Operngala lässt eine Frage offen

Nordhausen  Im Nordhäuser Theater werden drei Jubiläen gefeiert. Orchester, Chor und Solisten überzeugten einmal mehr auf Bühne

Die Operngala zu Beginn der neuen Spielzeit im Theater Nordhausen fiel in diesem Jahr zeitlich mit gleich drei Jubiläen des Hauses zusammen.

Genau am 29. September, dem Tag der letzten Aufführung der Gala dieses Jahres in Nordhausen, wurde das Theater im Jahre 1917, also vor 102 Jahren, eingeweiht. Das war mitten im Krieg. Und im Oktober feiern die Nordhäuser 70 Jahre Wiedereröffnung des Theaters nach der Zerstörung im 2. Weltkrieg.

Alle Besucher der Gala waren nach der Veranstaltung zu einem Glas Sekt und einem Stück von der leckeren Geburtstagstorte eingeladen. Der Oberbürgermeister der Stadt, Kai Buchmann, die Vorsitzende des Theaterfördervereins und ehemalige Oberbürgermeisterin, Barbara Rinke, und natürlich der Hausherr, Intendant Daniel Klajner, ließen es sich nicht nehmen, Gratulationen und Glückwünsche zu überbringen. Sie würdigten mehrfach die enge Verbundenheit der Nordhäuser Bevölkerung mit ihrem Theater, würdigten aber auch in besonderem Maße die Leistungen aller Mitarbeiter des Hauses.

Und davon konnten sich die Zuhörer der Operngala überzeugen. Unter dem Motto „Weites Land und weite Seele – Die slawische Operngala“ präsentierten Orchester, Chor und Solisten Kostbarkeiten slawischer Opern.

Das Loh-Orchester eröffnete das Konzert mit der festlichen Polonaise zur Oper „Eugen Onegin“ von Peter Tschaikowski. Und damit präsentierte sich der dritte Jubilar, denn das Orchester konnte vor wenigen Tagen sein 400-jähriges Bestehen feiern, es wurde außerdem mit dem Theaterpreis des Fördervereins vom Theater Nordhausen ausgezeichnet, eine zutiefst verdiente Anerkennung und Würdigung.

In der Gala schlossen sich weitere Ausschnitte aus Tschaikowskis Opern an, in denen Hauschor und Solisten des Theaters zu hören waren. Die stimmungsvollen Bilder im Bühnenhintergrund, inhaltlich passend zu den vorgetragenen Opernausschnitten, verstärkten die emotionale Wirkung.

Die Stimmung im großen Saal war festlich, aber auch angenehm locker. Wie könnte das anders sein, wenn Daniel Klajner und Michael Helmrath moderieren. Große Chorszenen, wie die Polowetzer Tänze aus „Fürst Igor“ von Alexander Borodin erfreuten das Publikum.

Ingegjerd Bagoin Moe, einziger Gast an diesem Abend, stellte sich in der großen Briefszene der Tatjana vor und sorgte später mit dem Lied an den Mond aus der Oper „Rusalka“ von Antonin Dvorak nicht nur bei Michael Helmrath für Gänsehaut.

Der junge, in Nordhausen bereits bekannte und beliebte Tenor Kyounghan Seo glänzte in Arien des Lenski und des Hans aus der „Verkauften Braut“ von Smetana, in der Höhe, wusste aber auch Emotionen zu vermitteln. Gleichermaßen engagiert wie einfühlsam interpretierte Philipp Franke in Rollen des Onegin und des Fürsten Jeletzky aus Tschaikowskis Oper „Pique Dame“. Und noch einmal Tschaikowski: Mit der Arie der Johanna aus „Die Jungfrau von Orleans“ bekam Carolin Schumann viel Applaus. Auch eine Hymne an die Sonne war zu hören. Aus „Der goldene Hahn“ von Nikolai Rimski-Korsakow, sang Amelie Petrich, sie bestach später mit einer Vokalise von Sergej Rachmaninow.

Viel Beifall erhielt Yavor Genchev für seinen großen Auftritt als Fürst Gremin, begeisterte das Publikum aber auch mit der schauspielerischen Interpretation zweier Trinklieder.

So endete die Operngala in bester Stimmung mit mehreren Zugaben. In das Lied vom Abend in Moskau stimmte sogar das Publikum mit ein. Und mit dem Hinweis auf die sich anschließende Geburtstagsparty vereinten sich alle Künstler des Abends noch einmal bei dem Trinklied aus der Oper „La Traviata“ von Giuseppe Verdi“.

Eine unvergessliche Operngala. Eine Frage bleibt jedoch: War eine Operngala zu Beginn der neuen Spielzeit nicht ursprünglich gedacht, um auf Inszenierungen der neuen Saison einzustimmen und mit gezielten Ausschnitten auf diese neugierig zu machen?

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