Neuer Verband will bei Mitarbeitern nachrüsten

Nordhausen.  Vier Flussarbeiter sollen sich um Südharzer Gewässer kümmern. Die Bilanz nach neun Monaten sei positiv.

Kai-Michael Urspruch (links) ist Geschäftsführer des Gewässerunterhaltungsverbandes Helme/Ohne/Wipper. Anett Ast und Robert Kühn arbeiten in der Nordhäuser Geschäftsstelle des Verbandes.

Kai-Michael Urspruch (links) ist Geschäftsführer des Gewässerunterhaltungsverbandes Helme/Ohne/Wipper. Anett Ast und Robert Kühn arbeiten in der Nordhäuser Geschäftsstelle des Verbandes.

Foto: Hans-Peter Blum

Die Gewässerunterhaltung ist ein wichtiges Thema in den Gemeinden des Südharz. Dazu nur ein Beispiel. „Wir haben die Zwangsrekrutierung in einen Gewässerunterhaltungsverband immer kritisch gesehen, sind deshalb 2016 aus dem Verband Harzvorland ausgetreten“, sagt Hans-Jürgen Weidt (pl), Bürgermeister von Werther. Ebenso kritisch sei die Übernahme der Kosten durch das Land. „Da stellte sich uns stets die Frage, ob diese Kosten wirklich übernommen werden“, so Weidt.

Die Gemeinde Werther hatte für die Unterhaltung der Gewässer zweiter Ordnung eine Umlage von etwa 60.000 Euro im Jahr zu zahlen, die sich von Jahr zu Jahr erhöht habe. „Da wirkte die Nachricht, dass das Land die Finanzierung komplett übernehmen will, wie Ostern und Weihnachten an einem Tag“, meint Weidt mit einem Schmunzeln.

Natürlich sei die Lösung mit der Neugründung von 20 Gewässerunterhaltungsverbänden in Thüringen erst einmal eine gute Sache. „Die Größe des Verbandes Helme/Ohne/Wipper mit 38 Mitgliedskommunen und einer Fläche von 1200 Quadratkilometer stellt aber schon ein Problem dar“, findet Weidt. Damit verbunden sei die Frage, ob alle Gewässer überhaupt abgearbeitet werden können, gibt er zu bedenken.

Nach ersten Anlaufschwierigkeiten hat dieser Verband im Februar dieses Jahres mit der Geschäftsstelle in Nordhausen seine Arbeit aufgenommen. „Ich bin erst einmal positiv überrascht“, beschreibt Weidt seine ersten Erfahrungen mit dem Verband. Dort werde auf der Grundlage eines Gewässerplans eine engagierte Arbeit geleistet. Das Problem der Unterfinanzierung bleibe jedoch bestehen, so der Bürgermeister.

„Es ist klar, dass innerhalb von neun Monaten noch nicht alle Probleme behoben werden konnten“, sagt Kai-Michael Urspruch, der Geschäftsführer des Gewässerunterhaltungsverbandes. Die Arbeit sei aber laut der Resonanz in vielen Gemeinden gut angelaufen. In der Zusammenarbeit mit den Kommunen seien alle Unterhaltungsmaßnahmen detailliert aufgenommen und in einem Gewässerunterhaltungsplan hinterlegt worden. „Diese werden nach und nach abgearbeitet“, warb er um Verständnis bei jenen Gemeinden, denen es nicht schnell genug gehe.

„Die Geschäftsstelle ist arbeitsfähig, wird sind gut aufgestellt“, betont Urspruch. Denn ein weiterer Mitarbeiter sei noch neu hinzugekommen. „Wir sprechen auch mit dem Forst und den Landwirtschaftsbetrieben, um uns abzustimmen und die Arbeiten zu koordinieren“, fügt er hinzu.

Von Februar bis November habe der Verband bereits 500.000 Euro ausgegeben. 600.000 Euro stehen als Budget für 2020 zur Verfügung. Damit werden Maßnahmen an Firmen wie etwa GAI aus Niedersachswerfen vergeben. „Das Limitierende ist nicht die planerische Leistung, sondern das Arbeitsvolumen bei den Auftragnehmern, das enorm gewachsen ist“, verdeutlicht Urspruch.

Reicht das vom Ministerium ausgegebene Geld aus? „Unsere Zuweisung ist um etwa 50 Prozent höher als die Mittel, die früher vergeben wurden“, zieht er einen Vergleich. Es stehe heute definitiv mehr Geld zur Verfügung.

„Wir wollen aber unsere Effizienz weiter steigern und deshalb vier Flussarbeiter in einer Verbandsmeisterei beschäftigen“, kündigt der Geschäftsführer an. Diese würden dem Verband eine größere Flexibilität verleihen, um zum Beispiel auf Schadensereignisse wie Hochwasser schnell reagieren zu können. Bis zu 20 Prozent der Arbeiten sollen über die neue Meisterei erledigt werden, die im ersten Quartal 2021 ihre Arbeit aufnehmen wird.

Ein Termin für die im Oktober abgesagte Verbandsversammlung soll schnellstens gefunden werden. Damals lag die Bestätigung des Wirtschaftsplans durch das Ministerium noch nicht vor.