Maßloses Leben ohne Schranken und Empathie: „Jedermann“ im Theater in Nordhausen

Udo Dietrich
| Lesedauer: 4 Minuten
Jedermann (Emanuel Jessel) möchte die Liebste (Jeannette Wernecke) heiraten. Doch sie hält ihm vor, dass er es aus Prestigegründen möchte. Sie aber liebt ihn auch ganz ohne Ehe und Gottes Segen.

Jedermann (Emanuel Jessel) möchte die Liebste (Jeannette Wernecke) heiraten. Doch sie hält ihm vor, dass er es aus Prestigegründen möchte. Sie aber liebt ihn auch ganz ohne Ehe und Gottes Segen.

Foto: Clemens Heidrich

Nordhausen.  Nordhäuser Theater feiert am Freitag, 23. Septembier, die Premiere von „Jedermann“. St.-Blasii-Kirche ist Interimsspielstätte bis zum Umzug des Theaters.

Über 100 Jahre nach der Uraufführung von Hugo von Hofmannsthals Mysterienspiel „Jedermann. Das Spiel vom Sterben des reichen Mannes“ 1911 in Berlin scheint das Thema aktueller denn je. Jetzt hat am 23. September das Musical „Jedermann“ in einer Produktion des Nordhäuser Theaters in der St.-Blasii-Kirche Premiere.

Die Lesart des Autorenteams ist fest im Heute verankert. Der Librettist Peter Lund und der Komponist Wolfgang Böhmer hatten zunächst eine Rockopernversion verfasst, die 2014 bei den Domstufen-Festspielen in Erfurt ihre Uraufführung fand. „Jedermann – Ein Musical vom Sterbenlernen“ in Nordhausen ist eine Neufassung mit reduzierter Orchesterbesetzung, die ursprünglich für das Stift Neuzelle entstand. Das versierte Autorenteam ist bekannt dafür, die strenge Kategorisierung U- und E-Musik über den Haufen zu werfen und aus allen Bereichen schöpfend ein sich ganz in den Dienst des Inhalts stellendes unterhaltsames Kunstwerk abseits des Mainstreams zu schaffen.

Diese Produktion des Nordhäuser Theaters ist in ungewöhnlicher Spielstätte zu erleben, in der St.-Blasii-Kirche, die dem Theater in der Zeit des Umzugs in die Interimsspielstätte, das Theater im Anbau, Heimstatt gewährt.

Publikumsliebling der Musketiere als Jedermann

Als Regisseur konnte Tomo Sugao gewonnen werden, der in der letzten Saison bei den Erfurter Domstufen-Festspielen Tschaikowskys „Jungfrau von Orleans“ inszenierte. Birte Wallbaum hat die farbenprächtigen Kostüme entworfen und Wolfgang Kurima Rauschning das Bühnenbild für die St.-Blasii-Kirche. Am Dirigentenpult des Loh-Orchesters Sondershausen steht der junge 1. Kapellmeister Julian Gaudiano, der in dieser Saison sein Amt neu angetreten hat. Die Choreographie übernahm Fumiko Okusawa, die von 2009 bis 2015 Mitglied der Nordhäuser Ballettcompagnie war.

Im Zentrum des Musicals steht der reiche Jedermann. Als Jedermann kann das Publikum Emanuel Jessel erleben, der bereits bei den Schlossfestspielen in Sondershausen als Porthos in „3 Musketiere“ die Herzen des Publikums eroberte.

Jedermann lebt maßlos und ohne Schranken, aber auch ohne Empathie für seine Mitmenschen in den Tag hinein. Er lehnt jegliche Verantwortung für seine Mitmenschen ab. Mammon (Marvin Scott) ist der personifizierte Reichtum Jedermanns. Er hat die Stellung Gottes übernommen. Überhaupt hat Gott (James Wood) hart um die Anerkennung seiner Existenz zu kämpfen. Die Menschen leben in Sünde und verspotten ihn. Aus dem Paradies wurde er vertrieben und hat sich als Gärtner unters Volk gemischt. Auch der Teufel (Philipp Franke) hat für Gott nur Spott über, aber selbst seine liebe Not, ernst genommen zu werden. Einzig den Tod (Maaike Schuurmanns) kann niemand leugnen. Er scheint der Herrscher der Welt zu sein, vielleicht zusammen mit Mammon.

Aber Jedermann scheint den Tod zu ignorieren. Da erscheint dieser ihm und teilt mit, dass dessen letzte Stunde geschlagen habe. Jedermann ist entsetzt: Es ergreift ihn die Angst vor dem, was unzweifelhaft kommen wird. Niemand will ihn auf seiner letzten Reise begleiten. Doch da ist Werke, der er einmal heimlich 10 Groschen zusteckte…

Besetzung, Termine und Karten

Musikalische Leitung: Julian Gaudiano; Inszenierung: Tomo Sugao; Bühne: Wolfgang Kurima Rauschning; Kostüme: Birte Wallbaum; Choreografie: Fumiko Okusawa; Choreinstudierung: Markus
Fischer; Dramaturgie: Juliane Hirschmann

Jedermann Emanuel Jessel; Der Tod Maaike Schuurmanns; Die Liebste Jeannette Wernecke; Die Mutter Brigitte Roth; Gott James Wood; Der Teufel Philipp Franke; Werke Rina Hirayama; Der Schuldner Thomas Kohl; Mammon Marvin Scott; Spielmann Marian Kalus; Die Köchin Yuval Oren; Der Vogt Jens Bauer; Der Knecht1 Dimitar Radev; Der Knecht2 Jung-Ok Oh; Der dicke Vetter Yavor Genchev; Der dünne Vetter Matthias Röttig; Die Base Funda Asena Aktop

Premiere ist am 23. September um 19.30 Uhr in der St.-Blasii-Kirche.

Weitere Vorstellungen sind am: 24. und 30. September (19.30 Uhr); 2. Oktober (18 Uhr); 7., 8., 15. und 29. Oktober jeweils um 19.30 Uhr.

Karten gibt es an der Theaterkasse, unter Telefon: 03631 / 983452 oder per Mail an: