Preisdruck stellt Südharz Bauern vor große Herausforderungen

Sundhausen.  TA-Podium (Teil 2): Landwirte fordern mehr Mitspracherecht ein und wollen auf die Bürger zugehen.

Eine Podiumsdiskussion des Kreisbauernverbandes und der Thüringer Allgemeine mit Andreas Gerbothe (Obersachswerfer Milchviehbetrieb), Marcus Bertuch (Agrar GmbH Mauderode-Herreden), Peter Cott (TA) und Betina Pietzer (Kreisbauernverband, von links) fand im Scheunenhof in Sundhausen statt.

Eine Podiumsdiskussion des Kreisbauernverbandes und der Thüringer Allgemeine mit Andreas Gerbothe (Obersachswerfer Milchviehbetrieb), Marcus Bertuch (Agrar GmbH Mauderode-Herreden), Peter Cott (TA) und Betina Pietzer (Kreisbauernverband, von links) fand im Scheunenhof in Sundhausen statt.

Foto: Marco Kneise

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„Der Preisdruck ist die Wurzel des Übels“, sagte eine Frau auf der Diskussionsrunde zum Thema Landwirtschaft am Donnerstag in Sundhausen. Die Lebensmittel seien zu billig. Der Bürger sollte nicht nur Massenprodukte kaufen, sondern mehr Wert auf die Qualität legen. „Wer wäre denn bereit, mehr Geld für Lebensmittel zu bezahlen?“, wollte Moderator Peter Cott wissen. Etwa 10 bis 15 Arme gingen daraufhin im Publikum hoch.

„Einige Betriebe betreiben Direktvermarktung – Munds Mühle, Ziegenhof oder Forst zum Beispiel“, sagte Betina Piezer vom Kreisbauernverband. Die Vermarktung von Obst etwa funktioniere nur über große Erzeugergemeinschaften. „Wir haben den Rewe-Markt in Heringen wegen unserer Produkte angesprochen. Doch der lehnte ab, das gibt die Kette nicht her“, so Piezer weiter. Dabei wäre der kurze Weg die richtige Alternative. „Die Direktvermarktung ist sehr schwierig und funktioniert nur gut in größeren Städten“, hat Marcus Bertuch von der Agrar GmbH Mauderode-Herreden festgestellt. Hier sei die Politik gefragt.

Eine Frau, die als Archäologin tätig ist, beklagte sich darüber, dass beim Auftragen von Pflanzenschutzmitteln zu wenig Rücksicht auf Fußgänger genommen wird. Der Landwirt dürfe bis 10 Zentimeter an sie heran, habe sie im konkreten Fall als Antwort erhalten. Wie könne man die Kluft vermindern und aufeinander zugehen? „Bei Wanderern oder einer Mutter mit Kindern hören wir mit dem Spritzen auf“, verdeutlichte Bertuch. „Sprechen Sie die Betriebe und Landwirte an, die reden in der Regel mit Ihnen“, riet er der Frau.

„Ich habe große Hochachtung vor den Landwirten“, sagte ein Bürger. Die Bauern müssten dafür sorgen, dass sie Verbündete finden in der Bevölkerung. Stattdessen würden junge Leute wie die Fridays-for-Future-Bewegung diskreditiert. „Das Problem ist doch, dass nur übereinander und nicht miteinander geredet wird. Deshalb sind wir nach Berlin gefahren“, antwortete Piezer.

Der Vorwurf laute, die Bauern schädigen die Umwelt und vernichten Insekten. „Uns fehlt hier der Dialog. Es wird über uns bestimmt, aber unser fachliches Wissen nicht angehört“, bedauerte sie. Dabei gehörten alle in ein Boot und könnten dann Kompromisse finden. „Wir haben den Wunsch nach Planungssicherheit für die nächsten 15 Jahre, wollen mitgenommen werden und mehr in Verbindung kommen mit den Verbrauchern und der Gesellschaft“, fügte Bertuch hinzu.

Wie ist unsere Region vom Landverkauf an Großunternehmen betroffen, die gar nicht in der Landwirtschaft tätig sind, wollte ein anderer Bürger wissen. „Diese Tendenzen gibt es bundesweit. Es ist schwierig, dem einen Riegel vorzuschieben“, sagte Piezer. „Es gibt zum Beispiel Dr. Oetker, Südzucker AG oder die Sparkassen, die Betriebe kaufen“, erläuterte Steffen Sendig von der Südharzer Landhandelsgesellschaft. Die landwirtschaftliche Fläche sei enorm wertstabil. „Wäre es nicht besser, mit dem Thüringer Ministerium zu reden, etwa bei den nitratbelasteten Gebieten“, fragte Eric Benkenstein, Kreistagsmitglied der Grünen. „Zur Nitratkulisse gab es intensive Gespräche mit dem Ministerium. Aber es gab Schwierigkeiten“, sagte Bertuch. So sollten sich die Vorrangflächen für Insekten nicht verschlechtern und weniger Insektizide eingesetzt werden.

„Ohne Insektizide können wir aber auf den belasteten Gebieten keinen Raps anbauen“, erklärte er. „Wir sind nicht gegen die Grünen als Landwirte, aber gegen grüne Ideologien bei Forderungen, die nicht fachlich untersetzt sind“, stellte er klar.

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