Schmalspurbahnen investieren 2020 kräftig

Nordhausen.  Neue Funktechnik gibt es für die Nordhäuser Zugleitung. Zudem soll eine neue Spielstätte auf dem Brocken realisiert werden.

Größter Posten im Investitionsplan ist der Neubau einer Dampflokwerkstatt in Wernigerode.

Größter Posten im Investitionsplan ist der Neubau einer Dampflokwerkstatt in Wernigerode.

Foto: Silvana Tismer

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Quo vadis Harzer Schmalspurbahnen (HSB)? Wie wird die Eisenbahngesellschaft die Herausforderungen der Zukunft wie den Fachkräftemangel anpacken? Mit Fragen wie diesen hatten jüngst die Gesellschafter aus Harzgerode und Quedlinburg für Aufsehen gesorgt, als sie eine von der HSB angestrebte Verdopplung der Zuwendungen kritisierten (wir berichteten) und als Ausgleich Konzepte forderten. Antworten will die HSB bei einer Pressekonferenz im März geben. Das erklärte jetzt HSB-Sprecher Dirk Bahnsen auf Anfrage. „Mittlerweile haben sich alle Gesellschafter zur Verdopplung des Finanzbedarfs bekannt“, sagt er zu diesem positiven Zeichen, dem man nun Rechnung tragen will. Und mehr noch: Wie Landkreis und Stadt Nordhausen im Dezember haben sie alle auch dem Haushaltsplan der Eisenbahngesellschaft zugestimmt.

12,5 Millionen Euro sollen verbaut werden

Der sieht dieses Jahr eine stolze Summe von 12,5 Millionen Euro an Investitionen vor. Zum Vergleich: Voriges Jahr waren rund 7 Millionen geflossen. Grund für die Mehrausgaben ist der geplante Bau der Dampflokwerkstatt in Wernigerode, in den circa 10,5 Millionen Euro wandern sollen. Derzeit würde hier die Baugrube eingerichtet, erläutert der Bahnsprecher, der bei entsprechender Witterung mit einem Start der Hochbauarbeiten noch im Januar rechnet. Bis Jahresende, so die Hoffnung, könne der Rohbau stehen. Durch die hier anvisierten Reparaturen der Loks in Eigenregie – nicht mehr in einer Werkstatt in Südthüringen – spekuliert das Unternehmen, bis zu zwei Millionen Euro jährlich zu sparen.

Doch das ehrgeizige Projekt ist nicht der einzige Posten im Wirtschaftsplan, auch im Landkreis Nordhausen soll gebaut werden, weiß Bahnsen. Demnach investiert die HSB aktuell auf zwei hiesigen Streckenabschnitten. So laufen seit November nahe der Tiefenbachmühle auf 500 Meter Gleiserneuerungsarbeiten. Auch an der Eisfelder Talmühle werden Gleise auf einem halben Kilometer gerichtet. Hier sei die durchschnittliche Gleislebensdauer von 40 Jahren erreicht, begründet Bahnsen die rund 1,1 Million Euro hohe Investition. Wermutstropfen: Noch vor acht Jahren hätten ähnliche Arbeiten nur 600.000 Euro gekostet, macht er auf steigende Baupreise aufmerksam. Eine weitere Baustelle wird in den kommenden Monaten in Höhe des Herkules-Supermarktes in Niedersachswerfen folgen. Ein Bahnübergang werde hier zum reinen Fußgängerüberweg umgestaltet.

Umstellung auf Digital-Funk

Das weitaus kompliziertere Projekt dürfte aber eine Umstellung des gesamten Funknetzes auf digitale Technik werden. „Das wird eine Hausnummer“, sagt Bahnsen über das mittlerweile 20 Jahre alte Netz, mit dem die Verständigung zwischen Lokführern und den beiden Zugleitern in Nordhausen und Wernigerode funktioniert. „Von Nordhausen aus wird der gesamte Verkehr bis Benneckenstein sowie der im Selketal geregelt.“. In diese technische Umstellung wird je nach Ausschreibungsergebnis eine Summe im mittleren sechsstelligen Bereich fließen, meint Bahnsen.

Ein weiterer interessanter Punkt im Investitionsplan betrifft den aktuell etwa 40.000 Euro hohen Posten für Planungen am sogenannten Heinesaal. Hinter dem lyrischen Namen des Literaten, der auch mit einem Denkmal auf dem Brocken verewigt ist, stecken die Planungen an einem ehemaligen Gebäude der Telekom. Den wollen die Harzer Schmalspurbahnen langfristig zu einer Spielstätte für Veranstaltungen entwickeln, nachdem für die Rockoper „Faust“ 2019 der letzte Vorhang gefallen war.

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