Nordhausens „Elbphilharmonie“: Chronik des schwierigen Bauvorhabens Feuerwache

Am Freitag soll die Feuerwache ihren Spatenstich feiern. Grund genug, in die lange und durch Streit geprägte Planung zu schauen.

Der Siegerentwurf des geplanten Baus aus einem Architektenwettbewerb stammt von den Architekten Dasch und Zürn. Er wurde im April 2017 präsentiert.

Der Siegerentwurf des geplanten Baus aus einem Architektenwettbewerb stammt von den Architekten Dasch und Zürn. Er wurde im April 2017 präsentiert.

Foto: Dasch und Zürn Architekten

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März 2012 Der Nordhäuser Bürgermeister Matthias Jendricke (SPD) stellt im Kreistag Pläne zum Bau der Feuerwache vor. Das Gebäude in der Zorgestraße soll 6,8 Millionen Euro kosten.

Mai 2013 Im Hauptausschuss des Stadtrats geht es erneut um die Feuerwache. Geschätzte Kosten: 7,7 Millionen Euro.

August 2013 33 Mädchen und Jungen müssen ihren Kindergarten in der Zorgestraße verlassen. Er soll wegen des Neubaus der Wache abgerissen werden.

November 2013 OB Klaus Zeh (CDU) stoppt die Planungen, „weil die Finanzierung unklar ist“. Er wolle „Alternativen und andere Varianten“ prüfen, sowohl für die Finanzierung als auch für den Standort.

Januar 2014 Im TA-Interview spricht Zeh von vier möglichen Standorten.

Februar 2014 Der Hauptausschuss gibt grünes Licht für 138 000 Euro an Planungsleistungen für den Neubau. Wobei die Frage nach dem Standort offen bleibt. Es soll weiter geprüft werden.

März 2014 Powertrain-Geschäftsführer Oliver Wönnmann bietet der Stadt an, den Bau an neuem Standort in der Rothenburgstraße zu finanzieren. Landrätin Keller sieht das skeptisch.

April 2014 Die FDP will den Beschluss, in der Zorgestraße zu bauen, aufheben. Die SPD will die Planung sofort in Auftrag geben. Die Debatte ist in voller Fahrt.

April 2014 Egon Primas, CDU-Fraktionschef im Kreistag, plädiert für eine Ansiedlung am BIC in Bielen.

Oktober 2014 Die Stadtspitze fährt nach Celle. Dort wurde eine Feuerwache mit Hilfe einer Privatfirma gebaut. Künftig werde man an solchen Finanzierungsmodellen kaum vorbeikommen, erklärt Klaus Zeh.

Mai 2015 Oliver Wönnmann erneuert sein Angebot.

September 2015 Matthias Jendricke, inzwischen Landrat, will die Wache an der Zorgestraße mit einer künftigen Rettungsleitstelle verbinden. Er schlägt vor, die kreiseigene Servicegesellschaft bauen zu lassen.

März 2016 Die Stadt prüft, ob sie das Feuerwehrzentrum auf dem Areal der früheren Kulturschmiede in der Rothenburgstraße errichten kann.

April 2016 Klaus Zeh kündigt an, bis Jahresmitte Klarheit zum Bau zu haben. Er betont, dass man die wirtschaftlichste Form finden will.

Juni 2016 Zeh verkündet, dass man doch in der Zorgestraße bauen will. Die Städtische Wohnungsbaugesellschaft soll dies ab 2018 tun. „In ihrer derzeitigen finanziellen Lage kann die Stadt das Projekt nicht selbst finanzieren“, erklärt Bürgermeisterin Jutta Krauth (SPD). Die private Finanzierung ist verworfen.

Juni 2016 Der Stadtrat votiert einstimmig für den Bau der Feuerwache. In diesem Fall, so die Bürgermeisterin, könne der Bau 2017 beginnen.

August 2016 Der Stadtrat beauftragt die SWG mit dem Bau. Die Bürgermeisterin schätzt die Bausumme auf 10 Millionen Euro.

Oktober 2016 Der Landkreis will sich außer bei den Pflichtaufgaben nicht mehr am Bau beteiligen und stattdessen später mit Räumen für den Katastrophenschutz nachziehen.

Oktober 2016 Für den Neubau soll ein europaweiter Architektenwettbewerb initiiert werden. Krauth: Der Wettbewerb ist nicht aufwendiger, langwieriger oder kostenintensiver als ein anderes Verfahren. Den ersten Spatenstich plant man nun für Frühjahr 2018.

Dezember 2016 72 Büros nehmen am Wettbewerb der Planer teil. Noch wird von Kosten von 10 Millionen Euro geredet.

März 2017 Das Büro Dasch und Zürn aus Stuttgart gewinnt den Architektenwettbewerb.

Juni 2017 Der Stadtrat stimmt der bestätigten Entwurfsplanung zu. Bau und Planungskosten werden nun auf 14,9 Millionen Euro brutto geschätzt. Hinzu kommen noch 1,5 Millionen Euro für die Ausstattung.

August 2017 Das Landesverwaltungsamt prüft, ob es sich beim Bau durch die SWG um ein kreditähnliches Rechtsgeschäft handelt oder, wie die Stadt es auffasst, lediglich um ein Mietverhältnis zwischen Stadt und SWG. Hintergrund ist, dass an die SWG Fördermittel fließen sollen.

November 2017 Dem Landesverwaltungsamt ist der Plan zu teuer, die Förderung sei erst bei neuem Kostenplan möglich. Das Landratsamt listet Einsparpotenziale auf.

April 2018 Um den Neubau endlich umsetzen zu können, akzeptiert das Nordhäuser Rathaus alle Vorgaben des Landratsamtes. Das Raumprogramm mit rund 4000 Quadratmetern wird wie gefordert um 488 Quadratmeter verkleinert.

Oktober 2018: Eine Ausnahmegenehmigung des Landes erlaubt Nordhausen einen Neukredit aufzunehmen, wenn die Kommune selbst Bauherrin ist. Die SWG überträgt alle Grundstücke zurück an die Stadt. Die Stadt will 13,1 Millionen Euro vom Land abfordern.

Juni 2019: Die Kommunalaufsicht im Landratsamt widerspricht dem Nordhäuser Haushalt, die Kreditaufnahme missachte das Gebot der Jährlichkeit, weil der Kredit (12 Millionen Euro sind beantragt) nicht mehr 2019 verbaut werden könne. Es kann nur ein Teilbetrag abgerufen werden.

Juli 2019: OB Buchmann rechnet durch den Widerspruch mit Verzögerungen um ein halbes Jahr. Die Erdarbeiten werden ausgeschrieben.

November 2019: Die Arbeiten durch die Nordhäuser Firma Waresa beginnen. Der Spatenstich erfolgt am 29. November.

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