Nordthüringer Werkstätten nehmen an Aktionstag teil: Rollentausch mit behinderten Menschen

Hans-Peter Blum
| Lesedauer: 3 Minuten
Im Rahmen eines Aktionstages für Menschen mit und ohne Behinderung tauscht Philipp Seeland von den Südharzwerken am Donnerstag den Arbeitsplatz mit einem Mitarbeiter der Werkstätten der Nordthüringer Lebenshilfe in Nordhausen. Hier beim Verpacken von sogenannten Balkenschuhen.

Im Rahmen eines Aktionstages für Menschen mit und ohne Behinderung tauscht Philipp Seeland von den Südharzwerken am Donnerstag den Arbeitsplatz mit einem Mitarbeiter der Werkstätten der Nordthüringer Lebenshilfe in Nordhausen. Hier beim Verpacken von sogenannten Balkenschuhen.

Foto: Marco Kneise

Nordhausen.  „Schichtwechsel“ in Nordhausen: Sechs Arbeitnehmer arbeiten einen Tag lang in den Werkstätten und umgekehrt.

Zum ersten Mal nahmen die Nordthüringer Werkstätten am Donnerstag am bundesweiten Aktionstag „Schichtwechsel“ teil. Acht Beschäftigte aus der Einrichtung tauschten ihren Arbeitsplatz mit normalen Arbeitnehmern aus fünf Nordhäuser Betrieben. Im Gegenzug arbeiteten sechs „Normalos“ einen Tag in den Werkstätten. „Es war faszinierend, mit so tollen jungen Menschen zu tun zu haben“, sagt Verena Veit. Die Mitarbeiterin der Nordhäuser Verkehrsbetriebe war im Bereich Montage/Verpackung eingesetzt und musste Plastesäcke für die chemische Industrie falten und verpacken. „Ich habe einen prima Einblick in die Arbeit der behinderten Menschen erhalten und kann jetzt besser einschätzen, was hier geleistet wird“, berichtet sie.

Luisa Hillemann vom Fachbereich Soziales im Nordhäuser Landratsamt arbeitete in der Wäscherei der Werkstätten. „Ich habe die Wäsche zusammengelegt, für den Ausgang verpackt, die Wäsche gescannt und einen Lieferschein erstellt“, beschreibt sie. „Ich war voll integriert und wurde gefragt, ob ich nicht jeden Tag kommen könnte“, berichtet sie. Das gehe natürlich nicht, aber sie könne sich eine Wiederholung des Tages gut vorstellen.

Tag wird von allen Teilnehmern als gelungen empfunden

Emilie Schaub aus der Produktionsleitung der Nordhäuser Firma AHN Biotechnologie hatte mit Kabelschellen für SAT-Anlagen zu tun. „Diese müssen richtig zusammengesteckt, in 10er-Tüten verpackt und für den Versand etikettiert werden“, schildert Schaub. Die Arbeit sei ungewohnt, aber die Kollegen hätten ihr sofort geholfen und gut ins Team aufgenommen. Sie würde gern wiederkommen oder jemand anderen aus ihrer Firma schicken, damit dieser die Arbeit in den Werkstätten kennenlernen könne.

Auch drei in den Werkstätten Beschäftigte gaben Einblick in ihre Tätigkeit. „Ich war bei der SWG und habe dort in der Abrechnungsabteilung gearbeitet“, sagt Dirk Hamel. Der Rollstuhlfahrer habe den Arbeitsplatztausch als sehr informativ empfunden. „Der dortige Einsatz hat meine Sichtweise auf die Wohnungswirtschaft verändert und die vorhandenen Probleme offengelegt“, berichtet er. Den Aktionstag hält Hamel für sehr gelungen. „Ich würde das gern noch einmal machen“, betont er.

Stefan Michelfelder hat in der Poststelle des Landratsamtes Briefe sortiert. „Es war sehr schön dort, und ich habe neue Einblicke erhalten“, sagt er. Die Mitarbeiter hätten ihn sehr gut unterstützt. Es habe ihm viel Spaß bereitet und könne gern wiederholt werden.

Stephan Eisenbrandt war bei der Grünabfallannahme der Stadtwerke eingesetzt und hat dort die Grüne Karte der Kunden kontrolliert. „Das war eine sehr interessante Erfahrung für mich“, schätzt er ein.

Marcel Hoffmann, Fachgebietsleiter für Soziale Teilhabe und Schwerbehindertenrecht im Landratsamt, begrüßt den Aktionstag. „Wir legen den Fokus auf die Inklusion von behinderten Menschen in die Arbeitswelt“, sagt er. Die Eingliederung in den normalen Arbeitsmarkt sei dabei ein wichtiges Ziel. So arbeiten im Landratsamt seit 2019 zwei behinderte Menschen. „Wir wollten damals mit der Anstellung der beiden ein Vorreiter beim Umsetzen des neuen Bundesteilhabegesetzes sein.“