Schnupperstunde für Grünenpolitiker im Nordhäuser Seniorenheim

Nordhausen  Nordhäuser Einrichtungsleiterin bringt Landtagspolitiker den Pflegeberuf näher, bei dem man das Herz an der richtigen Stelle haben muss.

Dirk Adams, Seniorenheimleiterin Sabine Paul und Bewohnerin Margot Wenkel. Foto: Marco Kneise

Dirk Adams, Seniorenheimleiterin Sabine Paul und Bewohnerin Margot Wenkel. Foto: Marco Kneise

Foto: Marco Kneise

Natürlich kennt sie den jungen Mann, der gerade auf sie zukommt. Aus der Zeitung und dem Fernsehen ist ihr der Politiker bekannt. Nun besucht Dirk Adams (Grüne) ausgerechnet das Nordhäuser Seniorenheim, in dem Margot Wenkel ihren Lebensabend verbringt, dem „Haus am Park“.

Ein Projekt, in dem der Thüringer Landtagsabgeordnete im Rahmen kleiner „Praktika“ immer wieder in die Rolle verschiedener Berufe schlüpft, um in deren Berufsalltag für zwei bis drei Stunden hineinzuschnuppern und die Herausforderungen der jeweiligen Tätigkeiten kennenzulernen. Nach einem Praktikum bei der Müllabfuhr und einem Abend als Barkeeper nahm sich Adams am Montag nun den sozialen Bereich vor, schnupperte in den Beruf des Altenpflegers hinein. „Die Arbeit in der Altenpflege ist besonders wichtig und leistet einen unverzichtbaren Beitrag für unsere Gesellschaft. Allerdings stehen diese Berufe wegen ihrer geringen Entlohnung bei gleichzeitig schwierigen Arbeitsbedingungen derzeit viel in der Diskussion“, so Adams. Als Leiterin des Seniorenheims „Haus am Park“ zeigte Sabine Paul dem Politiker die Einrichtung des Jugendsozialwerkes und stand bei Fragen Rede und Antwort. Sei es zum Thema Pflege, Ausbildung, Tagesablauf, Demenz oder Dokumentation. Letzteres machte den Pflegefachkräften das Berufsleben in den vergangenen zehn Jahren richtig schwer, da es vorgegebene Richtlinien gab, die man in der Dokumentation praktisch nur noch abhaken musste, so Sabine Paul, die darin praktisch ein Verbot des Denkens sieht.

Änderung hierfür sei mit dem Strukturmodell seit 2016 in Sicht, da hier wieder mehr die Fachlichkeit und Krankenbeobachtung des Mitarbeiters gefragt ist. Zwar sei es ein schwieriger Weg, doch ein guter mit weniger Zeitaufwand für die Dokumentation. Jedoch sieht die Seniorenheimleiterin mit dem neuen Pflegeberufsreformgesetz die nächsten Probleme auf sich zurollen. Denn ab nächstem Jahr gelte ein neues dreijähriges Ausbildungsmodell, bei dem die ersten zwei Jahre gleich sind. Erst im dritten Jahr können sich die Auszubildenden entscheiden, ob sie in die Kinder-, Kranken- oder Altenpflege gehen. „Da wird die Altenpflege hinten runterfallen“, so Sabine Paul, da diese einfach der „unattraktivste Beruf ist, für den man jedoch das Herz an der richtigen Stelle haben muss.“

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