Rüdigsdorfer organisieren Widerstand gegen Gipsabbau

Bleicheroda (Nordhausen). Nordhäuser Arzt Christian Marx initiierte Petition an das Land Thüringen, um weitere Steinbrüche zu verhindern.

Entlang des Winkelbergs nahe Rüdigsdorf zeugt ein 70 Meter langes Banner bereits von der ablehnenden Haltung vieler Südharzer zu einem weiteren Steinbruch. Foto: privat

Entlang des Winkelbergs nahe Rüdigsdorf zeugt ein 70 Meter langes Banner bereits von der ablehnenden Haltung vieler Südharzer zu einem weiteren Steinbruch. Foto: privat

Foto: zgt

Etwa 70 Meter lang ist das Protestbanner ­entlang des Winkelbergs gegen den Gipsabbau bei Rüdigsdorf jetzt schon - entstehen soll das längste Transparent Deutschlands, kündigte gestern Tomas Kerwitz an.

Der Rüdigsdorfer war wie auch andere Bewohner des Dorfs erschrocken von den Plänen der Ellricher Firma Casea, in der Rüdigsdorfer Schweiz Gips abzubauen (unsere Zeitung berichtete). "Nächsten Samstag soll die Aktion fortgesetzt werden", lädt Kerwitz zum Mitmachen ein. Jeder könne Slogans, Pinsel und Farbe oder Sprühdosen mitbringen. Das Material für das Banner sei vorhanden. 14 Uhr folgt eine Infoveranstaltung in der Gaststätte "Rüdigsdorfer Schweiz".

Die Rüdigsdorfer wollen die Bemühungen der Stadt Nordhausen und des Landkreises unterstützen, neue Gipsabbauflächen zu verhindern. "Wir fördern und fordern, alles zu unternehmen, um dieses Ziel zu erreichen. Es ist nicht nur politischer Wille, es ist Bürgerwille", meinte Tomas Kerwitz.

In gleiches Horn stößt der Nordhäuser Arzt Dr. Christian Marx mit einer vor drei Tagen erarbeiteten Petition an das Land Thüringen: "Ich will nicht nur schimpfen. Es ist auch wichtig, dass sich der Bürgerwille artikuliert, um politisches Handeln zu erwirken. Das ist bisher viel zu wenig geschehen", meinte Marx. Der Gipskarst sei ein einmaliges Landschaftsgut und dürfe nicht weiter zerstückelt werden. Deshalb brauche es mehr Naturschutzgebiete und ein Raumordnungsverfahren, um den Abbau in geordnete Bahnen zu bringen. Bislang hatte das Land ein solches Verfahren stets abgelehnt. Der Kreistag konnte sich jüngst mehrheitlich nicht zu einer solchen Forderung durchringen.

"Für die Region wünsche ich mir mehr Engagement vom Umweltministerium und auch dessen Minister Jürgen Reinholz aus Nordhausen", sagt Marx.

Allein in den ersten zwei Tagen unterschrieben mehr als 60 Menschen seine Petition. "In weltweiten Netzwerken werben wir vor allem mit Landschaftsaufnahmen, mit der Schönheit und der Artenvielfalt des Harzes, speziell der Karstlandschaft im Südharz. Lassen Sie keine weitere Zerstörung zu!", begründet Andreas Levi seinen Protest. Marlen Eckert meint: "Alle, die zu uns kommen, schwärmen von unserer Landschaft. Sie soll erhalten bleiben - sie kann nicht ‘renaturiert" werden."