Nordhausen: Schulen verzichten auf Präsenzunterricht für Abschlussklassen

Nordhausen  Kritik an neuer Landesverordnung aus der CDU. Schnelltests sind noch nicht eingetroffen.

Michael Kramer ist Ortsteilbürgermeister in Hesserode.

Michael Kramer ist Ortsteilbürgermeister in Hesserode.

Foto: Peter Cott / Archiv

Am Montag wurde der Corona-Lockdown auch in Thüringen verlängert und noch einmal verschärft. Es gibt aber eine kleine Ausnahme, an der sich nun Kritik entzündet. So heißt es in einem Schreiben des Thüringer Bildungsministeriums: „Ausgenommen von der Schulschließung sind nur die Schüler aus Klassen/Kursen, die im laufenden Schuljahr eine Abschlussprüfung ablegen. Unter Einhaltung der Hygienevorschriften wird für diese Schüler Präsenzunterricht zur Prüfungsvorbereitung angeboten. Dies gilt nur für die unmittelbare und dringend nötige Vorbereitung auf Abschlussprüfungen und beschränkt sich auf die Prüfungsfächer.“

„Der 7-Tages-Inzidenzwert liegt jetzt in Thüringen bei 314 und ist somit um 25 Prozent höher als noch Mitte Dezember, als er bei 251 lag. Und trotzdem sollen die Schüler der Abschlussklassen zum Präsenzunterricht erscheinen“, kritisiert Michael Kramer, Ortsbürgermeister des Nordhäuser Ortsteiles Hesserode und CDU-Mitglied. „Angesichts der Zahlen und der Ergebnisse der Bund-Länder-Gespräche zur Eindämmung der Corona-Pandemie ist dieses Vorgehen nicht nachvollziehbar und zeigt einmal mehr, dass zwischen Reden und Handeln in der Landespolitik tiefe Gräben der Vernunft liegen“, betont er.

Wie setzen die Schulen im Südharz die neuen Vorgaben um? „Es sind die Begriffe 'Prüfungsfächer' und 'unmittelbare und dringend nötige Vorbereitung auf Abschlussprüfungen', die uns Probleme verursachen“, sagt Andreas Trump, Schulleiter des Nordhäuser Herder-Gymnasiums. Die Schüler sollten nach Lesart des Ministeriums nur in den Fächern mit erhöhtem Anforderungsniveau zum Unterricht in Präsenzform erscheinen. In diesen werden nach Wahl des Schülers die schriftlichen Abiturprüfungen durchgeführt. In den anderen Fächern werden sie nach Wahl mündlich geprüft und sollten nicht erscheinen.

„Nach unserer Lesart sind aber alle Fächer außer Sport Prüfungsfächer“, so Trump. Weiter müsse die Meldung, in welchen Fächern sich der Schüler prüfen lassen möchte, laut Thüringer Schulordnung erst am 19. Januar erfolgen. „Wir hätten also für die nächsten 14 Tage die Schüler der Klasse 12 immer nur für wenige Stunden in die Schule 'gezwungen' und sie als auch die Kollegen einem erhöhten Infektionsrisiko ausgesetzt“, gibt Trump zu bedenken. „Die Schüler der Klasse 12 müssen in dieser Woche nur zweimal in der Schule erscheinen: am Montag zur Bekanntgabe der Seminarfach-Ergebnisse und am Freitag zur Zeugnisübergabe des ersten Halbjahres. Nächste Woche brauchen sie gar nicht erscheinen“, erklärt Trump.

Ganz ähnlich wird am Humboldt-Gymnasium in Nordhausen verfahren. „In dieser Woche sind nur die Nachschreiber von wichtigen Klausuren sowie am Freitag die Schüler zur Zeugnisausgabe in der Schule im Präsenzunterricht“, informiert der stellvertretende Schulleiter, Volker Vogt. Ansonsten bleiben die Schüler zu Hause im Homeschooling.

„Es widerspricht sich ja auch völlig: Wir haben derzeit die höchsten Inzidenzwerte und sollen die Schüler in den Präsenzunterricht zurückholen. Das ist Unsinn“, sagt Vogt.

Bildungsminister Helmut Holter (Linke) hatte zudem 100.000 Schnelltests für die Schulen in Aussicht gestellt. „Diese Tests sind noch nicht eingetroffen. Das ist ein Versprechen, was gar nicht eingehalten werden kann“, so der stellvertretende Schulleiter. Er setzt wie sein Kollege aus dem Herder-Gymnasium auf den Infektionsschutz, der zu Hause besser gewährleistet sei als in der Schule.