Kritik an Jagd bei Baumsterben

Nordhausen  Interessengemeinschaft wendet sich gegen Ansitz in voriger Woche. Forstamt verteidigt sich. Pflanzaktion vorgesehen.

(Symbolbild)

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Foto: Sascha Fromm

„Das Baumsterben erreicht ungeahnte Ausmaße“ schrieb unsere Zeitung am 10. August. „Angesichts dieser Notsituation, die besondere Maßnahmen seitens der Forstwirtschaft erfordert, verstehen wir nicht, wie die Zeit gefunden wird, dem Privileg der Jagd nach­zugehen“, kritisiert Niels Neu von der Interessengemeinschaft (IG) zum Erhalt des Rotwildes im Harz. Konkret bezieht sich Neu auf einen sogenannten Gemeinschaftsansitz im Revier Christianenhaus in der vergangenen Woche. Daran seien Forstbedienstete während ihrer Arbeitszeit beteiligt gewesen. „Der Jagdbetrieb läuft so weiter, als sei nichts geschehen. Und wir sind darüber enttäuscht, dass jetzt schon wieder Rotwild-Kälber geschossen werden und die Kühe anschließend mit vollem Euter durch den Wald streifen müssen“, legt Neu nach.

„Wir können doch den Jagdbetrieb jetzt nicht einfach einstellen“, antwortet Gerd Thomsen, Leiter des Forstamtes Bleicherode-Südharz, auf die Kritik. Es gebe einen Abschussplan, der einzuhalten sei. „Aufgrund der jetzigen Kalamität entstehen riesige Freiflächen mit Neuanpflanzungen. Wenn dort das Wild äst, sind unsere Maßnahmen umsonst“, gibt Thomsen zu bedenken. Und seine Bediensteten hätten außerhalb der Dienstzeit, also am frühen Morgen und am Abend, am Ansitz teilgenommen, an dem etwa 20 Jäger beteiligt gewesen seien.

Auch zu den Kälbern äußerte sich Thomsen. „Deren Schonzeit beginnt Mitte Januar und endet Ende Juli. Ab August dürfen sie bejagt werden“, erklärt er. Im Übrigen beschränke man sich mittlerweile auf zwei je fünf ­Tage dauernde Ansitze im August und September sowie eine Drückjagd im November.

Die Harzer Interessengemeinschaft übt aber nicht nur Kritik, sie wählt auch einen konstruktiven Ansatz. „Wir wollen gemeinsam mit Südharzer Unternehmen eine große Pflanzaktion ins Leben rufen“, kündigt Torsten Meyer, zweiter Sprecher der IG, an. Die Auftaktveranstaltung soll Anfang Oktober im Südharzer Wald stattfinden. „Dann wollen wir 500 Weißtannen anpflanzen“, ergänzt Niels Neu. „Die Einladung richtet sich vor allem an die Jugendlichen, die freitags gegen die Erderwärmung protestieren und so etwas Praktisches für den Klimaschutz tun können“, verdeutlicht Meyer. Deshalb soll der Auftakt an einem Freitagnachmittag stattfinden. „Diese erste Aktion verstehen wir als einen Lackmustest für weitere Anpflanzungen“, so der Rotwildschützer.

Die Bäume würden selbstverständlich gestellt. „Jeder Baum wird mit einem Einzelverbiss-Schutz versehen“, fügt Neu hinzu. Damit werde sichergestellt, dass die jungen Pflanzen nicht dem Hunger des Rotwildes zum Opfer fallen. „Damit wollen wir auch der Argumentation entgegenwirken, die Zahl des Wildes müsse weiter dezimiert werden, um den Wald vor Verbiss zu schützen“, so der Nordhäuser.

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