Ossietzky-Quartier in Nordhausen: Im Juli startet Sanierung des zweiten Wohnblockes

Susanne Schedwill
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Karsten Grüneberg (links) bespricht mit Vorarbeiter Nick Schulte von der Firma Pichler die weiteren Arbeiten an der Rückseite des Wohnblockes in der Dr.-Robert-Koch-Straße.

Karsten Grüneberg (links) bespricht mit Vorarbeiter Nick Schulte von der Firma Pichler die weiteren Arbeiten an der Rückseite des Wohnblockes in der Dr.-Robert-Koch-Straße.

Foto: Susanne Schedwill

Nordhausen.  Projekt der Städtischen Wohnungsbaugesellschaft in Nordhausen-Nord ist mehr als neue Balkone, Fassade und Entkernung.

Auf der aktuell größten Baustelle der Städtischen Wohnungsbaugesellschaft (SWG) in Nordhausen, dem Ossietzky-Quartier, geht es jetzt mit großen Schritten voran: Noch ist die Straßenseite des Wohnblocks in der Dr.-Robert-Koch-Straße 4-18 eingerüstet. Doch schon Mitte Mai soll das Gerüst hier abgebaut werden. „Die Frontfassade ist bis auf kleinere Restarbeiten an der Apotheke dann fertig“, sagt Karsten Grüneberg, Projektleiter bei der SWG.

Auf der Rückseite bringt die Firma Pichler neue Dämmung an. Bis Juni sollen auch diese Arbeiten abgeschlossen sein. Im Anschluss beginnen vorbereitende Arbeiten für die Balkonanbauten. Lieferschwierigkeiten und das wiederholte Schacht-Verbot im Umfeld des Südharz-Klinikums im Zuge der Corona-Pandemie haben hier einige Zeit gekostet. Doch im Herbst sollen die neuen Betonbalkone endlich angebaut werden. Sie werden deutlich größer als die alten, nämlich wohnungsbreit. Eine spezielle Gründung wird deshalb nötig. Für diese Arbeiten wird ab August ein Spezialbohrer aus Hessen zum Einsatz kommen, der Mikropfähle in die Erde bringt, die bis auf eine ausreichend tragende Erdschicht in den Boden gebohrt werden.

Energetisches Quartierskonzept erstmals in der Umsetzung

Auf dem Dach des 76 Wohnungen großen Blockes erfolgen dieser Tage die letzten Arbeiten. Die Dachhaut ist bereits komplett erneuert. Die neuen Lüftungsanlagen sind installiert und die Lichtluken für die Treppenhäuser eingebaut. Fertig montiert sind auch die 135 Solar-Module der bis 30 Kilowatt starken Photovoltaikanlage durch die EVN, deren Strom für den Betrieb der technischen Anlagen, wie Hauslüftungs- und Wärmerückgewinnungsanlage, Wärmepumpen in Ergänzung zur Fernwärme und für Ladestationen für Pkw und Fahrräder genutzt werden soll.

„Wir wollen mit dem Energiekonzept, das gebäudeübergreifend in diesem Quartier umgesetzt wird, nach der Sanierung Betriebskosten sparen“, erklärt SWG-Chefin Inge Klaan. „Energie, die im Quartier erzeugt wird, soll nicht in die Netze fließen, sondern direkt im Quartier genutzt werden und über ein Nahversorgungsnetz die Kosten aller Mieter senken. Gleiches gilt für die Wärmerückgewinnung aus der Lüftung. Einmal erzeugte Wärme wird dem System wieder zugeführt.“

Unter den Fundamenten des geplanten Neubaus in der Albert-Traeger-Straße soll ein Erdspeicher integriert werden, der überschüssige Energie in Zeiten der Minderabnahme zwischenspeichert und später bei Bedarf im Quartier genutzt werden kann. „Alle Gebäude im Quartier werden in den wesentlichen Bauteilen energetisch ertüchtigt,“ freut sich Inge Klaan.

Entkernung in Ossietzky-Straße im zweiten Halbjahr

In einem zweiten Schritt soll der zweite, etwas kleinere Wohnblock mit insgesamt 40 Wohnungen in der Carl-von-Ossietzky-Straße 3-6 ab der zweiten Jahreshälfte saniert werden. „Ab Juli ist der Wohnblock komplett leer gezogen“, erklärt Grüneberg. Dann herrscht Baufreiheit. Den Mietern wurden sanierte Wohnungen in der Dr.-Robert-Koch-Straße oder Wohnungen an anderen Standorten angeboten. „Hier sind deutlich größere Eingriffe vorgesehen und auch möglich als in der Dr.-Robert-Koch-Straße, wo wir im vollvermieteten Zustand begonnen haben“, erklärt Inge Klaan. Das Haus wird entkernt, die Balkone werden zurückgebaut. Versorgungsstränge, Fenster und Haustüren werden wie schon in der Dr.-Robert-Koch-Straße komplett erneuert. Das Gebäude wird energetisch saniert, neben der Fernwärme wird das Gebäude mit erneuerbaren Energieerzeugungsanlagen ausgestattet, so Grüneberg. Die größten Eingriffe erfolgen in den Eingängen 3 und 6. „Dort werden wir zwei Aufzüge einbauen und so unseren Bestand an barrierearmen Wohnungen erweitern“, betont Klaan. Da diese aber mitten in das bestehende Gebäude installiert werden, muss Platz geschaffen werden. Die Kinderzimmer werden in diesen beiden Eingängen den künftigen Aufzugschächten weichen.

Ziel der SWG sei es, den Wohnblock Ende 2023 fertigzustellen. „Restleistungen, wie Hauseingangsüberdachungen und die Außenanlagen planen wir, im ersten Halbjahr 2024 zu beenden“, sagt Grüneberg.

Neubau nicht vor 2023

In einem letzten Schritt soll der Neubau in der Albert-Traeger-Straße erfolgen. Aktuell wird dort das Fundament des alten Schwesternwohnheimes zerkleinert und beräumt. Mit einem Baustart rechnet SWG-Chefin Inge Klaan ob der Entwicklung der Baupreise allerdings nicht vor 2024. „Die aktuellen Baupreise, die Probleme der Materialverfügbarkeit, die vollen Auftragsbücher unserer Auftragnehmer lassen gegenwärtig keine Realisierung zu. Eine Realisierung muss ich gegenwärtig von einer staatlichen Förderung abhängig machen. Dazu bin ich seit einigen Monaten mit den zuständigen Ministerien im Gespräch. Leider gibt es bisher keine positiven Signale, so dass wir uns erst mal auf die Bestandsanierung konzentrieren und für alles andere eine Marktberuhigung abwarten müssen“, erklärt Klaan.

Insgesamt will die SWG bis 2025 rund 20 Millionen Euro in das Ossietzky-Quartier investieren. In dieser Summe inbegriffen sind die Sanierung der beiden DDR-Plattenbauten, der Abriss des einstigen Schwesternwohnheims und dessen Ersatzneubau, wie auch dessen Energieträgerumstellung sowie die Umgestaltung des Innenhofs und des Areals um das Quartier. Seit Mitte März vergangenen Jahres laufen die umfangreichen Sanierungsarbeiten. Das Quartier ist ein Projekt der Internationalen Bauausstellung (IBA) Thüringen.