Corona-Infizierte bringt Baby in Sondershausen zur Welt

Sondershausen.  Im KMG-Klinikum Sondershausen bringt eine mit Corona infizierte Frau ein Baby zur Welt.

Als Team: Oberarzt Sebastian Schröder (links), Hebamme Sophie Hagedorn (rechts) und Hebammenschülerin Vanessa Kühnemund halfen der kleinen Mathilda Louise im KMG-Klinikum auf die Welt.

Als Team: Oberarzt Sebastian Schröder (links), Hebamme Sophie Hagedorn (rechts) und Hebammenschülerin Vanessa Kühnemund halfen der kleinen Mathilda Louise im KMG-Klinikum auf die Welt.

Foto: Sascha Nenninger

Das Wichtigste zuerst: Alle Beteiligten sind wohlauf. Was keinesfalls selbstverständlich ist. „Denn die Situation und die Umstände waren schon speziell“, sagt Stefan Meschkat, Chefarzt für Gynäkologie und Geburtshilfe. Am KMG-Klinikum Sondershausen brachte erstmals eine mit dem Coronavirus infizierte junge Frau ein Baby zur Welt. Alle aktuellen Infos im kostenfreien Corona-Liveblog .

„Mathilda Louise geht es gut, sie hat gerade getrunken“, sagt die 21-jährige Mutter am Telefon. Zwei Tage nach der Geburt konnten sie und ihre Tochter aus der Klinik entlassen werden. Nun befinden sie sich in häuslicher Quarantäne. Zeit, auch zur Erholung und zum Rückblick. „Es waren turbulente Tage, zunächst verbunden mit einem Schock“, erinnert sich die Schernbergerin, die ihren Namen nicht nennen möchte.

Bewährungsprobe für die Klinik

Mädchen im Mutterleib „zieren“ sich bekanntlich. Der Entbindungstermin war überschritten. Die Schwangere fuhr zu ihrer Wunschklinik nach Sondershausen, wo die Geburt eingeleitet werden sollte. Vor der stationären Aufnahme: ein Corona-Schnelltest, dem jeder neue Patient unterzogen wird. „Alles nur Routine, dachte ich. Zumal ich kein Fieber hatte, keine anderen Symptome. Dann das Ergebnis: positiv!“, schildert die Mutter. „Das schreckt auf, ich war in Gedanken ja schon bei der Geburt.“

Eine Bewährungsprobe entwickelte sich daraus für die Klinik. „Das Konzept stand, angesichts der Lage, schon länger. Nun mussten wir rasch handeln“, sagt Chefarzt Meschkat. Die Patientin wurde isoliert. Derweil richtete das Klinikpersonal innerhalb einer knappen Stunde einen separierten zusätzlichen Kreißsaal her, mit Schleusensystem und speziellen Hygiene-Anforderungen ausgestattet. Der Erfahrungsaustausch mit anderen KMG-Kliniken und die regelmäßigen Telefonkonferenzen der Chefärzte aller Thüringer Kliniken hätten sich gelohnt, so Meschkat.

Bange Frage: „Ist das Kind auch positiv?“

So konnte die Geburt eingeleitet werden. Wermutstropfen: Der angehende Vater konnte nicht, wie es eigentlich geplant war, dabei sein. Oberarzt Sebastian Schröder, Hebamme Sophie Hagedorn und Hebammenschülerin Vanessa Kühnemund arbeiteten mit speziellen Schutzanzügen, Masken, Gesichts-Plastikschutzschildern, Hauben, Spezialschuhen und verhalfen Mathilde Louise trotz all der Umstände sicher auf die Welt.

Auch die Mutter trug bei der Geburt zunächst eine FFP2-Maske. „Aber man soll Joggern auch nicht zumuten, so verpackt auf den Brockengipfel zu laufen“, vergleicht Meschkat. Heißt: Als die Anstrengungen größer wurden, durfte die Frau ohne Maske Luft holen. Als „weitgehend unproblematisch“ stuften sowohl Arzt als auch Mutter die Geburt ein. Ihre bange Frage danach lautete aber: „Ist das Kind auch positiv?“ Aufatmen: Das konnte nach einem Schnelltest verneint werden. „Die Wahrscheinlichkeit, sich im Mutterleib zu infizieren, liegt bei einem Prozent“, sagt Meschkat und beruft sich auf Erfahrungen von gut 500 Corona-Geburten deutschlandweit.

Mutter und Kind wurden danach, gemeinsam, wieder isoliert im Klinikum untergebracht. „Beide zu diesem Zeitpunkt zu trennen, würde der Mutter-Kind-Beziehung absolut schaden“, betont der Chefarzt. Keineswegs würde Meschkat auch empfehlen, das Stillen zu unterlassen. Das Risiko einer Infektion durch die Muttermilch sei nach bisherigen Erkenntnissen ebenso minimal. Aber einen Mundnasenschutz für die Mutter beim Stillen empfiehlt er schon, wie auch alle anderen üblichen Aha-Regeln: Abstand, Hygiene, Alltagsmaske.

Hebamme kümmert sich via Videotelefonie um Mutter und Baby

Der Vater konnte nach zwei Tagen die beiden aus der Klinik abholen, durch einen separaten Hintereingang. Nun sind er und das Kind als „Kontaktpersonen“ daheim mit der Mutter. Beide weiterhin negativ getestet. Hebamme Wendy Lange kümmert sich via Videotelefonie nachsorgend um Mutter und Baby, gibt Tipps. „Sie ist im Chat zu jeder Zeit auch zwischendurch erreichbar, sie macht das toll“, lobt die junge Mutter. Es ist ihr erstes Kind. Und die junge Familie sehnt sich nach all dem Stress nach einem „ruhigen, normalen Advent“, einem „besinnlichen gemeinsamen Fest“.

Der separierte Kreißsaal im Klinikum bleibt derweil eingerichtet und einsatzfähig. Laut Chefarzt Meschkat steht zwar keine weitere Corona-Geburt unmittelbar bevor. Doch angesichts der Lage müsse man jeder Zeit damit rechnen.

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