Nach Besuch im Kanzleramt: Junger Südharzer geigt Ministerin und Merkel die Meinung

Elende.  Nach Kabinettsbeschluss über Jugendstrategie des Bundes fühlt sich ein 19-Jähriger aus Elende durch die große Politik instrumentalisiert.

Auf seiner Internetseite wirbt das Bundesfamilienministerium mit einer Schar junger Leute für die jüngst beschlossene Jugendstrategie. Doch Lars Englert - einer der Abgelichteten aus Elende - fühlt sich beim Werdegang des Maßnahmepakets nicht ausreichend mitgenommen.

Auf seiner Internetseite wirbt das Bundesfamilienministerium mit einer Schar junger Leute für die jüngst beschlossene Jugendstrategie. Doch Lars Englert - einer der Abgelichteten aus Elende - fühlt sich beim Werdegang des Maßnahmepakets nicht ausreichend mitgenommen.

Foto: Peter Cott

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„Wir wollen junge Menschen für Politik interessieren und für Demokratie begeistern – und gemeinsam gute Jugendpolitik wirkungsvoll gestalten.“ Dieser Satz des Bundesfamilienministeriums dürfte Lars Englert mittlerweile wie Hohn vorkommen. Vor allem das Wort „gemeinsam“ darin. Die Worte stammen aus der Jugendstrategie, die Anfang der Woche das Kabinett in Berlin verabschiedet hat. Und bei deren Entwicklung „junge Menschen als Experten in eigener Sache beteiligt“ worden seien, wie Franziska Giffeys (SPD) Familienministerium auf seiner Internetseite schreibt.

Die Familienministerin würde wohl auch Lars Englert, den 19-jährigen Studenten der Rechts- und Politikwissenschaften aus dem kleinen Elende, als Experten bezeichnen. Warb er doch im Sommer nicht nur als Bundesfreiwilliger mit einer Wohnwagentour durch Thüringen für Demokratie, sondern saß Anfang der Woche auch mit Kanzlerin Angela Merkel und Franziska Giffey bei einer Präsentation der künftigen Strategie im Bundeskanzleramt. Viele junge Menschen wie er hatten zuvor bei Formaten wie den „JugendPolitikTagen“ Empfehlungen für die Regierung erarbeitet, die in die Strategie einfließen sollten. 100 von ihnen durften dann für finale Gespräche in die Bundeshauptstadt. „Wie die Auswahl vonstatten ging, leuchtet mir aber nicht ein“, ärgert sich Englert über das Vorgehen des Kanzleramtes.

Und mehr noch: Welche Ratschläge der Jugendlichen tatsächlich in dem 150-seitigen Papier mit 163 Maßnahmen in neun Handlungsfeldern gelandet sind, das weiß Englert bis heute nicht. Am Vorabend des Kabinettsbeschlusses, dem 2. Dezember, seien die Jugendlichen im Berliner Maritim-Hotel zusammengekommen. „Da der Programmpunkt am folgenden Tag im Bundeskanzleramt als ‘Diskussion zur Jugendstrategie’ aufgeführt war, haben wir eine inhaltliche Vorbereitung, etwa durch einen Entwurf des Strategiepapiers, erwartet“, erklärt Englert den Werdegang seiner Verärgerung.

Kommunikation war „nullkommanull konkret“

„Dies war aber nicht der Fall.“ Stattdessen habe man der 100-köpfigen Arbeitsgruppe nur einzelne Punkte der Jugendstrategie im Voraus zur Verfügung gestellt, konkrete Maßnahmen fehlten allerdings vollends. „Das war nullkommanull konkret“, echauffiert sich Englert. Trotzdem hätten sich schon am Folgetag zwei Sprecher der Jugendgruppe mit einem Pressestatement zur Strategie äußern sollen.

Unter diesen Voraussetzungen, schließt Englert seine Kritik, könne er mit einigen anderen der Gruppe die Jugendstrategie nicht gutheißen. Aus dem Familienministerium wird das freilich anders kommuniziert: Wer die Jugendstrategie im Internet recherchiert, findet auf der Ministerienseite ein Gruppenbild der teilnehmenden Jugendlichen, sie stehen auf einer großen Treppe hinter Merkel und Giffey. Auch Englert ist darauf zu sehen, keinen Meter schräg hinter der Familienministerin. „Symbolisch stehen wir damit hinter der Strategie“, interpretiert Lars Englert das Bild und fühlt sich instrumentalisiert. Wie könne er hinter etwas stehen, das er nicht kennt? Und genau dem wolle er entgegenwirken: Der junge Mann aus Elende fordert nun öffentlich eine Klarstellung der Kanzlerin und ihrer Ministerin.

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