht trauen: Dort befand sich unter dem Spendekirchhof ein fast original erhaltener Splitterschutzgraben für die Bevölkerung“, berichtet Garke.

Am 21. August wurde die Tür von der Servicegesellschaft geöffnet und eine über 50 Meter lange Luftschutzanlage entdeckt. „Mein Ziel ist es, die Anlage dauerhaft zugänglich zu machen. Denn dort haben wir einen Ort, der wie kein zweiter in Nordhausen authentisch an die Bombenangriffe im Februar 1945 erinnern kann“, erklärt er.

Das Buch „Nordhäuser Un­terwelten. Die vergessenen Bunker von Nordhausen“ ist ab dem 26. September erhältlich. Am selben Tag wird Garke das Buch um 19 Uhr in der Traditionsbrennerei vorstellen. Von dem Eintrittspreis (10 Euro) können fünf Euro für den Kauf des Buches angerechnet werden. „Da in der Traditionsbrennerei nur 70 Personen Platz finden, sollten sich Interessenten frühzeitig Karten besorgen“, rät Garke, der weitere Vorträge geplant hat.

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