Quarantäne beendet: Infektionswelle im Bleicheröder Seniorenheim bleibt aus

Bleicherode.  Das Bleicheröder St.-Marien-Heim atmet nach der zweiwöchiger Quarantäne auf: Eine Corona-Infektionswelle ist ausgeblieben.

Im Bleicheröder Seniorenheim St. Marien blieb die befürchtete Corona-Virus-Infektionswelle bislang aus (Archivfoto).

Im Bleicheröder Seniorenheim St. Marien blieb die befürchtete Corona-Virus-Infektionswelle bislang aus (Archivfoto).

Foto: Kristin Müller / TA

Aufatmen nach zwei Wochen voller Ungewissheit, Anspannung, Ängste, Einsamkeit: Im Bleicheröder Seniorenheim St. Marien blieb die befürchtete Corona-Virus-Infektionswelle bislang aus. Die Quarantänemaßnahmen wurden am vergangenen Mittwoch vom Gesundheitsamt aufgehoben, hieß es von der Heimleitung. Alle aktuellen Entwicklungen im kostenlosen Corona-Liveblog.

Am 17. April war eine an Covid-19 erkrankte 79-jährigen Bewohnerin verstorben, nachdem sie – laut ärztlichem Leiter im Rettungsdienst des Landkreises – mit Atemnot ins Nordhäuser Südharz-Klinikum eingeliefert worden war. Der Heimleitung zufolge hatte die Frau akute Schwierigkeiten mit den Blutzuckerwerten, ihr Allgemeinzustand sei deshalb stark reduziert gewesen.

Für das Seniorenheim in der Kalistadt begann mit dem Covid-19-Verdacht ein zweiwöchiges Regime unter Quarantäne im betreffenden Wohnbereich. Das Gesundheitsamt hatte zudem angeordnet, dass alle Bewohner und Heimmitarbeiter getestet werden. Aus dem Labor kam dieser Tage die erlösende Nachricht: Alle Tests seien negativ verlaufen, so Heimleiterin Antje Müller im sozialen Netzwerk Facebook.

Michael Görk, Geschäftsführer des Diakonieverbundes, betonte am Samstag, dass auch die verstorbene 79-Jährige nicht an Covid-19 erkrankt war. Eine Thoraxaufnahme ihrer Lunge habe zunächst zu der Annahme einer solchen Erkrankung geführt, doch habe ein labordiagnostischer Test auf das Corona-Virus letztlich auch bei ihr ein negatives Ergebnis erbracht. Entsprechend habe ihn das Gesundheitsamt informiert.

Die 23 Bewohner des betroffenen Wohnbereichs können nun, nach dem Ende der Quarantäne, wieder gemeinsam im Tagesraum die Mahlzeiten einnehmen. „Sie mussten 14 Tage lang isoliert in ihren Zimmern verbringen, darin essen, wohnen, schlafen. Sie hatten lediglich Kontakte zum Pflegepersonal und zu zwei Mitarbeiterinnen der Sozialen Betreuung, von denen sie maximal die Augen sehen konnten und deren Stimmen sie hörten. Der Rest war in Schutzkleidung gehüllt“, schildert Heimleiterin Müller die vergangenen Tage.

Sie spricht von einer „Riesenherausforderung“, insbesondere für die an Demenz erkrankten Bewohner, die ihren ständigen Drang zu laufen und sich zu bewegen nicht ausleben konnten. Auch hätten ihnen die Kontakte zu den anderen Bewohnern am meisten gefehlt.

„Unendlich viele Tränen sind geflossen. Es bestanden Verlustängste bei allen Bewohnern, die durch die Schließung des Hauses für Angehörige, Besucher und Gäste seit dem 15. März bei allen ohnehin schon spürbar waren“, so Müller. Bei vielen Bewohnern haben die Mitarbeiter eine große Hilflosigkeit bemerkt, andere seien wütend oder frustriert geworden. Immer wieder versuchten die Mitarbeiter zu trösten – als einzige Ansprechpartner waren sie mehr denn je Seelsorger.

Und das in einer Situation, die Antje Müller als eine „Art Ausgrenzung“ beschreibt, in der auch die Pfleger und Betreuer mit eigenen Ängsten zu kämpfen hatten. Dankbar ist sie entsprechend ihrem Team, ebenso aber vielen anderen für schier zahllose Gesten des Mitgefühls: Angehörige riefen an, schickten Whatsapp-Nachrichten und Postkarten, um den Mitarbeitern Mut zuzusprechen. Eines Morgens hing am Heimeingang ein großes „Danke“-Schild. Jungpolitiker brachten Süßigkeiten, Kindergartenkinder bastelten Wunsch- und Grußkarten, malten ein Regenbogenbild. Der örtliche Bäcker überraschte mit Kuchen, Pizzerien schenkten Deftiges aus ihren Öfen. Gebetskerzen wurden entzündet. „Diese Form der Wertschätzung hat uns allen Mut gemacht“, dankt Antje Müller. Nicht allein zu sein in der Krise, das sei ein „gutes Gefühl“ gewesen.

Besuche auch von Angehörigen in Pflegeheimen sind nach wie vor landesweit untersagt. Auch in Bleicherode müssen Gespräche am Telefon oder „über den Gartenzaun“ genügen.

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