Rollfinke verlässt Vorstand von Wacker Nordhausen

Nordhausen.  Beim Fußball-Regionalligsten rumort es. Nach einer vergeblicher Rücktrittsforderung an Präsident Kleofas tritt der Unternehmer mit sofortiger Wirkung aus dem Gremium zurück.

Sponsor Uwe Rollfinke (Mitte), hier mit Vize-Präsident Hans-Joachim Junker (links) und dem ehemaligen Mannschaftsleiter Michael Ernst, scheidet aus dem Wacker-Vorstand aus.

Sponsor Uwe Rollfinke (Mitte), hier mit Vize-Präsident Hans-Joachim Junker (links) und dem ehemaligen Mannschaftsleiter Michael Ernst, scheidet aus dem Wacker-Vorstand aus.

Foto: Marco Kneise (Archiv)

Der Rasen ist gemäht, der Albert-Kuntz-Sportpark wartet auf die Wiedereröffnung. Doch bei Wacker Nordhausen rumort es im Präsidium. Der Unternehmer Uwe Rollfinke trat am Dienstag mit sofortiger Wirkung aus dem Gremium zurück. Ende vergangener Woche hatte der langjährige Sponsor den trotz Pleite der Profiabteilung weiter amtierenden Präsident Nico Kleofas zum Rücktritt aufgefordert. Kleofas erbat sich Bedenkzeit. Jetzt handelte Rollfinke. „Hauptgrund für diese schwierige Entscheidung ist ein tief zerrüttetes Vertrauensverhältnis zum Präsidenten Nico Kleofas“, sagte Rollfinke in einer öffentlichen Erklärung.

Rollfinke gehört zu den wichtigsten Sponsoren

Der Nordhäuser, der mit seiner Firma bundesweit Wohnungen modernisiert, gehört zu den wichtigsten Sponsoren des Fußball-Regionalligisten. Im Hintergrund arbeitete Rollfinke in den letzten Wochen bereits an einem Team, das den Verein nach der Wahl eines neuen Präsidiums in die Zukunft führen soll. Doch stieß er bei Gesprächen mit neuen Geldgebern immer wieder auf das „Problem Kleofas“. Der Wachschutz-Unternehmer war als verantwortlicher Geschäftsführer der Wacker-Spielbetriebs GmbH im vergangenen Herbst in die Insolvenz gerutscht. Danach gab es Vorwürfe des Betrugs mit Bürgschaften gegen Kleofas und Hauptsponsor Carlo Knauff, die Anzeigen der geprellten Geldgeber und in Untersuchungen des Landeskriminalamtes mündeten. Erst am Dienstag (19. Mai) durchsuchte das Kriminalamt die Büroräume der Wacker-Geschäftsstelle. Ergebnisse gibt es mit Verweis auf laufende Ermittlungen aus Erfurt, Mühlhausen und Nürnberg noch nicht. Doch Kleofas ist angezählt, harrt aber weiter auf seinem Posten aus. Mit Vize-Präsident Hans-Joachim Junker führt er weiter den Verein.

Verzögert hat sich auch das Insolvenzverfahren der Spielbetriebs GmbH. Stillstand sei aber nicht durch die Corona-Krise eingetreten. Allerdings läge das nötige Gutachten des vorläufigen Insolvenzverwalters Peter Staufenbiel noch nicht vor, so das Amtsgericht Mühlhausen in einer Mail an diese Zeitung. Staufenbiel, der seit Beginn des Jahres am Gutachten arbeitet, kündigte vor wenigen Tagen an, dass das Insolvenzverfahren wahrscheinlich in den nächsten zwei Wochen eröffnet werden könnte. Das Gutachten und das Ergebnis des Verfahrens wird in Nordhausen mit Spannung erwartet. Vor allem um Hintergründe über Geldflüsse, die zum Aus des Profifußballs im Südharz führten, zu erfahren. Bisher gibt es keine Anzeichen, dass der Stamm-Verein von der Insolvenz finanziell noch betroffen sein könnte. Doch mögliche Geldgeber wollen offenbar Risiken vor einem neuen Engagement bei Wacker ausschließen.

Baldige Einberufung einer Mitgliederversammlung

Entscheidend für den Weg des Vereins wird die baldige Einberufung einer Mitgliederversammlung sein. „Die Wahl eines neuen Präsidiums war von Anfang an unser Ziel. Dass wir sie noch nicht durchführen konnten, ist auch Corona geschuldet“, sagte Junker. Man bereite die Mitgliederversammlung nun unter den neuen Bedingungen vor. Einen genauen Termin könne er aber noch nicht benennen.

Offen ist auch noch, wann zumindest der auf den Rasen drängende Nachwuchs wieder in das Kleingruppen-Training einsteigen kann. Am kommenden Montag geben die Stadt Nordhausen und das Landratsamt die Sportplätze frei. Die Vereine dürfen aber nur mit entsprechendem Hygiene-Konzept das Training wieder aufnehmen. Das fehlt bei Wacker noch, ebenso wie der neue Hygiene-Beauftragte. „Ich denke mit dem Großfeldteams kann man in Gruppen schnell starten. Bei den Kleinen ist es vor allem mit dem Abstand halten nicht so ganz einfach“, sagte Jens Ludwig, der im Wacker-Präsidium als Trainer für den Nachwuchs verantwortlich ist. Der genaue Termin für den ersten Kick im Albert-Kuntz-Sportpark aber bleibt noch offen.