Wegen Nitratbelastung: Vier Jahre lang Wasser aus Trinkflaschen

Großwechsungen.  Familie Theiler aus Großwechsungen hat den langen Kampf um einen neuen Trinkwasserbrunnen erfolgreich abgeschlossen.

Kathrin und Mario Theiler stoßen mit frischem Leitungswasser auf ihren neu gebohrten Brunnen am Schern an.

Kathrin und Mario Theiler stoßen mit frischem Leitungswasser auf ihren neu gebohrten Brunnen am Schern an.

Foto: Marco Kneise

Familie Theiler ist glücklich. Die Anlieger am Schern verfügen seit Kurzem wieder über sauberes Trinkwasser. Die Zeit der Plasteflaschen und des Wasserfasses ist endgültig vorbei. Dank eines neuen, 31 Meter tiefen Brunnens, der das saubere Wasser seit Anfang Dezember 2020 liefert.

„Unser alter Brunnen mit dem nitratbelasteten Grundwasser ist am 9. September des vergangenen Jahres versiegt“, berichtet Mario Theiler. Dann habe alles funktioniert „wie ein gutes Länderspiel“, so der Südharzer. Bis zum 30. September musste der Antrag auf den Bau eines neuen Brunnens in Erfurt bei der Umweltbehörde vorliegen. Nach der Genehmigung habe die Bohrfirma HGT aus Nordhausen am 13. November mit dem Bau begonnen. Die erste Probeentnahme sei am 23. November erfolgt, das positive Ergebnis des Gesundheitsamtes lag am 3. Dezember vor.

„Unser Nitratgehalt lag bei 41 Milligramm pro Liter Wasser, der Grenzwert beträgt 50 Milligramm“, erklärt Theiler. Im Juni 2016, als die viereinhalbjährige Geschichte des belasteten Trinkwassers begann, hatte dieser Wert bei 96 Milligramm gelegen. „Jetzt ist wieder alles schick und schön, jetzt wohnen wir wieder und hausen nicht mehr“, ist der Mitarbeiter einer Baufirma froh.

Harte Zeit für die Familie ist vorüber

Familie Theiler hat eine harte Zeit hinter sich. Auf dem Höhepunkt des Trinkwasserstreites hatte im Januar 2018 auch der MDR über das Schicksal der Südharzer Familie berichtet. Mit den Auswirkungen befasste sich sogar der Thüringer Landtag. „Die seit Jahren bestehenden Probleme mit der Trinkwasserversorgung in der Siedlung Schern sollen im Ergebnis eines langwierigen Petitionsverfahrens über eine neue Förderrichtlinie gelöst werden.“ Dies teilte der Petitionsausschuss des Thüringer Landtags nach seiner Sitzung am 20. Februar 2020 mit. Die Bewohner der Siedlung, die nicht an die zentrale Trinkwasserversorgung angeschlossen sind, hatten sich mit der Bitte um Hilfe an den Petitionsausschuss gewandt, weil das Wasser mit Nitrat belastet und nicht als Trinkwasser verwendet werden darf. Der Wasserverband Nordhausen lehnte aus Kostengründen einen Anschluss an sein Trinkwassernetz ab.

Im Ergebnis einer offenen Anhörung vor Ort im September 2018 mit allen Beteiligten wurde die Petition an den Umweltausschuss der Landesregierung weitergeleitet, um eine Lösung zu finden. Als Resultat stand am Ende eine neue Förderrichtlinie für trinkwassertechnische Anlagen, die am 1. Januar 2020 in Kraft trat. So können diese Anlagen mit bis zu 85 Prozent von der Thüringer Aufbaubank gefördert werden. Davon machte auch Familie Theiler Gebrauch. „Der neue Brunnen plus Hochleistungspumpe hat etwa 26.000 Euro gekostet. Davon hat das Land 21.500 Euro übernommen, wir sind mit 4500 Euro beteiligt“, berichtet Theiler. Voraussetzung ist der Einbau einer vollbiologischen Kläranlage, damit keine Verunreinigung des Grundwassers auf dem Grundstück auftreten kann. Hier hat der Abwasserzweckverband Goldene Aue die Familie gut unterstützt.

„Damit ist der Weg frei für alle Thüringer, die nicht zentral angeschlossen sind“, freut sich Theiler und verweist auf etwa 150 weitere Betroffene im Einzugsgebiet des Nordhäuser Wasserverbandes. Zwei davon befinden sich in der Siedlung Schern, die ihre Anträge in diesem Jahr stellen wollen. „Damit haben wir Neuland betreten, und das alles wegen unseres Falles“, sagt der Südharzer. Seine Frau Kathrin und er wollen sich bei der Landesregierung, der SPD-Umweltexpertin Dagmar Becker, Werthers Bürgermeister Hans-Jürgen Weidt (parteilos), dem Landratsamt, dem Geologen Horst Fitzenreiter und der Aufbaubank für ihre Hilfe bedanken.

Der lange Weg zum sauberen Trinkwasser in Daten:

Juni 2016 Beprobung des Brunnenwassers durch das Nordhäuser Gesundheitsamtes mit Untersagung zur Nutzung als Trinkwasser
danach Vorsprache beim Bürgermeister, der Wasserverband lehnt Zuständigkeit wegen seiner Satzung ab
August 2016 Einreichung der Petition beim Thüringer Landtags
Dezember 2017, Januar 2018 Berichte in der Presse und im Fernsehen
September 2018 Vorort-Termin mit Petitionsausschuss ohne Lösung
2019 Erarbeitung der Förderrichtlinie für trinkwassertechnische Anlagen
Januar 2020 Inkrafttreten der genannten Förderrichtlinie
September 2020 Versiegen des alten Brunnens von Familie Theiler
November 2020 Errichtung des neuen Trinkwasserbrunnens
3. Dezember 2020 Positives Ergebnis der Wasserprobe und sauberes Trinkwasser