Nordhäuserin experimentiert mit Nadel und Säure

Nordhausen  Ute Zyrus stellt ab Dienstag in der Kreissparkasse aus und öffnete am Wochenende ihr Atelier für Besucher.

Die Nordhäuser Künstlerin Ute Zyrus an der Druckerpresse in ihrem Atelier: Auch in diesem Jahr entstanden viele neue Werke wie die Grafik „Verwachsen“.

Die Nordhäuser Künstlerin Ute Zyrus an der Druckerpresse in ihrem Atelier: Auch in diesem Jahr entstanden viele neue Werke wie die Grafik „Verwachsen“.

Foto: Kristin Müller

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Urgroßmutters Zitronencremerezept sollte es sein. In Sütterlin hatte es die Vorfahrin aufgeschrieben, in spiegelverkehrtem (!) Sütterlin übertrug es Ute Zyrus auf eine Zinkplatte mit einer Nadel, und zwar in Schneckenform. Auf dass es Teil ihrer neuen Radierung „Zuhause“ werde.

Ab dem morgigen Dienstag ist die Grafik Teil ihrer neuen Ausstellung „Fragmente“ in der Kreissparkasse am Kornmarkt, die Werke der Jahre 2014 bis 2019 vereint. Trotz der Vorbereitungen für die Schau gewährte Ute Zyrus am Samstag gern Interessierten einen Einblick in ihr Atelier.

Ein Ort, den sie ihre „Oase“ nennt, in dem die hauptberuflich als Mathe- und Kunstlehrerin an der Lessingschule tätige Frau so viel Zeit wie möglich verbringt. Kunst zu schaffen, das ist seit mehr als vier Jahrzehnten ihre Leidenschaft. Seit 2002 lässt sie die Radierung nicht mehr los.

Ute Zyrus zeigt eine ihrer ersten Arbeiten, kinderhandtellergroß: „So klein... Da waren meine Augen noch besser“, sagt sie und lacht. Längst ist ihr Atelier in der Kranichstraße zu klein, um ihre großformatigen Werke an die Wand zu bringen. Nicht nur vier, sondern bis zu elf Platten druckt sie übereinander. Ein einzelner Druckvorgang kann schon eine Stunde dauern, aber Scheu vor dem Aufwand hatte Zyrus noch nie.

Nicht das Ergebnis, sondern der Weg zur fertigen Radierung sei das Reizvolle: „Die Technik ist für mich noch nicht voll ausgeschöpft.“ Sie hat das Experimentieren mit Nadel, Druckplatte und Säure lieben gelernt. Sie schwärmt von Flächenätzungen, der Technik des Mezzotinto, um Textilstrukturen zu erzeugen, erzählt vom Säurespritzen und interessanten Effekten. Ja, selbst Steine habe sie schon auflösen können: durch Überätzungen. Vor Jahren schon entstand so ein sechs Bilder umfassender Zyklus. Nun hat sie eine der alten Druckplatten hervorgeholt, daraus eine Bootsform gesägt für ein neues Werk – es ist das Recycling einer Grafikerin.

Waren es anfangs einfache rechteckige Druckplatten, so sind es heute freiere Formen, mit denen sie experimentiert. Auch in der neuen Schau zeugen einige Werke davon: „Zuhause“ ebenso wie „Verwachsen“ (für das sie das Gerippe eines Kaktusblatts auf eine Radierplatte drückte), „Blattschaukel“ oder „Charon‘s leise Fracht“, entstanden schon 2016. Was die Bilder eint, ist die Dominanz der Farben Grün und Blau, ist die Natur als Quelle der Inspiration, ist die Beschäftigung mit den Themen Balance, Werden und Vergehen.

Für ihren neuen Kalender nahm sie sich Albrecht Dürers „Großes Rasenstück“ vor, abstrahierte und variierte Ausschnitte dieses Aquarells. Nicht dieser Zyklus, dafür aber der von Nordhausens Altstadt ist auch in der neuen Schau zu sehen. Denn was die Nordhäuser lieben, weiß die Grafikerin.

Vernissage für die Ausstellung „Fragmente“ ist morgen um 18.30 Uhr in der Sparkasse am Kornmarkt. Zu sehen ist die Schau bis 15. November.

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