Martini-Postkarte hat in Nordhausen lange Tradition: Nun kehrt sie zurück

Nordhausen  Fotograf Markus Veit hat zwei historische Motive des Fests neu aufgelegt. Nordhausen war ein Zentrum des Kartendrucks.

Inmitten historischer Karten präsentiert Markus Veit seine entworfenen Retro-Postkarten zum Martinsfest.

Inmitten historischer Karten präsentiert Markus Veit seine entworfenen Retro-Postkarten zum Martinsfest.

Foto: Silke Veit

An Karpfen wird kaum einer denken, wenn Nordhausens Kinder am Sonntag mit Lampions durch die Straßen spazieren, Brezeln naschen und bewundernd in den mit Feuerwerk geschwängerten Himmel blicken. Vor hundert Jahren aber gehörte der Fisch noch zum traditionellen Bestandteil der Martinsfeste. Den Beweis dafür hat Markus Veit in Kisten voller Postkarten. Etwa 8000 Karten sind es seiner Schätzung nach, das Gros mit Motiven seiner Heimat. Und eine zeigt auf einer Lithographie Kinder beim Karpfenfischen aus dem Neptunbrunnen. „Dr Märtensobend in Nordhusen“ titelt der postalische Gruß, den Veit neben einer historischen Ansicht der Feierlichkeiten neu aufgelegt hat.

Der Fotograf knüpft damit an eine lange Tradition an, die erst zur Zeit des Nationalsozialismus einschlief: den Postgruß zu Martini. Den hatte es bis Mitte der 30er-Jahre gegeben. Wieder zückt Veit Karten aus seinen Kisten, deutet auf allerhand Motive verschiedener Künstler und Verlage. Als die Postverwaltung ihr Privileg aufweichte und auch der Privatwirtschaft ermöglichte, Karten zu drucken, wurde Nordhausen ein Zentrum des deutschen Postkartenwesens. „Hier haben mehrere Verlage miteinander konkurriert“, weiß Veit. Seine Sammlung zeigt ein Potpourri aus Martini-Motiven. Manche mit Marktszenen des Gänseverkaufs oder mit Bildern der beteiligten Gesangsvereine, andere sind eher spaßiger Natur – wie die, in der der Roland das Schwert zückt und in der anderen Hand eine Martinsgans hält. „Den Ausgang können wir uns ja denken“, meint Veit und lächelt. Er weiß bestens über die Geschichte der Postkarte Bescheid: Ihr Vorläufer, die sogenannte Korrespondenzkarte, erzählt er, sei erstmalig am 1. November 1869 erschienen. Damals noch ohne Motiv auf der Rückseite, nur mit Platz für einen kurzen, komprimierten Gruß. „Die SMS dieser Zeit“, sagt Veit. Anfang sei dies als Sittenverfall verschrien gewesen, weil man seine persönlichen Notizen nicht mehr im Umschlag verbarg. Als auch Motive hinzukamen, war Schluss mit der Skepsis: Die Karte gewann zunehmend – bis in ihre Hochphase von 1885 bis 1910 – an Beliebtheit. „Gerade das Zusammenspiel mit einem weiteren Trend jener Jahre, der Fotografie, wuchs das Interesse an der Karte“, erklärt der Fotograf, den eines beeindruckt: Schon zu Beginn der Postkarte sei sie deutschlandweit binnen einen Tages ausgeliefert worden. Geschrieben sind viele seiner gesammelten Karten in den Gaststätten Nordhausens. Kein Wunder, dass die Wirtschaften die Grußbotschaften schnell als Werbemittel verstanden und mit die ersten waren, die eigene Karten produzieren ließen. Während er das erzählt, deutet Veit auf einen Gruß aus dem ehemaligen Gasthaus „Wilhelmshöhe“ im Park Hohenrode. Diese Motive sollten die düstersten Stunden der deutschen Geschichte überstehen. Die Martini-Karte aber geriet in Vergessenheit. Veit hat sie nun wiederbelebt.

Die Karten gibt es für je 1 Euro im Nordhäuser Buchhandel sowie im Atelier Veit.

Eine Auswahl der historischen Martini-Karten finden Sie in einer Fotostrecke unter www.ta-nordhausen.de

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