Keine Verschnaufpause für Bleicheröder Bodemühlen-Chef

Bleicherode  Der deutschlandweite Mühlentag lockt auch viele Besucher in die Kalistadt. Die Führungen sind stark nachgefragt.

Wolfgang Streubel erklärte den interessierten Besuchern des Mühlenfestes die alte Technik der Wassermühle.

Wolfgang Streubel erklärte den interessierten Besuchern des Mühlenfestes die alte Technik der Wassermühle.

Foto: Birgit Eckstein

Wie viele Kilometer Wolfgang Streubel, Chef der gleichnamigen Bleicheröder Mühle, am Ende des Pfingstmontags in den Beinen hatte, kann keiner genau sagen. Hieß es doch bei seinen stündlichen Führungen ständig treppauf und treppab. Und trotzdem wurde er nicht müde, den ungezählten Besuchern die alte Wassermühle zu zeigen und die Technik zu erklären. Überliefert ist indes, dass es Jahre gab, in denen der Unternehmer um 17 Uhr keine Stimme mehr hatte.

Während andere Veranstaltungen erst langsam anliefen, war es bei Streubels bereits zu Beginn des Mühlentages, der deutschlandweit traditionell am Pfingstmontag stattfindet, rappelvoll. Und bei dem herrlichen Wetter rissen die Besucherströme auch den ganzen Tag über nicht ab. Dabei waren nicht nur die Führungen von Interesse, so mancher kam einfach nur, um die besondere Atmosphäre auf dem Hof zu genießen.

Im Handumdrehen waren die Führungen durch die Mühle ausgebucht, meist gab es sogar erst für die übernächste Besichtigung Karten. Mit einem herzlichen „Glück zu“, dem traditionellen Gruß der angehenden Müllergesellen auf der Wanderschaft, begrüßte Wolfgang Streubel die Interessierten. 1587 wurde die Bodemühle erstmals urkundlich erwähnt, im Laufe der Zeit gab es die unterschiedlichsten Besitzer, unter ihnen auch einmal ein Graf von Hohnstein. Aber eines änderte sich in all den Jahren nicht, die Mühle wurde vom Wasser der Bode betrieben. Anfang der 80er Jahre übernahm Wolfgang Streubel die Mühle, die sich nunmehr seit einhundert Jahren im Familienbesitz befindet. Vor fünfzehn Jahren musste der Betrieb eingestellt werden, hatten die kleinen Mühlen in Privatbesitz doch keine Chance gegen die großen Unternehmen zu bestehen. Gab es einst 33 Mühlen im Landkreis Nordhausen, ist heute keine mehr in Betrieb.

Auch wenn die Mühle nicht mehr produziert, so ist sie noch voll funktionstüchtig, was die Besucher am Montag auch erleben konnten. Und noch heute sorgt die Turbine dafür, dass die Stromversorgung auf dem Grundstück immer gesichert ist. Denn die Energie der Bode ist auch nach all den Jahren ungebrochen.

Die Besucher waren rundum vom „Erlebnis Mühle“ begeistert. So auch Daniela Apel, die mit ihrer Familie aus Sondershausen gekommen war. Sie verbanden den Pfingstbesuch bei den Eltern mit dem Besuch der Mühle. „Einfach nur super und total interessant“, schwärmte Annette Janischefski aus Niedergebra, die mit ihrer Tochter zum ersten Mal gekommen war. „So etwas muss man einfach gesehen haben, denn irgendwann gibt es das nicht mehr.“ Angela und Roland Göhler aus Windehausen sind indes Wiederholungstäter. Besonders die Atmosphäre des Festes begeisterte das Paar. „Man gehört einfach gleich dazu“, meinte Angela Göhler.

Seit rund zehn Jahren gehört Dagmar Zierdt zum Helferkreis beim Mühlenfest. Und es ist immer wieder schön und macht Spaß, sagte sie. Die Bleicheröderin erinnert sich daran, wie Streubels ganz klein angefangen haben. „Damals gab es noch keine Stände, alles ist nach und nach gewachsen. Und jedes Jahr kommt etwas Neues dazu. So wird es niemals langweilig.“

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