Neustädter Hospiz schafft Gästen ein Ersatz-Zuhause

Neustadt  Gesundheitsministerin Heike Werner (Linke) besucht das „Haus Geborgenheit“. Sie lobt vor allem die gute Vernetzung der Einrichtung.

Hans-Christoph Wisch zeigt Heike Werner das Hospiz.

Hans-Christoph Wisch zeigt Heike Werner das Hospiz.

Foto: Doreen Hotzan

Das Namensschild an ihrer Wohnungstür ist das einzige, was Rita Czerwinski als Erinnerung an ihr altes Zuhause aufgehoben hat. Nun ist die Seniorin schon seit über einem Jahr im Hospiz „Haus Geborgenheit“ in Neustadt zu Gast. Und sie fühle sich hier auch sehr wohl, versichert die 84-Jährige gegenüber Heike Werner (Linke).

Die Thüringer Ministerin für Arbeit, Soziales, Gesundheit, Frauen und Familie ist am Mittwochnachmittag auf Einladung des Hospiz-Teams nach Neustadt gekommen, um das Haus und die Arbeit vor Ort kennenzulernen. Leiter Hans-Christoph Wisch führt Heike Werner durch die Einrichtung und stellt ihr dabei auch Rita Czerwinski vor, die „schon am längsten hier ist und viele kommen und gehen sah“. Dass ihr hier jeder Wunsch erfüllt wird, schätzt die 84-Jährige besonders am „Haus Geborgenheit“, erzählt sie der Ministerin. Ob es um Milchsuppe geht oder um einen Friseurbesuch – das Hospizteam mache es möglich. „Es ist hier einfach familiär und nicht so kalt“, bringt es Rita Czerwinski auf den Punkt und vergisst dabei auch nicht hervorzuheben, dass sie es als Wertschätzung empfinde, in der Einrichtung zu sein. „Eine beeindruckende Frau“, lautet das Fazit der Ministerin nach dieser Begegnung.

Die Wünsche der Hospizgäste zu erfüllen, liege den Mitarbeitern der Einrichtung sehr am Herzen, betont Hans-Christoph Wisch. Egal, ob es um eine letzte Quad-Tour geht oder darum, noch einmal ein Spiel seiner Lieblingsfußballmannschaft zu sehen. Zudem macht er aber auch deutlich, dass sich das Hospiz nicht als Ort des Sterbens sehe. „Die Leute kommen hierher, um zu leben“, so der Hospiz-Leiter. Und der Allgemeinmediziner André Haas, der die Gäste der Einrichtung betreut, ergänzt: „Hier tritt die Medizin ein Stück weit zurück. Das Hospiz ist ein Ersatz-Zuhause und kein Krankenhaus oder Pflegeheim.“

Zwölf Gäste finden in dem Haus, das es seit zehn Jahren gibt, Platz. „Pro Jahr kommen etwa 150 bis 180 Leute hierher“, erläutert Martin Montowski, Geschäftsführer der Diakonie-Krankenhaus Harz, zu der das Hospiz gehört. Vom Hospiz­Leiter erfährt Heike Werner zudem, dass es bei den Gästen eine gute Mischung zwischen Männern und Frauen gibt, aber derzeit mehr Männer zu Gast in der Einrichtung sind. Im Gespräch wird der Ministerin weiterhin vermittelt, dass das Hospiz gut vernetzt ist. Hier arbeiten der ambulante Hospizverein und die Palliativstation des Südharz-Klinikums in Nordhausen, aber auch die Spezialisierte Ambulante Palliativversorgung Apanor Hand in Hand. Heike Werner lobt diese Vernetzung, setzt auf einen Mix an Angeboten: „Nicht jeder will in ein Hospiz.“ Mit vielen Eindrücken geht es nach eineinhalb Stunden dann zurück nach Erfurt.

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