Neuer Chefarzt der Neurologie in Nordhausen als Impulsgeber und Außenminister

Nordhausen  Daniel Bittner kommt vom Magdeburger Universitätsklinikum nach Nordhausen und will Behandlung von Parkinson und MS optimieren.

Daniel Bittner ist seit vier Wochen neuer Chefarzt der Neurologie am Südharz-Klinikum. Die Stadt Nordhausen – hinter ihm durch ein Kerwitz-Gemälde in Szene gesetzt – hat er seitdem als sehr offene Stadt kennengelernt.

Daniel Bittner ist seit vier Wochen neuer Chefarzt der Neurologie am Südharz-Klinikum. Die Stadt Nordhausen – hinter ihm durch ein Kerwitz-Gemälde in Szene gesetzt – hat er seitdem als sehr offene Stadt kennengelernt.

Foto: Peter Cott

„Neurologie ist die Schlüsselmedizin des 21. Jahrhunderts.“ Derart selbstbewusst lautete vor fast genau zwei Jahren die zentrale Botschaft des Präsidenten der Deutschen Gesellschaft für Neurologie zum Auftakt des Neurologiekongresses vor mehreren Tausend Gästen. Immerhin biete diese Wissenschaft Lösungen für Volkskrankheiten und hocheffiziente Therapien für schwere chronische Krankheiten, hieß es damals. Und im Südharz-Klinikum ist man noch immer davon überzeugt, es hier mit einem wichtigen Zweig medizinischer Versorgung zu tun zu haben: Nach nur dreimonatiger Vakanz auf dem Posten hat das kommunale Krankenhaus mit Dr. Daniel Bittner nun einen neuen Chefarzt für die Neurologie einstellen dürfen.

Die Erwartungen an den 49-Jährigen dürften keine geringen sein, wie sich im Gespräch mit Klinikums-Geschäftsführer Guido Hage erfahren lässt: „Die Neurologie ist immer ein existenzielles Thema, nicht nur bei Schlaganfällen“, sagt er.

Daniel Bittner bringt die Erfahrungen gleich mehrerer Kliniken mit nach Nordhausen: Geboren in Berlin, verschlug es den Mediziner zunächst zum Studium nach Tübingen. Über Ulm ging es schließlich für die vergangenen 13 Jahre nach Magdeburg, zitiert Daniel Bittner aus seiner Vita. Hier habe er sich schwerpunktmäßig mit neurologischen Themen rund um Demenz und Gedächtnisstörungen befasst, habe bei einer sogenannten Gedächtnissprechstunde am Magdeburger Universitätsklinikum mitgewirkt, berichtet Daniel Bittner.

Warum von der Universitätsklinik einer Landeshauptstadt in ein kommunales Krankenhaus auf dem Land? Daniel Bittner denkt nicht lange nach bei dieser Frage: Als Oberarzt frage man sich mitunter, wie es weitergeht. Wie die Weiterentwicklung aussieht, persönlich wie auch medizinisch. „Ich finde die Aufgabe reizvoll, einem Kernproblem der Medizin aktiv entgegenzuwirken und mitzugestalten. Nordhausen bietet mir die Möglichkeiten dazu.“

Ärztemangel durch Leitung begegnen

Mit dem Kernproblem meint er die Personalsorgen, die nun nicht mehr nur Landarztpraxen, sondern ganze Abteilungen in Krankenhäusern betreffen. Die Klinken der nahen Krankenhäuser in Halle und Jena wolle er putzen, um motivierte Mediziner in die Stadt zu locken. Guido Hage glaubt, dass das gelingen kann: Gute Leute locke man mit guter Leitung in den Stationen, so etwas spreche sich herum. Und Bittner traut er das offensichtlich zu.

Auch die Vielfalt an Behandlungsmöglichkeiten der Neurologie könnte fortan weitere Ärzte locken, ist Hage sicher. Bittner soll sich deshalb vermehrt um Themen wie die Neurodegeneration bei Parkinson oder Multiple Sklerose bemühen. „Anders als bei Schlaganfall-Behandlungen waren wir da bisher noch nicht optimal aufgestellt“, weiß Matthias Brucke, Chefarzt in der Neurochirurgie sowie medizinischer Geschäftsführer.

Brucke und Bittner werden bald häufiger miteinander zu tun bekommen. Wie mit der Augenheilkunde, der Inneren Medizin oder der Radiologie gebe es viele Schnittmengen zwischen Neurologie und Neurochemie. Ein solches Netzwerk zwischen den Abteilungen sei wichtig für eine optimale Behandlung, erläutert Hage, der Daniel Bittner daher als eine Art Außenminister und Impulsgeber versteht. Bei Brucke hat der neue Chefarzt dahingehend offensichtlich erste Erfolge erzielt: Aus Magdeburg brachte er seine Kenntnisse im Bereich der Tiefenhirnstimulation mit, die beispielsweise zur Linderung von Parkinson zum Einsatz kommt, die die nötige Tablettendosis dezimieren kann. Brucke nahm diesen Vorschlag gern an. „Technisch sind wir dazu in der Lage.“ Nur der entsprechende Mann habe bisher gefehlt, sagt der Geschäftsführer Guido Hage. Auf das Stichwort Technik und Ausstattung angesprochen, erlebt man einen begeisterten Bittner: „Da ist das Südharz-Klinikum auf dem allerbesten Stand, allein was die Radiologie angeht“, gerät er ins Schwärmen, so wie er kurz darauf über Nordhausen schwärmt. Die Menschen seien sehr zugänglich. Auf seiner Acht-Betten-Station und in der ganzen Umgebung sei er toll aufgenommen worden. Dass der Vater von vier Söhnen seine Familie nachholt, dürfte damit ein Stück realistischer sein. Vielleicht finde ja seine Frau – eine Neuropsychologin – auch eine Anstellung, überlegt er, während Hage und Bruche sich verschwörerisch grinsend zunicken.

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