Nordhäuser sichern Wasserversorgung für Las Vegas

Nordhausen.  Das Unternehmen GWE pumpenboese liefert für über zehn Millionen Euro Brunnentechnik an den größten Stausee der USA.

Das Nordhäuser Unternehmen GWE pumpenboese lieferte für die Wasserförderung im Leak Mead bei Las Vegas solche Brunnenköpfe sowie tonnenschwere Pumpensteigrohre.

Das Nordhäuser Unternehmen GWE pumpenboese lieferte für die Wasserförderung im Leak Mead bei Las Vegas solche Brunnenköpfe sowie tonnenschwere Pumpensteigrohre.

Foto: Kristin Müller

Las Vegas drohte, das Wasser auszugehen. Trotz des größten US-amerikanischen Stausees vor der Haustür, dem Lake Mead. Von dort bekommen 40 Millionen Einwohner der Millionenmetropole und des Umlandes – Südnevada – 90 Prozent ihres Trinkwassers.

Die Speisung des Leak Mead war 2018 angesichts der schlimmsten Dürre aller Zeiten derart gering, dass die beiden Pumpensysteme nahezu im Trockenen lagen. Der Bau einer zusätzlichen Niedrigwasserpumpstation wurde initiiert. Ein spanischer Pumpenbauer bekam den Auftrag, ein Niedrigwasserpumpensystem zu errichten. Und der wiederum holte die Nordhäuser Spezialisten von GWE pumpenboese ins Boot.

Ihr Auftrag: Binnen eineinhalb Jahren bis Anfang dieses Jahres für alle 32 Pumpen aus Edelstahl die Brunnenköpfe sowie tonnenschwere Pumpensteigrohre fertigen. Eine Herausforderung in vielfacher Hinsicht: „Unsere Brunnenköpfe sind in der Regel etwa einen Meter groß. Diese sollten sechs bis acht Meter messen“, erklärt Werkleiter Dieter Richter. Auch die Qualitätsprüfung war aufwendig: „Jede Schweißnaht wurde geröntgt, um sicherzugehen, dass keine Pore offen ist, es zu Einschlüssen kommen kann.“

Brunnenbaugeschäftmit langer Tradition in Nordhausen

Der mehr als zehn Millionen Euro umfassende Auftrag für das gigantische Pumpenprojekt band etwa zehn bis 15 Prozent der Kapazitäten der Firma. Dass die Nordhäuser diesen bekamen, verwundert Werkleiter Richter nicht: „GWE ist europäischer Marktführer für Brunnenausbaumaterialien. Wir liefern nicht Standard, sondern packen an, wo andere die Arme heben.“

Zur GWE-Gruppe gehören außerdem Kunststoffwerke in Luckau und in Ungarn, ein Vertriebs- und Produktionsstandort in Chile sowie ein Werk in Polen, das Brunnenausbaumaterial aus Schwarzstahl vorwiegend für den osteuropäischen Markt produziert. Die Nordhäuser sind unternehmensintern ob ihrer spezialisierten Schweißtechnik und ihrer hohen Fachkompetenz bekannt, liefern Material für bis zu 800 Meter tiefe Brunnen.

Die Zahl der Kunden – vorwiegend Brunnenbauunternehmen – steigt, auch im Ausland: Der Exportanteil liegt aktuell bei etwa 20 Prozent. 70 Mitarbeiter zählt das hiesige Werk an der Rothenburgstraße. Zum Teil wird noch in denkmalgeschützten Hallen produziert: 1858 gründete hier Gustav Julius Anger sein Brunnenbaugeschäft. Pumpenboese war 1990 eine Ausgründung aus dem einstigen VEB Hydrogeologie Nordhausen.

Klimawandel sorgt dafür,dass der Pumpen-Markt wächst

In den vergangenen drei Jahren wurden am Standort rund 700.000 Euro investiert: in neue Drehmaschinen, in moderne Säge- und Schweißtechnik samt eines Schweißautomaten. Das steigerte die Produktivität. 2019 wurden rund 13 Millionen Euro erwirtschaftet. Nach dem milden Winter ist die Auftragslage und damit die Auslastung aktuell sehr gut.

Der Klimawandel und die damit verbundene zunehmende Wasserknappheit lassen den Pumpen-Markt wachsen, bescheren auch GWE Auftrieb. Davon zeugen auch Aufträge aus Lybien, dem Kongo oder Mauritius.

„In entlegenen Dörfern helfen Hand- oder Solarpumpen“, so Richter. In Kurzarbeit ist bei pumpenboese niemand. Zwar ist das Werk von ausländischen Lieferanten abhängig, doch ist Richter gelassen: „Wir haben rechtzeitig vorgesorgt. Unsere Bestände genügen fürs nächste halbe Jahr.“