Lipprechterodes Karneval-Urgestein tritt ab

Lipprechterode.  Jörg Kirchner legt fortan seinen Fokus auf Familie, Beruf und Bürgermeisteramt. Lipprechterode plant weiter eine Schlüsselübergabe am 11.11. und einen Weihnachtsmarkt.

In dieser Rolle – als Karnevalspräsident von Lipprechterode –. wird man Jörg Kirchner (vorn) nicht wieder erleben. 

In dieser Rolle – als Karnevalspräsident von Lipprechterode –. wird man Jörg Kirchner (vorn) nicht wieder erleben. 

Foto: Birgit Eckstein

Nicht nur beim Lipprechteröder Karneval, sondern im gesamten närrischen Südharz endete jüngst eine Ära: Karnevalspräsident Jörg Kirchner stellte sich bei der Versammlung des Lipprechteröder Carneval-Club (LCC) nicht mehr zur Wiederwahl. Mit 33 Jahren an der Vereinsspitze war Kirchner dienstältester Präsident im Landkreis. Beim Abschied hatten daher viele feuchte Augen, auch Kirchner selbst, wie er ohne Scheu zugibt. Hatte er doch den LCC einst mitbegründet.

Zuvor war er bereits in seinem Geburtsort Kraja im Verein. Als Kirchner dann in Lipprechterode wohnte, kam ihm die Idee, auch hier Karneval zu machen. Schnell fanden sich rund 15 Leute, die aktiv mitmachen wollten. Nach der ersten Probe habe er noch gedacht: „Das wird nie was.“ Doch auch erfahrene Karnevalisten können sich täuschen. Schon die ersten zwei Veranstaltungen waren ausverkauft.

Nun verabschiedet sich Kirchner als Präsident. Nach dreimal elf Jahren – eine gute Zahl für einen Karnevalisten. Bereits im Januar habe der 63-Jährige die Entscheidung für sich getroffen, aber er wollte die aktuelle Saison noch zu Ende bringen. Gründe aufzuhören, gibt es reichlich. Denn Kirchner ist vielbeschäftigt: als Firmenchef, Ortsbürgermeister und in anderen Lipprechteröder Vereinen.

Hauptgrund sei für ihn gewesen, dass er sich wieder den Anforderungen in der Chefetage der Bleicheröder Firma Bundy, die in schweres Fahrwasser geraten war, stellen musste. Aber auch der plötzlich Tod von Lohras Bürgermeister Siegfried Schäfer – auch er war ähnlich aktiv – habe ihn zum Nachdenken gebracht. Ihm wurde klar, dass er sich zu viel zumutete und dass er etwas aufgeben muss. Und so zog Kirchner sich auch aus dem Vorstand des Sportvereins zurück „Es heißt ja, man soll gehen, wenn es am schönsten ist. Und das habe ich getan“, so der Lipprechteröder.

Er weiß den Karnevalsverein gut aufgestellt. „Der LCC hat eine solide wirtschaftliche Basis. Ich kann guten Gewissens loslassen“, betont Kirchner. Und er zog sich nicht nur als Präsident zurück, sondern komplett aus dem Vorstand. „Entweder ganz oder gar nicht. Ich bin nicht der Typ für die zweite Reihe“, bekennt Kirchner. „Ich bin aber nicht aus der Welt.“

Auch wenn er sich noch nicht dazu äußern möchte, so ist es nicht auszuschließen, dass Kirchner später wieder in irgendeiner Form auf der Bühne des Dorfgemeinschaftshauses steht. „Denn ich bin nach wie vor Karnevalist“, betont er. Seinem Nachfolger Carsten Pabst übergibt Kirchner einen mitgliederstarken Verein. „Aber es werden neue Leute gebraucht, viele unserer Karnevalisten sind schon älter.“

Da auch der LCC die kommende Saison coronabedingt absagt, habe das neue Präsidium ein Jahr Zeit, sich zu orientieren. Besonders auf eine veränderte finanzielle Situation wird sich der Vorstand einstellen müssen. „Durch Corona werden Sponsorengelder und Spenden abnehmen“, fürchtet Kirchner. Die Entscheidung abzusagen, trafen die Mitglieder bei einer Befragung zur Vollversammlung mehrheitlich. „So eine Entscheidung sollte der Vorstand nicht allein treffen“, ist sich Kirchner sicher. Und aus diesem Grund hatte er die Mitgliederbefragung als eine seiner letzten Amtshandlungen angeregt.

„Die Veranstaltungen wären schon vom Kostenfaktor nicht durchführbar gewesen. Wir hätten jeweils nur 60 Personen zulassen können.“ Zum Vergleich: In den Vorjahren waren im Schnitt 750 Karten zu den Abendveranstaltungen, 300 Karten beim Jugend- und 200 beim Kinderkarneval verkauft worden.

Dennoch proben die Gruppen, jede mit Infektionsschutzkonzept, weiter. Nicht nur für die folgende Saison, sondern auch für Auftritte bei der 900+1-Jahr-Feier des Ortes im kommenden Jahr.

Auch wenn es diese Saison keine Festsitzungen geben wird, so soll die traditionelle Schlüsselübergabe am 11.11. stattfinden; im kleinen Rahmen und im Freien. Dann trifft der neue LCC-Präsident Carsten Pabst wieder auf Jörg Kirchner; in seiner Funktion als Bürgermeister.

Und der Lipprechteröder wird den Vereinen weiterhin mit Rat und Tat zur Seite stehen, als Sponsor und als Ortschef. „Als Bürgermeister habe ich gute Möglichkeiten, die Vereine zu unterstützen. Ich habe es in all den Jahren hinbekommen, ein gutes Klima untereinander zu schaffen. Für mich ist es eine der wichtigsten Aufgaben, den Zusammenhalt so hinzubekommen“, erklärt Kirchner. Deshalb soll auch der Weihnachtsmarkt am zweiten Advent möglichst durchgeführt werden, wenn auch ohne Einbeziehung des Dorfgemeinschaftshauses in diesem Jahr. Denn für die örtlichen Vereine bedeutet der Markt eine wichtige Einnahmequelle.