Nordhausen: Ehepaar Probst sagt Adieu mit Boutique und Elektrofirma

Nordhausen.  Marion Probst Modeboutique in Nordhausens Kranichstraße schließt Mitte Dezember. Kurz darauf will sich Ehemann Peter von seiner Elektrofirma in den Ruhestand verabschieden.

Marion Probst schließt Mitte Dezember ihre Boutique. Zuvor will sie sich bei einem Räumungsverkauf von der Stammkundschaft verabschieden. Ehemann Peter Probst hat danach nur noch zwei Wochen bis zum verdienten Ruhestand.

Marion Probst schließt Mitte Dezember ihre Boutique. Zuvor will sie sich bei einem Räumungsverkauf von der Stammkundschaft verabschieden. Ehemann Peter Probst hat danach nur noch zwei Wochen bis zum verdienten Ruhestand.

Foto: Peter Cott

Ein weiterer Aderlass für Nordhausens Gewerbe: Nach dem 15. Dezember zählt die Innenstadt ein zusätzliches verwaistes Schaufenster. Dann schließt Marion Probst ihre Modeboutique am Kornmarkt ein letztes Mal. Nach 28 Jahren. Mit Gerry Weber und Bonita ist das bereits der dritte Damenausstatter, der innerhalb kürzester Zeit ankündigt, die Segel zu streichen.

Für Probst sei letztlich die Coronakrise eine Entscheidungshilfe gewesen. „Die Unsicherheit ist zu groß“, reflektiert die 62-Jährige ein Jahr, in dem sie wegen der Pandemie im sonst umsatzstärksten Monat hätte schließen müssen. Nun fehle die klare Perspektive.

Nur zwei Wochen nach ihrem Schritt in den Ruhestand, Ende Dezember, wird ihr Ehemann Peter folgen. 20 Jahre lang war der Handwerksmeister mit seiner Firma für Elektroinstallationen selbstständig. „Aber mit 67 Jahren sollte man wohl an Rente denken“, sagt Peter Probst, der in Spitzenzeiten seiner Firmengeschichte fünf Angestellte an seiner Seite hatte.

Das Ehepaar biegt damit auf einem wendungsreichen Karriereweg in die Zielgerade. Vor der Wiedervereinigung nämlich ist an Selbstständigkeit bei beiden nicht zu denken. „Ich war 13 Jahre lang Gewandmeisterin am Nordhäuser Theater“, erinnert sich Marion Probst. Doch die vielen Veränderungen jener Jahre lassen die gelernte Schneiderin an Neues denken. Wie geht es weiter mit dem Schauspielhaus? „Ich war mir fast sicher, dass es schließen muss“, wiederholt sie ihren Antrieb von einst.

Ihr Mann lächelt derweil ein wenig traurig: Es sei für ihn der wohl schwerste „historische Irrtum“ gewesen, erzählt er. Peter Probst ist damals Elektromeister bei den Nordhäuser IFA-Werken. Um das Theater sei ihm ebenfalls bange gewesen. „Aber ein so großes Motorenwerk, war ich mir sicher, würde nicht geschlossen.“

Die Geschichte will es anders. Marion Probst eröffnet kurz darauf ihre Boutique „Mollig und schick“, damals noch in der Gumbertstraße. „Zehn Läden waren es in der Straße“, lässt sie das Geschäftsleben der damaligen Innenstadt Revue passieren. Mit ihrer Idee, kurvigere Frauen auszustatten, sei sie Anfang der 90er in eine Marktlücke gestoßen. „Erst später zogen die Kataloge nach.“

Das Geschäft muss sich daher neu erfinden. Zumal sich mit den folgenden Jahren nicht nur der Standort ihres Ladens ändert, sondern auch das modische Bewusstsein. Mit dem Umzug in die Kranichstraße im Jahr 2000 heißt ihr Laden daher „Marion P“ und stattet auch weniger kurvige Frauen aus. „Zwischen sportlich und schick“, nennt sie die Bandbreite ihrer Mode, die selbst der am weitesten gereisten Kundin aus Israel gefallen habe. Doch vor allem kommen Stammkunden, dankt sie all jenen Damen, von denen manche Marion Probst sicher auch noch in einer anderen Funktion in Erinnerung hat: Denn zwischen 1980 und 2004 sorgt sie als Hexe der Rolandgruppe für so manchen Lacher.

„Das war sicher die aufregendste Zeit meines Lebens“, erinnert sie sich an die Bühnenprogramme an der Seite von Jochen Napiralla und Winfried Schmitt.

Dass der Ruhestand für das Ehepaar Probst weniger aufregend wird, mag man kaum glauben. „Ich werde viel nähen“, sagt Marion Probst angesichts der Enkelin, die zu Halloween einen Feenhut braucht. Und in Haus und Garten gebe es obendrein zu tun, weiß Ehemann Peter, der ja auch den Nordhäuser Aquaristen noch als Vereinschef vorsitzt.