Kritik am Corona-Straßenbahntakt in Nordhausen

Nordhausen  Ratsherr Andreas Wieninger fordert sofortige Rückkehr zum Zehn-Minuten-Takt und sieht Aufsichtsrat der Verkehrsbetriebe und Stadtrat übergangen.

Straßenbahnlinie 1 zum Südharz-Klinikum

Straßenbahnlinie 1 zum Südharz-Klinikum

Foto: Marco Kneise

Die Verkehrsbetriebe Nordhausen verteidigen das Festhalten am Corona-Sonderfahrplan für die Nordhäuser Straßenbahn in der Zeit des harten Lock-Downs. Statt normal aller zehn Minuten verkehrt die Bahn nur viertelstündlich. „Durch die Einschränkungen des öffentlichen Lebens sowie die Schließung von Schulen, Kindertagesstätten und Geschäften hat der Bedarf für Fahrten mit unseren Verkehrsmitteln weiter abgenommen“, erklärt Sprecherin Franziska Bernsdorf. Es sei „wirtschaftlich und mit Blick auf die gesundheitspolitisch gewollten Kontakteinschränkung geboten“, der geringeren Nachfrage Rechnung zu tragen.

SPD-Stadtrat Andreas Wieninger will sich damit nicht abfinden. Gerade die hohen Infektionszahlen machen es aus seiner Sicht erforderlich, dass die Straßenbahnen nicht so voll sind, damit die Menschen die Abstände besser einhalten können und auch das Fahrpersonal geschützt wird. Zudem gibt Wieninger zu bedenken, dass die Umsteigemöglichkeiten zu den anderen Verkehrsträgern wie Bus oder Eisenbahn so nicht mehr funktionieren.

Der ausgedünnte Straßenbahntakt sei weder rechtlich noch durch Gremienbeschlüsse gedeckt, erklärt der Verkehrsausschuss-Vorsitzende: „Weder im zuständigen Stadtratsausschuss noch im Aufsichtsrat der Verkehrsbetriebe ist dieser eingekürzte Takt für die Straßenbahn abgesegnet worden. Hier macht die Rathausspitze ohne Stadtratsbeteiligung einen Alleingang.“

Die Stadt Nordhausen ist Mehrheitsgesellschafter der Verkehrsbetriebe, der Landkreis Minderheitsgesellschafter. Wieninger sieht durch die Entscheidung für einen längeren Straßenbahntakt „die Gesundheit der Kinder und Senioren in dieser Stadt gefährdet, um etwas Geld bei der Straßenbahn zu sparen“. Er erwägt nun, eine Sondersitzung des Verkehrsbetriebe-Aufsichtsrates einzufordern. Die Busse fahren im Stadt- und Regionalverkehr seit dem 11. Januar wieder nach dem regulären Fahrplan. Begründet hatten die Verkehrsbetriebe dies mit der Rückkehr zum Präsenzunterricht für Abschlussklassen.