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Neues Maximator-Werk für Wasserstofftankstellen-Bau

Nordhausen  Ende 2020 soll die Produktion an der Darre am dritten Nordhäuser Standort starten. Aktuell hat Maximator rund 400 Beschäftigte.

Lukas Fröhling, Ingenieur für Hochdruckprüfanlagen, testet mit seinen Kollegen derzeit die Technologie der ersten in Nordhausen entstandene Wasserstofftankstelle. In wenigen Monaten soll diese ausgeliefert werden. Die Stadt Wuppertal will sie an ihrer Müllverbrennungsanlage einsetzen.

Foto: Kristin Müller

Die Zahlen stehen für den zähen Start: Gerade einmal 71 Wasserstoff-Tankstellen sind bundesweit in Betrieb, 500 Autos fahren mit Brennstoffzelle. „Das muss sich ändern“, sagt René Himmelstein kampfeslustig. Beim Nordhäuser Hochdruckspezialisten Maximator ist er Vize-Präsident und in Sachen Wasserstoff der Kopf.

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So obliegt ihm es am Montag, von den großen Investitionsplänen des Mittelständlers zu berichten: „Wir werden eine neue Fertigung bauen.“ Maximator braucht Platz, um Wasserstoff-Tankstellen in Serie für Deutschland und die Welt zu produzieren. Den gibt es im Gewerbegebiet an der Darre. Ziel ist, die neue Fertigung Ende 2020 in Betrieb nehmen zu können. Die Maximator Hydrogen GmbH als Tochterunternehmen ist gegründet, der Eintrag ins Handelsregister erfolgt. Das Land Thüringen hat Fördermittel in Aussicht gestellt.

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Das Werk an der Darre wäre der dritte Nordhäuser Maximator-Standort neben dem Stammhaus an der Langen Straße und der bestehenden Dependance in der Kyffhäuserstraße. Schon heute beschäftigt Maximator rund 400 Leute in der Rolandstadt, eine Aufstockung für das dritte Werk ist geplant. In den Bau von Wasserstoff-Tankstellen ist Maximator 2017 eingestiegen.

Das Wiener Tochterunternehmen Maximator Advances Technology übernimmt die Entwicklung, die Produktion geschieht im Südharz.

Himmelstein verweist auf einen Patentschutz für die Technologie zur Wasserstoffverdichtung, bei der die Dichtung vollautomatisch getauscht wird. „Bei Leckagen steht die Tankstelle ein bis drei Tage still, wenn die Dichtung von Hand ausgetauscht werden muss. Bei unserem Kompressor dauert das zwei, drei Minuten.“ Diese Entwicklung habe am Markt „für Furore gesorgt“. Ein Großauftrag von einem namhaften Energieunternehmen folgte. Über konkrete Stückzahlen mag Himmelstein noch nichts sagen. Nur so viel: „Unsere Kunden geben weltweit Gas, davon profitieren wir.“

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Der erste Tankstellen-Auftrag überhaupt wurde für die Stadt Wuppertal Ende 2018 akquiriert. Die in einer Müllverbrennungsanlage anfallende Abwärme soll hier zur Wasserstoffproduktion mittels Elektrolyse genutzt werden, um mit diesem Gas Busse emissionsfrei fahren zu lassen. „Zunächst geht es um zehn Busse, dann um 20, in einer dritten Ausbaustufe auch um Müllfahrzeuge“, erklärt René Himmelstein.

Zurzeit ist die Technologie für die Anlage in Wuppertal im Test, in wenigen Monaten soll sie ausgeliefert werden.

Das Thema Wasserstoff ist im Unternehmen derzeit noch in der Startphase, macht etwa sechs der rund 65 Millionen Euro Jahresumsatz aus und ist der Sektor mit den größten Wachstumspotenzialen. Davon ist Himmelstein überzeugt. Schon nächstes Jahr könnten 10 bis 20 Wasserstoff-Tankstellen in Nordhausen entstehen.

Die Pläne des Vize-Chefs beruhen nicht allein auf Hoffnungen, sondern auf Verhandlungen mit potenziellen Kunden. Dazu gehört auch ein Zusammenschluss von Tankstellenbetreibern, die in der Schweiz gemeinsam mit Hyundai eine wasserstoffbetriebene Lkw-Flotte mit 1000 Fahrzeugen für die Lebensmittelkonzerne Coop und Migros aufbauen wollen. „Wir hoffen, dass wir Hauptlieferant der nötigen Tankstellen werden.“ Der Wasserstoff soll dort mittels Wasserkraft gewonnen werden.

Himmelstein weiß: Die Chinesen und Koreaner holen aktuell bei der Entwicklung der Wasserstofftechnologie massiv gegenüber Europa auf. Das 170 Mitarbeiter zählende Maximator-Werk in China produziert auch längst Wasserstoff-Equipment für den inländischen Markt. „Wir in Deutschland können nur über Innovation und Qualität punkten.“

Für ein flächendeckendes Wasserstoff-Tankstellennetz in Deutschland bräuchte es etwa 1000 Tankstellen.

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