Leitungswasser, das krank macht: Wasserverband Nordhausen unternimmt nichts

Werther  Mit 1,5-Liter-Flaschen Wasser sind Kathrin und Mario Theiler gut ausgestattet.

Kathrin und Mario Theiler dürfen ihr Wasser, wie alle Familien am Schern an der früheren B 80, nicht mehr trinken.

Kathrin und Mario Theiler dürfen ihr Wasser, wie alle Familien am Schern an der früheren B 80, nicht mehr trinken.

Foto: Marco Kneise

Anderthalb Jahre ist es her, dass ihre seltsame Geschichte begann. Und mit ihrer die Geschichte aller sechs Häuser am Schern, einer kleinen Siedlung zwischen Werther und Großwechsungen.

„Das Ganze begann, als im Gesundheitsamt ein neuer Mitarbeiter anfing“, erzählt Mario Theiler. Das war im Juni 2016. Der habe darauf bestanden, die Wasserbrunnen der Häuser untersuchen zu lassen. Wie es laut Vorschrift sein soll. Nichts ahnend, nahmen die Theilers und andere Familien jeweils 380 Euro in die Hand. Und bekamen dafür ein Ergebnis, das sie bis heute nicht ruhig schlafen lässt: Das Wasser ist derartig belastet, dass es ab dem Tage des Befundes nicht mehr getrunken werden darf. „Um uns herum ist Landwirtschaft, stehen eine ehemalige Hühnerfarm und ein Güllebecken“, erzählt Theiler weiter. Er zeigt Bilder, auf denen Klärschlamm nicht abgedeckt auf einem Weg liegt.

Jedenfalls, das Wasser in den Brunnen am Schern weist Nitratwerte auf, die jenseits von Gut und Böse liegen. In Briefen an die Bewohner heißt es streng, die Entnahmestellen seien sogar mit einem Schild „Kein Trinkwasser“ zu versehen. Immerhin, es droht eine erhöhte Gefahr, Krebs zu bekommen. Schon jetzt weiß das Paar nicht, ob die bisherigen gesundheitlichen Probleme vielleicht vom Wasser herrühren. Deshalb halten sich alle Familien, eine sogar mit Kindern, an das Verbot. Zwei große Sechserpacks gehen wöchentlich bei den Theilers drauf. Bezahlen müssen sie die selbst. Eiswürfel, Tee, Salatzubereitung – nichts geht mehr mit Wasser aus dem Hahn. Nur duschen und waschen können sie damit.

Wasserverband macht jährlich Gewinne

Seit dem Befund kämpfen die Schern-Bewohner nun um den Anschluss an das öffentliche Wassernetz. „Wasser“, meint Mario Theiler, „ist ein Lebensmittel der Daseinsvorsorge und damit für alle zugänglich zu machen“. Doch das sieht der Wasserverband Nordhausen offensichtlich anders. Und beruft sich auf seine eigene Satzung. In dieser soll stehen, dass unrentable Projekte nicht verwirklicht werden müssen. Rund 400 000 Euro, so hat der Verband ermittelt, würde eine schlichte, etwa zwei Kilometer lange Leitung von Großwechsungen oder Werther her kosten. Nachprüfbar ist die Summe für die Anwohner nicht.

Vor allem aber wundert sie, dass derselbe Wasserverband jährlich Überschüsse produziert und die Gewinne dann in die Kassen der Gemeinden im Landkreis spült. Auch in die von Werther. Bürgermeister Hans-Jürgen Weidt (pl) sitzt in dem Gremium, das diese Ausschüttung gerade wieder bestätigt hat. „Er sagte uns zu, sich um unser Problem zu kümmern“, berichtet Mario Theiler. Erreicht hat er offenbar noch nichts.

Deshalb mussten sich die Betroffenen an den Petitionsausschuss des Landtages wenden, wo sie erstmals Gehör gefunden hätten. Sie reisten nach Erfurt, waren bei einem Vor-Ort-Termin dabei, an dem auch Wasserverbandschefin Carmen Lis teilgenommen habe. Ein Alternativangebot zur neuen Leitung hätte sie Tausende Euro gekostet, vor allem aber weiterhin monatlich 1500 Euro. „Das ginge finanziell gar nicht“, spricht Kathrin Theiler für alle Betroffenen.

Ihr Mann verweist darauf, dass die wenigen Häuser auf der Burg Lohra sogar ans Netz angeschlossen wurden. Warum dies bei ihrer Siedlung, die rund 100 Jahre besteht, nicht geht, leuchtet ihm nicht ein.

Darauf angefragt, gab es vom Wasserverband gestern noch keine Reaktion. Wir werden über mögliche Antworten berichten.

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