Kommentar: Lärm, den niemand hört

Peter Cott über digitalen Krach in sozialen Netzwerken und was Politik in Nordhausen daraus lernen kann.

Peter Cott

Peter Cott

Foto: Martin Kappel

Sollte sich einer der Nordhäuser Kommunalpolitiker in den Tagen des nahenden Lockdowns langweilen, empfehle ich Facebook. Bei einer Tauchfahrt in die Untiefen der sozialen Netzwerke findet sich manche Perle. Sprich: Ansätze guter Politik.

Gerade Kommentare unter unserer Umfrage zum Lärm sind voll davon: Warum gibt es in hiesigen 30er-Zonen nicht mehr Tempokontrollen? Wäre manche Straße nicht besser nur einseitig befahrbar, vor allem wenn sie Abkürzung für eine mit Ampeln gespickte Umleitung ist? Und wo bleibt eigentlich die Ortsumgehung? Auf welchem Teil der B 4 stecken unsere Politiker im Stau, dass sie nicht endlich in Erfurt Druck für das seit Jahrzehnten angekündigte Bauprojekt machen?

Ach, und hier finden sich genügend dämliche Kommentare, die erklären, weshalb Lärm uns heute zunehmend nervt: Wussten Sie, dass Schall selbst nur etwa 20 Prozent von Lärmbelästigung ausmacht? Den Rest bedingen laut Wissenschaft Faktoren wie die Frage, ob das Geräusch vermeidbar gewesen wäre und ob es Kommunikation unterbricht. Facebook ist voll von solchen Störungen – Kommentare, die nur beleidigen, die völlig unkonstruktiv meckern, die ausgrenzen.

Das ist Lärm, den niemand hört. Aber jeder spürt ihn. Auch da muss die Politik ran.