Internetkonkurrenz setzt Südharzer Apotheken unter Druck

Nordhausen  Preisdruck und Versandhandel setzen den Betrieben zu. Drei Apotheken haben bereits geschlossen. Die Apotheker sammeln Unterschriften für eine Petition an den Bundestag.

Auch Eleonore Liebetrau von der Cranach-Apotheke spricht sich für ein Verbot des Versandhandels mit verschreibungspflichtigen Medikamenten aus.

Auch Eleonore Liebetrau von der Cranach-Apotheke spricht sich für ein Verbot des Versandhandels mit verschreibungspflichtigen Medikamenten aus.

Foto: Hans-Peter Blum

„Alle 38 Stunden schließt in Deutschland eine Apotheke. Für immer.“ Mit dieser Aussage wird eine Petition an den deutschen Bundestag beworben, für die derzeit an den Apotheken auch im Südharz Unterschriften gesammelt werden. „Setzt sich diese Entwicklung fort, sind die Apotheken als einer der Grundpfeiler des deutschen Gesundheitswesens bedroht. Die wohnortnahe, persönliche Versorgung der Bevölkerung mit Arzneimitteln könnte in weiten Teilen nicht mehr gewährleistet werden“, heißt es dort weiter.

Als Beschleuniger dieser Entwicklung wird der Versand von rezeptpflichtigen Arzneimitteln durch ausländische Kapitalgesellschaften über das Internet ausgemacht. Die Politik soll sich mit dem Thema befassen und den Versand verbieten. Dafür wird die Unterschrift geleistet.

Versandapotheken bieten zum Teil satte Rabatte an

„Wir werden von der Politik in dieser existenziellen Frage hängen gelassen“, kritisiert Kathrin Mucke von der Apotheke am Theater in Nordhausen. Das Versandhandelsverbot für rezeptpflichtige Arzneimittel, das bereits in 21 EU-Mitgliedsstaaten existiere, werde in Deutschland aus politischen Gründen nicht umgesetzt. Dabei befinden sich die niedergelassenen Apotheken im Wettbewerbsnachteil. „Wir können bei den Preisen des Versandhandels, die zum Teil satte Rabatte anbieten, nicht mithalten. Auch, weil wir diese Rabatte gar nicht anbieten dürfen“, erläutert Mucke.

Eine Apotheke vor Ort zu betreiben sei aufgrund der Personalkosten und des hohen bürokratischen Aufwandes natürlich ungleich teurer, als vom Ausland aus online bestellte Medikamente zu verschicken. Das alles trage dazu bei, dass immer mehr Apotheken von der Bildfläche verschwinden.

Apotheken auf dem Land sind besonders stark gefährdet

Im Südharz ist die Versorgungslage noch vergleichsweise gut. Hier gibt es derzeit 20 Apotheken, 13 davon in Nordhausen. „Aber auch in der Rolandstadt haben in den vergangenen Jahren drei Apotheken aus wirtschaftlichen Gründen geschlossen“, sagt Eleonore Liebetrau als Sprecherin der Apotheken im Landkreis. Die Roland-Apotheke in der Hesseröder Straße, die Meyenburg-Apotheke in der Stolberger Straße und die Apotheke am Grimmel haben für immer aufgehört zu existieren.

„Ich befürchte, dass es bei der Zahl von 20 Apotheken im Südharz nicht bleiben wird“, betont Liebetrau, die die Cranach-Apotheke in Nordhausen betreibt. Gerade die Unternehmen auf dem Land seien gefährdet. „Schließt eine Arztpraxis auf dem Dorf oder in der Kleinstadt, dauert es nicht mehr lange und die Apotheke hat sich ebenfalls erledigt“, so die Nordhäuserin.

Telemedizin sei keine Alternative

Die von der Politik ins Spiel gebrachte Telemedizin, also die Ferndiagnose per Bildschirm, sei für Liebetrau auch keine Alternative. Hier sei für sie die Arzneimittelsicherheit infrage gestellt, wenn zum Beispiel Unverträglichkeiten auftreten.

Liebetrau hofft, dass möglichst viele Nordhäuser die Petition unterschreiben, um Druck auf die Politiker in Berlin auszuüben. Denn ohne diesen Druck würde nichts passieren.

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