Landkreis Nordhausen schafft drei Elektrobusse für den Regionalverkehr an

Nordhausen  Im Kreisausschuss wird das Thema heftig diskutiert. Fahrzeuge werden in Bleicherode, Harztor und Heringen eingesetzt.

Busfahrer Oliver Puff von den Eichsfeldwerken steht vor einem Elektrobus eines tschechischen Herstellers. Im Eichsfeldkreis wurde durch das Unternehmen in diesem Jahr das Fahrzeug für den Stadtverkehr getestet.

Busfahrer Oliver Puff von den Eichsfeldwerken steht vor einem Elektrobus eines tschechischen Herstellers. Im Eichsfeldkreis wurde durch das Unternehmen in diesem Jahr das Fahrzeug für den Stadtverkehr getestet.

Foto: Eckhard Jüngel

Es ist ein äußerst strittiges Thema – die Elektromobilität. Das zeigt sich auch in der jüngsten Sitzung des Kreistages. Die Mitglieder sollen darüber entscheiden, dass mithilfe von Fördermitteln vom Land drei Elektrobusse für den Regionalverkehr inklusive Ladeinfrastruktur im Landkreis Nordhausen angeschafft werden. Geplant ist, diese künftig im Bereich Bleicherode, Harztor und Heringen fahren zu lassen.

Hintergrund ist, dass die seit 1. August 2019 geltende Clean-Vehicle-Richtlinie vorgibt, dass ab 2050 Kraftomnibusse keinerlei fossiles CO2 mehr emittieren dürfen. Im Stadtverkehr von Nordhausen sind bereits rund 38 Prozent emissionsfreie Fahrzeuge im Einsatz, während im Landkreis keins eingesetzt wird. Die Stadt hat auch noch keinen positiven Beschluss zur Kreditermächtigung für die Beschaffung von drei Elektrobussen inklusive der Infrastruktur im Stadtverkehr getroffen. Doch die Bindefrist endet am 30. September, eine Entscheidung im Stadtrat kann nicht mehr rechtzeitig getroffen werden.

Vonseiten der Verkehrsbetriebe Nordhausen steht dem Einsatz von insgesamt sechs Bussen nichts im Weg. Durch die Investition werden zudem noch Kosten gespart. So führt die Beschaffung der sechs E-Busse laut Beschlussvorlage zu einer Einsparung in Höhe von mehr als 400.000 Euro über einen Zeitraum von zehn Jahren.

Jörg Prophet (AfD) hält die Anschaffung dennoch „betriebswirtschaftlich für problematisch“ und spricht sich dafür aus, das Geld besser zu investieren – in Kindergärten oder Schulen. „Aber E-Mobilität hat keine Priorität“, meint er. Auch Steffen Iffland (CDU) äußert erhebliche Bedenken. „Wir haben dahingehend überhaupt keine Erfahrung“, betont er. Sein Parteikollege Maik Schröter ist hingegen der Meinung, „neuen Technologien gegenüber offen zu sein“. Sein Vorschlag lautet daher, den Praxistest mit den Bussen zu wagen. „Wir müssen offen sein und in neue Technologien investieren. Sicher gibt es noch offene Fragen, aber wir müssen jetzt einsteigen und nicht noch 15 Jahre warten“, betont Dagmar Becker (SPD).

Infrastrukturministerin Birgit Keller von den Linken, ebenfalls Mitglied im Kreistag, zeigt sich fassungslos über die Debatte. „Es geht hier um ein vom Land gefördertes Projekt“, sagt sie an die Kreistagsmitglieder gewandt. Sie sei überzeugt davon, dass die Verkehrsbetriebe das schaffen und dass die E-Mobilität dem Südharz gut zu Gesicht stehen würde. René Fullmann (CDU) erinnert jedoch daran, dass es sich bei den Geldern vom Land auch um Steuergelder handele. „Wir haben keine Erfahrung. Erst müssen die Wirtschaftlichkeitsberechnungen stimmen, dann sehen wir weiter“, argumentiert er. Sein Parteikollege Egon Primas findet noch deutlichere Worte: „Die Ökobilanz ist verheerend. Die Elektromobilität ist einfach nicht ausgereift. Das sollten wir lassen mit den Bussen!“ Dem kann sich Klaus Zeh von derselben Fraktion ebenfalls nur anschließen. „Die Ökobilanz ist noch nicht nachgewiesen. Ich persönlich war nie gegen Elek­tromobilität, aber wir sind Nordhausen und nicht Stuttgart“, meint er.

Franka Hitzing von der FDP sieht die Notwendigkeit der Anschaffung von neuen Bussen. „Wir reden von sechs E-Bussen, die aber nicht die Flotte für den gesamten Landkreis bilden werden“, sagt sie. Ein Mix sei gut. „Natürlich ist die Ökobilanz zweifelhaft. Aber wir sollten neue Wege gehen. Wir sollten zustimmen und an unseren Landkreis denken“, betont Franka Hitzing. Zuletzt hat erneut Landrat Matthias Jendricke (SPD) als Antragsteller das Wort, der noch einmal die Kreistagsmitglieder daran erinnert, auch an die Leute im ländlichen Raum zu denken. Am Ende wird der Beschluss mit 24 Ja-Stimmen, 16 Nein-Stimmen und drei Enthaltungen angenommen.

Der Landkreis rechnet aktuell damit, dass die ersten drei bereits in diesem Jahr ausgeschriebenen Elektrobusse im Juli 2020 in Betrieb gehen können, die drei anderen können spätestens 2020 in Dienst gestellt werden.

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