Nordhausen: Land zahlt sechs Millionen Euro für Hybrid-OP-Saal

Nordhausen.  Die Notaufnahme am Südharz-Klinikum stößt an ihre Kapazitätsgrenze. Das Unternehmen will deshalb 1,5 Millionen Euro in eine Erweiterung stecken.

Sechs Millionen Euro sagte das Land jüngst Klinikums-Geschäftsführer Guido Hage zu: Damit kann nun der erste Hybrid-OP-Saal gebaut werden.

Sechs Millionen Euro sagte das Land jüngst Klinikums-Geschäftsführer Guido Hage zu: Damit kann nun der erste Hybrid-OP-Saal gebaut werden.

Foto: Marco Kneise

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Die Krankenhauslandschaft in Thüringen ist im Umbruch, die Lage angespannt. Das Greizer Krankenhaus: ein Sanierungsfall angesichts von jährlichen Fehlbeträgen in Millionenhöhe. Der Klinikverbund Regiomed mit seinen 5500 Beschäftigten: in den roten Zahlen. Die Krankenhäuser Sondershausen, Sömmerda und Bad Frankenhausen: nach Insolvenz der DRK-Krankenhausgesellschaft an den KMG-Konzern verkauft.

Vor diesem Hintergrund stehe das Südharz-Klinikum positiv da, sagt Geschäftsführer Guido Hage. Und: „In puncto Ausstattung und Infrastruktur sind wir im Thüringen-Vergleich bestens aufgestellt.“ Mit dieser „extrem guten Basis“ könne man „gut die kommenden Probleme angehen“.

Jahresumsatz soll auf mehr als 150 Millionen Euro steigen

Hage deutet an, dass auch der Nordhäuser Maximalversorger vor Herausforderungen steht: Tarifsteigerungen und Pflegebudgets statt eine Finanzierung der Pflege über Fallpauschalen gehören dazu. Nicht zu vergessen der Wettbewerb um Patienten der Krankenhäuser in der Region untereinander. Für dieses Jahr weise der Wirtschaftsplan des kommunalen Unternehmens im Ergebnis eine schwarze Null aus, bei einem angepeilten Umsatzvolumen von rund 150 Millionen Euro – 2,5 Prozent mehr als 2019

„Selbst wenn wir Verluste schreiben würden, könnten wir diese durch Auflösung von Gewinnrücklagen ausgleichen – Grund zur Panik also bestünde auch dann nicht“, stellt Hage klar. Die vergangenen Jahre hatte das Südharz-Klinikum mit Gewinnen in niedriger einstelliger Millionenhöhe abgeschlossen.

Abläufe in Operationssälen sollen optimiert werden

Wie in der Vergangenheit will das Unternehmen nicht von der Substanz zehren, sondern investieren. Allein für Ersatzbeschaffungen, etwa von Computern oder Medizintechnik, sind 6,5 Millionen Euro eingeplant. Auf zusätzliche knapp neun Millionen Euro summieren sich weitere Vorhaben, darunter auch ein Computertomograph für das Radiologische Institut.

Hauptprojekt dieses und des nächsten Jahres soll die Erweiterung der chirurgischen Intensivstation von 14 auf 20 Betten sein, verbunden mit dem Umbau des größten der zwölf OP-Säle in einen Hybrid-OP. Das Südharz-Klinikum bekam eine Komplettfinanzierung durch das Land Ende vergangenen Jahres bewilligt, rund 6,1 Millionen Euro sind nötig. In dem Hybrid-OP wird der reibungslose Wechsel zwischen klassischen Operationen und kathedergeführten Eingriffen möglich – dank radiologischer Technik und entsprechender Strahlenschutzwände. Dies betrifft insbesondere die Gefäß- und auch die Neurochirurgie.

Der Hybrid-OP soll – im Gegensatz zum jetzigen Angiografiearbeitsplatz – direkt im Zentral-OP an die Sterilisation angebunden sein. „Die Abläufe werden dadurch deutlich optimiert“, blickt der Geschäftsführer voraus.

In Sachen Notfallversorgung hat das Südharz-Klinikum einen Spitzenplatz in der Region weit über die Kreis- und Landesgrenzen hinaus: Entsprechend des im vorigen Jahr eingeführten Notfallstruktursystems ist das Krankenhaus für die umfassende Notfallversorgung vorgesehen – so wie die Kliniken in Halle, Erfurt und Göttingen.

1,5 Millionen Euro für neue Schock- und Eingriffsräume

Kleinere Krankenhäuser im Umkreis indes haben oft gar keine Notaufnahme oder sind nur zur Basis- oder zur erweiterten Notfallversorgung da. „Aus den umliegenden Landkreisen werden mehr schwerkranke Patienten zu uns kommen“, prognostiziert Guido Hage deshalb. Nicht nur das: Wegen Personalmangels habe manch Krankenhaus auch schon ganz seine Notfallversorgung für einige Zeit abmelden müssen.

Das Südharz-Klinikum will deshalb für rund 1,5 Millionen Euro aus eigener Tasche seine Kapazitäten in der Notfallaufnahme verdoppeln, was vor allem die Zahl der Schock- und Eingriffsräume tangiert. „Nicht zuletzt kommen aufgrund der demografischen Entwicklung auch in die Notaufnahme immer komplexere Fälle“, begründet Geschäftsführer Hage die geplante Erweiterung.

Die Notfallaufnahme am Südharz-Klinikum versorgte 2019 rund 21.500 Patienten. Bereits 2017 und 2018 wurde der Wartebereich neu gestaltet und vergrößert, wurde ein krankheitsorientiertes Patientensteuerungssystem eingeführt.

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