Rockstar klagt gegen Konzertagentur aus Thüringen

Steinsee.  Rocklegende Eric Burdon und Hunderte Fans fühlen sich betrogen. Eine Konzertagentur in Hohenstein wirft dem Management des Musikers dagegen Handgreiflichkeiten vor.

Mit einem Facebook-Post wandte sich Eric Burdon – hier bei einem Konzert in Erfurt – an seine Fans, um seine Fassung der Geschichte zu verdeutlichen. Die Konzertagentur will dagegen die Weitergabe der Gage durch einen überwiegend geschwärzten Beleg der Managerin Burdons beweisen.

Mit einem Facebook-Post wandte sich Eric Burdon – hier bei einem Konzert in Erfurt – an seine Fans, um seine Fassung der Geschichte zu verdeutlichen. Die Konzertagentur will dagegen die Weitergabe der Gage durch einen überwiegend geschwärzten Beleg der Managerin Burdons beweisen.

Foto: Marco Kneise

„Im Musikgeschäft versuchen Promoter manchmal, Künstler zu missbrauchen.“ Dieser Satz stammt von Rocklegende Eric Burdon. Gepostet hat er ihn am 1. Oktober nach der Absage seines Konzerts in Amsterdam. Seinen Groll teilen im Netz viele Hundert Käufer für Tickets der geplanten Abschiedstournee. Sie fühlen sich betrogen. Wer genau jedoch der Betrüger ist, dürfte bald ein Gericht entscheiden müssen.

Im Internet ist das Urteil bereits gefallen: Wer einen Eindruck davon gewinnen will, der muss die in Steinsee ansässige Agentur Hohenstein Konzerte googeln. 23 Einwohner zählte das kleine Örtchen bei der jüngsten Erhebung im Mai. Und ebenso viele Rezensionen beschreiben das Unternehmen im Dorf mit vernichtenden Attributen wie „sonderbares Geschäftsgebaren“ oder „Fall für den Anwalt“. Ein TUI-Reisebüro aus Saal an der Donau warnte sogar schon im Frühjahr vor der Firma. Da hatte der eigentliche Ärger noch gar nicht angefangen.

Verzweifelter wendet sich an Zeitung

Für Wolfgang Winter beginnt der am 2. September. Da will der Musikfan aus Buchholz an der Nordheide eigentlich zum Burdon-Konzert in Rostock. Doch wie schon das in Amsterdam und in vier deutschen Städten wird das an der Ostsee abgesagt. Das Geld für ein Zusatzpaket, das er über die Stadthalle in Rostock gebucht hatte, war schon kurze Zeit darauf wieder auf Winters Konto. Den eigentlichen Ticketkosten der Südharzer Agentur rennt er nun jedoch schon seit Wochen hinterher. „Hohenstein Konzerte reagiert nicht auf Mails und nicht auf das Formular zur Rückabwicklung“, sagt Winter, der hier unlautere Mittel wittert, sich sorgt, es mit einer Briefkastenfirma zu tun zu haben. „Mir kommt das komisch vor.“ Winter bittet daher unsere Zeitung um Hilfe.

Und tatsächlich: Zwar steht hinter dem Briefkasten in Steinsee ein Haus, auf ein Klingeln hört am Dienstag aber niemand. Auch bei der Ticket-Hotline ist keiner zu erreichen. Auf Bitten um ein Interview via E-Mail und Facebook wird nur einsilbig geantwortet: Man wirbt „weiterhin um etwas Geduld aufgrund der Vielzahl und Komplexität an laufenden Verfahren“. Die Agentur verweist auf die aktuellen Informationen auf der Firmen-Webseite.

Streit um Gage soll eskaliert sein

Wie weit es um die Rückerstattung gediehen ist, wird hier nicht thematisiert. Stattdessen müht sich die Agentur um eine Erklärung der Tournee-Absage: Dazu geführt hätten Ungereimtheiten bei der Gage. Die Eigentümerin der Agentur, die sonst Events von Semino Rossi oder den Kastelruther Spatzen veranstaltet, behauptet, sie habe das Burdon vertraglich zugesicherte Honorar von 25.000 US-Dollar pro Konzert vorgehalten. Das Management des Künstlers habe sich dann des Geldes „handgreiflich“ bemächtigt, schreibt sie weiter und schließt ihre Schilderung mit: „Immerhin war man nach Erscheinen der Polizei bereit, den Erhalt zu quittieren.“ Nachweisen will sie das mit einem überwiegend geschwärzten Beleg. „Wegen aller Delikte haben wir Strafanzeige erstattet und um Zusammenarbeit mit europäischen Polizeibehörden gebeten“, heißt es auf der Agenturseite.

Bei Burdon klingt das anders: Er und seine Band „The Animals“ fühlen sich durch die Agentur missbraucht. Man habe den Fall den zuständigen Behörden weitergeleitet. Die Westdeutsche Zeitung berichtet von einer Strafanzeige. Und auch in anderen Teilen Deutschlands kommen Zweifel an den Geschäftspraktiken der Südharzer Agentur auf. In Nürnberg – einem der geplanten Konzertorte – erklärte Peter Harasim, früher selbst Organisator von Burdon-Konzerten, den Nürnberger Nachrichten kürzlich: Er wundere sich über das Gebaren im Vorfeld des Auftritts. Demnach habe es keinerlei Werbung gegeben. Für Harasim denkbar ist, dass hier eine „gewollte“ Pleite herbeigeführt wurde.

Welche Fassung – ob die aus Steinsee oder die Burdons – die richtige ist, lässt sich weder im Ort selbst noch im benachbarten Liebenrode klären. Doch einige darauf angesprochene Liebenröder scheinen die Anschuldigungen gegen die Agentur nicht zu verwundern. Und auch in der Mühlhäuser Staatsanwaltschaft weiß man um den Fall, wie Sprecher Dirk Germerodt auf Anfrage bestätigt. Derzeit laufe ein Ermittlungsverfahren im Zusammenhang mit dem Ticket-Verkauf. Der Agenturinhaberin dabei Betrug nachzuweisen, dürfte aber schwierig werden. Dafür hätte sie zum Zeitpunkt des Kartenverkaufs bereits wissen müssen, dass es nicht zum Konzert kommt. Andernfalls, so Germerodt, handele es sich um eine zivilrechtliche Rückforderung, die strafrechtlich nicht relevant ist.

Unglücksrabe des Rock

Für Burdons an traurigen Geschichten reiche Vita wäre dies, so es sich um Betrug handelt, ein weiteres ärgerliches Kapitel: Der Sänger, den die Musikzeitschrift „Rolling Stone“ unter den Top 100 der größten Sänger aller Zeiten listet, gilt in der Rockszene als Unglücksrabe: Ende der Siebzigerjahre etwa wird er fälschlicherweise für einen RAF-Sympathisanten gehalten und im Hochsicherheitsgefängnis Stammheim inhaftiert. Weil ein Bandkollege ihn über den Tisch zieht, erhält Burdon für seinen Nummer-1-Hit „The House of the Rising Sun“ bis heute keine Tantiemen. Und auch das Gefühl, um Konzert-Gagen betrogen worden zu sein, soll kein neues für ihn sein, wie mehrere Medien übereinstimmend berichten. Für Fans wie Wolfgang Winter ist es das dagegen schon.

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Eric Burdon Youtube
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