Pädagogisch wertvoll mit einem ordentlichen Schuss Komik

Nordhausen  Das Kinderstück „Hexe Hillary geht in die Oper“ macht tatsächlich Lust auf das musikalisch Anspruchsvolle und lässt bei allen Erklärungen auch noch Raum zum Lachen.

Brigitte Roth als Hexe Maria Bellacanta (links), Daniela Bethge als Hexe Hillary (rechts) und Lisa Jakobi als Hausmaus Wülli.

Brigitte Roth als Hexe Maria Bellacanta (links), Daniela Bethge als Hexe Hillary (rechts) und Lisa Jakobi als Hausmaus Wülli.

Foto: Marco Kneise

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Was, schon zu Ende? Der kleine Bub in der vorletzten Reihe im Theater unterm Dach ist enttäuscht. Eben noch war doch zu hören, wie das Orchester die Instrumente stimmt, wie die Oper beginnt!

Das Ende des Kinderstücks „Hexe Hillary geht in die Oper“ ist – bestenfalls – der Anfang. Der Anfang für ein Leben, in dem der gelegentliche Opernbesuch selbstverständlich ist.

Jene Kinder, die die Premiere von Ronald Winters Inszenierung am Sonntag im Theater unterm Dach erlebten, dürften neugierig geworden sein. Dank einer Hexe Hillary (Daniela Bethge), die so gar nicht gruselig ist mit ihrem Wuschelkopf, dem Fransenkleid und der Sternenstrumpfhose, eher schräg und verrückt, neugierig und voller Fantasie wie ein Kind. Zaubern kann sie natürlich auch. Im großen Standardwerk für kleine Hexen erfährt sie, dass Oper Theater ist, in dem alle singen. Am vermuteten Singfluch liegt es aber dummerweise nicht, muss sich Hillary von Hexe Maria Bellacanta (Brigitte Roth) erklären lassen. Die ist das Gegenstück Hillarys, mit einer vornehmen Sprache, korrekt und belehrend wie eine Erwachsene. Wenn Maria Bellacanta Hillary erklärt, dass das „Papier mit dem Fliegenschiss drauf“ Noten sind, dass der Komponist nicht „Kompostist“ heißt und die Koloratur keine „Kloreparatur“ ist, dann ist das so richtig schön zum Lachen für die Kleinen im Publikum.

Ab und an streckt sich der pädagogische Zeigefinger allerdings etwas sehr in die Höhe, ist Hillary bloße Stichwortgeberin, auf dass Maria Bellacanta dozieren kann über den Charakter von Opern, über Stimmlagen, Tonstärken, über die Arie.

Gut, dass Hillarys putzige Hausmaus Wülli (Lisa Jakobi) als Dritte auf der Bühne steht. Die gibt – verzaubert – auch andere Tierlaute von sich, gehorcht mehr oder weniger willig und macht herrlich komische Sachen: Aus dem Teekessel Wassertiere holen oder das Notenblatt ins Grammophon einspannen, auf dass die Klavierbegleitung zu Bellacantas Kostproben aus den Opern „Hänsel und Gretel“, „Die Zauberflöte“ oder „Gianni Schicci“ erklinge.

Wenig später machen sich beide Hexen schick und gehen in die Oper.

In jenen Momenten, in denen sich die musikalische Hexe produziert, steht eine Opernsängerin nur wenige Meter entfernt von den Kindern, und das ist die Stärke dieses Stücks: Oper wird erfahrbar, und zwar kindgerecht dosiert. Die Oper wird von der großen Bühne in ein buntes Kinderzimmer geholt, in dem es eben nur etwas magisch zugeht. Nein, ein Zauber steckt nicht hinter ihr, aber – wie Bellacanta es so schön sagt – „Musik ist ein absoluter Zauber“.

Weitere Aufführungen: heute und am 23. Oktober

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