Karnevalsvereine feiern in Ellrich Öffnung des Grenzzauns

Ellrich.  In Ellrich feierten drei Karnevalsvereine am Montagabend die Öffnung des Grenzzauns gemeinsam mit den Walkenriedern.

Im Ellricher Lindenhof erinnerten die Karnevalsvereine Ellrich, Sülzhayn und Woffleben am Montagabend gemeinsam an die Öffnung der Grenze zwischen Ellrich und Walkenried am 11. November 1989 um 19.34 Uhr.

Im Ellricher Lindenhof erinnerten die Karnevalsvereine Ellrich, Sülzhayn und Woffleben am Montagabend gemeinsam an die Öffnung der Grenze zwischen Ellrich und Walkenried am 11. November 1989 um 19.34 Uhr.

Foto: Kristin Müller / Thüringer Allgemeine

Ellrich ist nicht Berlin. In Thüringens nördlichster Stadt wird der Zaun der deutsch-deutschen Grenze nicht am 9. November, sondern zwei Tage später geöffnet. So kommt es, dass ausgerechnet die Karnevalisten besondere Erinnerungen mit dem Schlüsselübergabe-Tag des Jahres 1989 verbinden.

„Wir feierten hier im Lindenhof, als die Grenze um 19.34 Uhr geöffnet wurde“, erinnert sich Kurt Schulze. Der 87-Jährige ist damals Ehrenpräsident des Ellricher Karnevalsvereins, als Holger Levie mitten in die Veranstaltung die unglaubliche Nachricht trägt. „Als Rita aufgetreten ist, waren schon nur noch zwei, drei Tische besetzt“, erzählt Henry Mattke. Schulze lässt die Veranstaltung abbrechen, der halbe Saal ist samt Blaskapelle sodann gemeinsam gen Walkenried unterwegs. „Das war eine Euphorie“, sagt Kurt Schulze, während Tränen in seine Augen steigen.

Am Montag, 30 Jahre später, steht Schulze als Ehrenpräsident in der Bütt und mahnt: „Für Streit ist unsere Stadt zu klein!“ Fehler solle man lieber in Humor verpackt „ins rechte Licht rücken“.

Nach des „Kellermeisters“ Karnevalshymne greift Bürgermeister Henry Pasenow (CDU) das Stichwort Streiten auf, erklärt sich bereit dazu, nur dürfe „niemals das Fundament der freiheitlich-demokratischen Grundordnung verlassen“ werden. Das hören die Ellricher, Sülzhayner und Woffleber Karnevalsfreunde, und auch aus Walkenried haben sich einige unter das mehr als 150-köpfige Publikum gemischt. „Ihr habt uns damals wie Brüder und Schwestern willkommen geheißen, das werden wir nie vergessen“, sagt Pasenow und Applaus brandet auf.

Den bekommt auch Landrat Matthias Jendricke (SPD) nach Übergabe zweier Schecks: 350 Euro bekommt der Sülzhayner Karnevalsverein zu seinem 55-Jährigen, 500 Euro der Ellricher für sein 50-Jähriges aus dem Topf der Thüringer Ehrenamtsstiftung: „Ihr tut etwas für die Volksgesundheit, sorgt dafür, dass die Leute Spaß haben“, lobt Jendricke, die Narrenkappe auf dem Kopf.

„Was zusammengehört, wird zusammenwachsen. Wir sind auf einem guten Weg“, strahlt EKV-Präsident Michael Schulze 30 Jahre nach der Grenzöffnung Optimismus aus. Der Gemischte Chor Ellrich stimmt die Nationalhymne an.Für Gänsehaut indes sorgt ein Mann, der 1989 noch gar nicht geboren war: Lukas Eichel. Nichts weniger als Westernhagens Song „Freiheit“ hat sich der junge Karnevalist ausgesucht. Die Gratwanderung zwischen Narretei und Politik, sie gelingt an diesem Abend.

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