„Fürstenhof“ in Nordhausen eröffnet: Qualitätssprung in Hotellandschaft

Nordhausen  Der „Fürstenhof“ ist etwas Einzigartiges in der Region geworden – in Gestaltung und Ausstattung. Die Defizite im Übernachtungssektor im Südharz bleiben aber.

Großer Andrang herrscht am Donnerstagnachmittag vorm neuen „Fürstenhof“ in der Nordhäuser Bahnhofstraße. Jeder darf sich bei Führungen am Eröffnungstag umschauen.

Großer Andrang herrscht am Donnerstagnachmittag vorm neuen „Fürstenhof“ in der Nordhäuser Bahnhofstraße. Jeder darf sich bei Führungen am Eröffnungstag umschauen.

Foto: Marco Kneise

Die Schuhe blitzen, Axel Heck schaut sehr zufrieden hinab auf das Werk des Putzers. Ebenso zufrieden könnte er nach oben schauen: Der „Fürstenhof“, sein Hotel im Stil der 20er-Jahre, ist etwas Einzigartiges in der Region geworden – in Gestaltung und Ausstattung.

Viele Dutzend Menschen kommen am Donnerstagnachmittag neugierig herein, am Abend folgt ein Empfang mitten auf der Bahnhofstraße für geladene Gäste – so stilvoll wie das Ambiente des Hauses.

1,85 Millionen Euro hat Axel Heck investiert. „Ich hoffe, dass das Konzept mein Geheimrezept ist.“ Das Buchungsniveau sei schon jetzt „sehr gut“. 47 Zimmer und zwei Suiten hat der „Fürstenhof“, 88 Betten insgesamt. Die neue Hoteldirektorin Diana Brehm ist Chefin von neun Mitarbeitern. Auf eine Sterne-Klassifizierung verzichtet Axel Heck bewusst – entscheidend sei doch, dass Qualität und Service stimmen und nicht, dass es eine Minibar oder ein Telefon im Zimmer gibt.

Die Option einer Erweiterung hat der Immobilienprofi: Die benachbarte frühere Poliklinik gehört ihm, ebenso die Brache Bahnhofstraße 14. Möglich seien mehr Zimmer, ein Wellnessbereich oder Tagungsräume, blickt Heck voraus.

Gerade des Fehlen letzterer treibt seit geraumer Zeit viele in der Stadt um. Ebenso kritisiert wurde wieder und wieder das Niveau der Herbergen.

In Sachen Qualität hat sich in den vergangenen Monaten nicht nur im Hotel am Bahnhof einiges getan: Der Eigentümer des Stadtpark-Hotels steckte mehr als eine halbe Million Euro in das Haus, revolutionierte die dortige Gastronomie mit einer offenen Küche. Der Landgasthof Bielen hatte sich schon 2015 um einen Anbau erweitert, will auch künftig investieren. Die Wolfsmühle in Rodishain bekommt gerade einen neuen Teil. Das Hotel „Stadt Nordhausen“ leistete sich jüngst neue Fenster.

Es sind diese Beispiele, die Martin Juckeland vom Amt für Stadtentwicklung im Rathaus sagen lassen, dass die Qualität der Nordhäuser Hotellandschaft heute stimmt: „Wir haben einen guten, modernen Standard an Hotelbetten.“

Ob auch die Quantität zufrieden stelle? Juckeland tut sich schwer mit einer Antwort, gefühlt gebe es wohl genug Hotelbetten. Selbstkritisch fügt er an: „Wir haben es leider nie geschafft, eine Potenzialanalyse zu machen.“ Erst jüngst schlossen das Hotel „Avena“ und das Hotel „Zur Hoffnung“ in Werther vor den Toren der Stadt.

Dennoch: Den dringlichen Wunsch nach einem weiteren Hotel habe die Stadt nicht, sagt Juckeland – „der sollte auch eher von der Wirtschaft artikuliert werden“. Privates Engagement freilich sei möglich.

Bevor Axel Heck seine Pläne für den „Fürstenhof“ umsetzte, waren das Schachtbau-Gelände an der Grimmelallee wie auch der Blasiikirchplatz im Gespräch als weitere Hotelstandorte. Für letztere Fläche kündigt Juckeland eine Ausschreibung „in Kürze“ an – im Zuge des Interessenbekundungsverfahrens sei dann die Idee entscheidend, nicht das finanzielle Angebot.

Die Nordhäuser Unternehmer Andreas Peter und Silvio Wagner haben unterdessen das frühere Hotel „Zur Hoffnung“ in Werther gekauft, sind nun auch im Grundbuch eingetragen. Ob es tatsächlich ein Tagungshotel werden soll wie anfangs geäußert, lässt Peter gestern offen: „Wir sind mit möglichen Betreibern im Gespräch.“ Erst wenn das Ziel klar ist, gibt es einen Auftrag an die Planer.

Man will keinen Wettbewerb mit Axel Heck, wartet deshalb auch ab, wie es für ihn läuft. „Wir können es uns leisten, das Haus leer stehen zu lassen“, sagt Andreas Peter.

Die Region brauche aber ebenso wie Investitionen in bestehende Unterkünfte zusätzliche Hotelkapazitäten, wenn die Übernachtungszahlen nachhaltig gesteigert werden sollen, meint Jessica Piper, Geschäftsführerin vom Tourismusverband Südharz-Kyffhäuser. In der Stadt Nordhausen stagnieren diese seit geraumer Zeit bei etwa 40.000 pro Jahr. Landrat Matthias Jendricke (SPD) hält eine Verdopplung der Übernachtungszahlen in Nordhausen für möglich. „Wichtig ist nur, dass wir verschiedenen Ansprüchen gerecht werden.“ Hecks Konzept sei ein Ansatz. Ein anderer könnte ein Hotel am Badehaus sein. In Bad Langensalza werde diese Kombination gut angenommen. Durchaus mit etwas Neid schaut Jendricke auch nach Leinefelde, wo die Stadt sich um ein Hotel nahe Stadion und Leinebad bemüht. Oder nach Bad Frankenhausen, wo aktuell über einen Hotelneubau an der Kyffhäusertherme intensiv diskutiert wird.

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