Rodishainer Wolfsmühle wächst: Richtfest für großen Anbau

Rodishain  Das heutige Hotel ist seit Generationen in Familienhand. Erweiterung um zwölf Zimmer kostet über eine Million Euro.

Geschäftsführerin Doris Hempel mit ihrem Mann, Zimmerermeister Michael Puls, ihrem Sohn Robert Hempel und dessen Frau Annett sowie Enkel Johannes.

Geschäftsführerin Doris Hempel mit ihrem Mann, Zimmerermeister Michael Puls, ihrem Sohn Robert Hempel und dessen Frau Annett sowie Enkel Johannes.

Foto: Kristin Müller

Es sind mehr als 50 Schläge, dann aber ist der letzte Nagel im Dachstuhl. Robert Hempel stößt mit Zimmermannsmeister Michael Puls oben auf dem Gerüst an, dann fallen die Gläser zu Boden: Es wird Richtfest gefeiert im Hotel Wolfsmühle. An diesem Mittwoch sind die Handwerker und die Mitarbeiter eingeladen, für Mitte Oktober ist die offizielle Einweihung geplant.

Seit Januar haben Handwerker an der Stelle eines Stalls einen Anbau hochgezogen, der dem Haupthaus wunderbar ähnelt, das Gebäudeensemble sogar noch harmonischer als vorher erscheinen lässt. Platz wird darin sein für zwölf Doppelzimmer – alle mit Balkon –, zudem für einen Frühstücksraum und ein Kinderspielzimmer.

Mehr als eine Million Euro lässt sich die Familie dies kosten, wobei sie auf eine 30-prozentige Tourismusförderung des Landes zurückgreifen kann. „Ohne Nachfolger hätte ich das nicht gemacht“, sagt Geschäftsführerin Doris Hempel über die Erweiterung. Die 63-Jährige ist glücklich, dass ihr Sohn Robert Hempel – ein gelernter Küchenmeister – mit seiner Frau Annett Hempel – eine Werbedesignerin – bereit steht zur Übernahme. Die Architektenskizze für den Hotelanbau gibt es schon seit ­einigen Jahren. Zu seinem 40. Geburtstag im vergangenen Jahr sah Robert die Zeit gekommen. Bauingenieur Karsten Kurch konnte loslegen. Die Handwerker, denkt Robert Hempel zurück, haben gute Arbeit geleistet, auch Rücksicht auf die Gäste ge­nommen. Morgens zum Beispiel ging es denen zuliebe erst 8 Uhr los.

Am Mittwoch hat Robert Hempel schon wenige Minuten nach dem Richtspruch wieder die Schürze übergezogen, um den Bauleuten Rostbrätel, Würstchen und Schweinshaxe vom Grill zu bieten. Seine Frau Annett führt durch den Rohbau. Die wunderbare Aussicht aus den Zimmern gibt es jetzt schon. „Diese große Eiche hat der Urgroßvater meines Mannes gepflanzt“, zeigt sie hinüber auf einen Solitärbaum auf einer Wiese. Robert Prenzel war es auch, der 1881 die Rodishainer Mühle übernahm. Als Müller. 1918 gab er die Geschicke an seinen Sohn Julius ab, drei Jahrzehnte später war Otto Prenzel an der Reihe.

1964 wandelte dieser die Wassermühle, in der seit jeher auch Gäste eine Bleibe fanden, in ein Betriebsferienheim um. Eine Verstaatlichung wurde stets verhindert. 1984 folgte Otto Prenzels Tochter, die studierte Betriebswirtin Doris Hempel. Sie verhalf dem Hotel über die Wendejahre, mit ihrem Mann investierten sie viel, etwa in ein Saunahaus oder einen großen Teich auch zum Schwimmen.

Doris Hempel weiß um die mit der Mühle untrennbar verbundene Familiengeschichte, sieht die damit verbundene Verantwortung. „Alle Generationen haben stets ihre gesamte Lebenskraft in dieses Haus gesteckt. Da will man es nicht verkaufen müssen“, sagt die ­63-Jährige, die mit 65 ihren ­Ruhestand antreten will.

Ihr Sohn ist seit 2008 im Geschäft dabei, dessen Frau seit zwei Jahren. Mit zwölf weiteren Angestellten, einigen Saisonkräften und Aushilfen hält die Familie ein Hotel mit derzeit 30 Zimmern am Laufen. Die Auslastung liegt bei 60 Prozent, Flauten wie im November eingerechnet: „Für 2020 haben wir schon jetzt kein freies Wochenende mehr“, blickt Annett Hempel auf Hochzeiten und andere Familienfeiern. Zum 30-jährigen Firmenjubiläum 2019 sollen sie und ihr Mann die Geschäfte übernehmen, erzählt Doris Hempel.

Ihr Enkel Johannes (5) hört zu. Übernimmt auch er irgendwann, wäre das Haus in sechster Generation in Familienhand.

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